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Open Air in Kappeln SHMF: „Traumreise“ am Sonntagmorgen

Von dod | 09.08.2020, 18:00 Uhr

„Stippvisite“: Open-Air-Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals mit Avi Avital und Aydar Gaynullin begeistert.

Zu einer stimmungsvollen und fröhlichen „Stippvisite“ im Sommer der Möglichkeiten hatten die Organisatoren des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) am Sonntag, 9. August, nach Ellenberg eingeladen. Rund 500 Gäste lauschten dem Mandolinisten Avi Avital und seinem Freund Aydar Gaynullin am Akkordeon.

Mit „Moin, moin“ begrüßte der charismatische Musiker Avidar das Publikum und erklärte gleich, dass sie mit dem Programm noch experimentieren. „Es ist neu. Wir spielen alles, aber nicht in der Reihenfolge, wie sie da steht.“ Aber die Reihenfolge war für das Publikum auch nicht entscheidend. Ob Fritz Kreisler, Igor Strawinksky, Béla Bartók oder Eigenkomposition, im Duett oder als Solisten: Avital und Gaynullin hatten das Publikum im Griff – teilweise wirkte es nach Ausklingen der Melodien so fasziniert, so elektrisiert, – es war, als ob sich niemand traute, vor Begeisterung in die Hände zu klatschen. Avi Avital verstand es, seine Leidenschaft für das Saiteninstrument zu übertragen. Zart gezupfte leise Töne, kraftvolle Passagen – irgendwo zwischen Barockmusik und rumänischen Volkstänzen zeigte Avital, dass sein kleines bauchiges Instrument über Ausdrucksmöglichkeiten verfügt, die ihm nicht jeder zugetraut hätte.

Premiere in Kappeln

Avital wurde 1978 in Israel geboren und begann mit acht Jahren Mandoline zu spielen. Er hat bereits vier CDs veröffentlicht, war 2011 für den Grammy Award nominiert und gewann 2015 einen Echo Klassik. 2017 war er beim SHMF Porträtkünstler des Jahres und gab in diesem Zusammenhang rund 20 Konzerte. In Kappeln war er gestern das erste Mal.

Mitreißend und virtuos

Unglaubliche Töne entlockte auch Aydar Gaynullin seinem Instrument. Bei der schwungvollen Polka wippten die Zuhörerfüße mit – im Nachklang des Walzers konnte man bei geschlossenen Augen fast Wind pfeifen und Wellen rauschen hören. Seine Mimik verriet seine Spielfreude, und die war ebenso mitreißend wie seine Virtuosität.

Aydar Ganynullin wurde 1981 in Russland geboren und ist dort ein Star. Er spielt bereits vor Gorbatschow und Putin, vor Chirac und der spanischen Königin Sophia. Für seine Filmmusiken wurde er bereits international ausgezeichnet.

Dass das Publikum mitgerissen und am Ende des gut einstündigen Konzerts begeistert war, zeigte sich an den Standing Oviations, mit denen die Künstler sich zu einer Zugabe überzeugen ließen. Avital bedankte sich mit der Hand auf dem Herzen – das SHMF sei sein liebstes Festival.

„Hervorragend“, fand Oliver Heid das Konzert. Dem „Neu-Flensburger“ aus Südbaden gefiel besonders die Kombination der beiden Instrumente. „Es ist jedes für sich sehr konzertant, aber von dieser Zusammenstellung bin ich begeistert“, sagte er. Für Margit Wolf war das Open Air wie eine Traumreise. „Ich war gerade in Andalusien, Russland und Süditalien“, schwärmte die Flensburgerin. „Die beiden harmonisieren, als wenn sie eins wären.“ Kerstin Schirrmeister aus Süderbrarup ist generell ein Fan der SHMF-Konzert. „Wir hatten sieben Karten, alles musste ausfallen“, sagte sie und freute sich umso mehr über diese Matinée.

Dorothea Hillebrecht-Langer geht grundsätzlich gern auf Sinfonie-Konzerte und hat diese Chance in ihrem Kappeln-Urlaub ergriffen. „Mandoline und Akkordeon, das ist schon eine ganz besondere Kombination“, sagte die Hannoveranerin und lobte die gelungene Abstimmung der Instrumente. Ihr Begleiter Holger Meier aus Lengede fand die beiden Künstler „erfrischend und gewinnend“.

Die 250 Tickets für das SHMF-Open-Air-Konzert wurden ausschließlich als Duo-Karten verkauft, so dass auf dem Gelände an der Gorch-Fock-Schule höchstens 500 Zuhörer – mit Abstand – Platz nehmen konnten. Versorgt wurden die Gäste – viele ausgestattet mit Sonnenschirm, Hut oder Fächer – von den Organisatoren vorsorglich mit Selter und Laugenstangen.