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Kappeln Gedankenspiele für den Südhafen

Von rn | 13.04.2013, 08:38 Uhr

Veranstaltung zur Ideensammlung für die Überplanung des Areals / Viele Nutzer und Eigentümer erschweren homogenes Konzept

Der Südhafen ist ein Phänomen. Es gibt wohl kaum einen anderen Ort in dieser Stadt, an dem auf verhältnismäßig kleiner Fläche so viele verschiedene Bedürfnisse aufeinander prallen. Beispiele: Die Segler des ASC und der Traditionsschiffe an der Pier, die Anwohner des Bahnhofsweges, die Betreiber der Dampfeisenbahn, die Veranstalter in der Koslowski-Halle, die Mitarbeiter der Cremilk, die Ehrenamtler des Museumshafens. Ihnen allen gerecht zu werden, scheint schier unmöglich. Sie alle anzuhören, ernst zu nehmen und gemeinsam an Kompromissen zu arbeiten, ist jedoch durchaus gewollt. Das wurde auf der Veranstaltung, zu der der CDU-Bezirksverband für Mittwochabend eingeladen hatte, deutlich. Denn gerade weil bei der avisierten Überplanung des Südhafens, derer sich die AC Planergruppe aus Itzehoe angenommen hat, noch keinerlei Entscheidung gefallen ist, schien der Zeitpunkt einer ersten Ideensammlung tatsächlich gut gewählt. Geschätzte 60 Menschen waren ins ASC-Restaurant gekommen, um daran teilzunehmen.

Als Moderator des Abends gab Matthias Mau die Richtung vor. "Der Südhafen ist ein Filetstück", sagte der zweite Vorsitzende des CDU-Bezirksverbandes. "Und wir Politiker sollten genau zuhören, was sich die Bürger dafür wünschen." Aufgabe der Politik sei es dann, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Arbeitsplätze entstehen ließen und Investitionen rechtfertigten. Für das Bauamt erinnert dessen Leiter Erich Reuter zunächst daran, dass es abgesehen von einem F-Plan derzeit noch keine weiteren Festlegungen gebe, man sich also in einem sehr frühen Planungsstadium befinde. "Jetzt geht es im Wesentlichen um Anregungen, denn die AC Planergruppe kann nur das umsetzen, was wir als Input einbringen", sagte Reuter. Neben den verschiedenen Interessensgruppen, die es dabei zu berücksichtigen gelte, existierten gleichzeitig mit Bund, Kreis, Stadt und Privatleuten viele unterschiedliche Eigentümer. Reuter: "Das macht es schwierig, ein Gesamtkonzept zu entwickeln."

Einen ersten Versuch startete Martin Stepany. Der Stadt- und Landschaftsplaner der AC Planergruppe stellte so etwas wie eine unverbindliche Diskussionsgrundlage für den Südhafen vor und bekannte schnell: "Es geht hier sehr um das Ringen von Inhalten." Das Nachbarumfeld nannte er "nicht ganz unkritisch", gleichwohl dürften zumindest in den ersten Gedankenspielen einzelne Bedürfnisse "nicht zu Barrierewirkungen führen". Zu den Ideen Stepanys gehört unter anderem eine hochwertige Wohnbebauung anstelle der sogenannten Kruse-Hallen, eine Grünfläche mit martimem Spielplatz sowie ein Schienenverlauf der Dampfeisenbahn, der als "durchlässiger Raum" zu erleben ist. Der Bahnhofsweg soll als ruhige Wohnstraße erhalten bleiben, der zu überplanende Bereich komplett über den Südhafen selbst erschlossen werden.

Als unmittelbar von den Plänen Betroffener wünschte sich Iver Andreas Schiller, Geschäftsführer der Angelner Dampfeisenbahn, von Stadt und Planer, "eine enge Kooperation". Eine Machbarkeitsstudie, die bis Jahresende vorliegen soll, eruiere derzeit die Chancen einer umfangreichen Erlebnislandschaft. Schiller: "Das Ergebnis könnte maßgeblich in die Überplanung mit einfließen."

Den von Martin Stepany ebenfalls angesprochenen Erhalt der Kaiflächen begrüßte derweil Thies Kölln. Der Vorsitzende des ASC äußerte sich allerdings kritisch zur Museumsbahn. "Wir sind sehr belastet von der Rauchentwicklung und haben schon erhebliche Schadenssituationen zu beklagen", sagte Kölln. Eventuell könne man über einen alternativen Startpunkt für die Bahn nachdenken. Köllns Wünsche: "Mehr Verweilzonen, mehr Möglichkeiten zu Tagesaktivitäten, mehr Parkflächen, erweiterte Sanitärbereiche, reizvolle Standorte, etwa Pfahlbauten, die Gastronomie auf dem Wasser ermöglichen."

Mit dem Blick des Stadtmarketing-Experten erkannte Jürgen van Schöll, Geschäftsführer der Wirtschaft und Touristik Kappeln (WTK) GmbH, die Notwendigkeit, die touristische Infrastruktur aufzuwerten. So plädierte van Schöll etwa dafür, aus dem derzeitigen "Holperweg" eine "schöne Allee" zu machen, im Idealfall auch eine barrierefreie Touristinformation am Südhafen zu integrieren. Und Uwe Vergin, Hafenmeister des Museumshafens, machte auf ein aus seiner Sicht zunehmendes Problem aufmerksam: Übernachtungsplätze für Wohnmobilisten.

Bei allen Wünschen und Gedankenspielen holte Jens Ramsl, Geschäftsführer der Cremilk, die Anwesenden wieder ein bisschen zurück in die Realität. Zwar wisse er, dass der Tourismus für Kappeln das A und O sei, gleichzeitig aber dürfe das, was für den Südhafen vorgesehen sei, sein Unternehmen nicht in seiner Entwicklung begrenzen - "das möchte ich von vornherein berücksichtigt wissen". Ebenfalls Bestandteil der aktuellen Wirklichkeit sind die Kruse-Hallen hinter dem Lokschuppen der Dampfeisenbahn. Deren Eigentümer Oliver Kruse äußerte sich positiv und fast dankbar über die anstehenden Prozesse. "Es ist gut, dass nun eine Dynamik entsteht", sagte Kruse. Er habe erkannt, dass die Hallen ihre beste Zeit hinter sich haben, aber nach wie vor einen enormen Platz beanspruchten. Kruse zeigte sich offen für Veränderung, erklärte aber auch: "Ich bin auf Hilfe angewiesen."

Zwar hatte die CDU die Sprecher aller in der Stadtvertretung sitzenden Fraktionen eingeladen, erschienen waren aber nur die der CDU, SPD und LWG. Alle drei äußerten Einigkeit darüber, die Entwicklung des Südhafens gemeinsam mit den Bürgern umsetzen zu wollen, wenn auch vermutlich im Laufe des Verfahrens der ein oder andere Aspekt ausgeblendet werden müsse. Das Schlusswort hatte schließlich Matthias Mau, der die geäußerten Vorschläge und Hinweise eine "wunderbare Grundlage" für die AC Planergruppe nannte. Jetzt wolle man ohne Zeitdruck weiterarbeiten, um am Ende eine Planung präsentieren zu können, "auf die man sich verlassen kann". Und dann benannte Mau noch einen Umstand, der den Verlauf des Abends treffend wiedergab und von dem man sich wünschte, ihn am Ende jeder Versammlung feststellen zu können: "Wir sind gut miteinander umgegangen."