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Bundeskanzlerin in Kappeln „Ein wunderschöner Anblick“

Von rn | 21.09.2017, 08:31 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach gestern am Hafen vor rund 2300 Zuhörern. Eine kleine Gruppe demonstrierte lautstark.

Um 18.11 Uhr dröhnte der Hubschrauber wieder von dannen. Zu dem Zeitpunkt hatte vielleicht der ein oder andere der nach Polizeischätzungen 2300 Besucher noch die Klänge des letzten Liedes im Ohr. „The Winner takes it all“ schnurrte über den Platz am Hafen, als Kanzlerin Angela Merkel ihren ziemlich genau einstündigen Auftritt in Kappeln beendet hatte. Souverän hatte sie gewirkt, ihre Rede, wenn sie sie auch sicherlich nicht zum ersten Mal gehalten hatte, frei vorgetragen und sich auch nicht von ein paar lautstarken Unruhestiftern aus der Ruhe bringen lassen.

Ab 15.30 Uhr füllte sich der abgesperrte Platz gleich vor der Schleibrücke langsam aber stetig. Holzbänke hatten die Organisatoren aufgestellt und darauf gleich griffbereit ein paar schwarz-rot-goldene Merkel-Plakate platziert. In der Luft lag eine Mischung aus Neugier, Spannung und Vorfreude: Wie würde das zusammenpassen? Die Politgröße Deutschlands und das kleine beschauliche Städtchen an der Schlei? Als gegen zehn vor fünf schließlich der Kanzlerin-Hubschrauber im Anflug war und eine Extrarunde über das Veranstaltungsgelände drehte, fiel zumindest die optische Begrüßung schon mal ziemlich passend aus: Der Pilot blendete eine paar Mal auf, die Masse am Boden schwenkte ihre Plakate. Kein Wunder also, dass Angela Merkels erste Worte, als sie auf der Bühne stand, diese waren: „Ein wunderschöner Anblick ist das hier in Kappeln.“ Zu diesem Zeitpunkt machte sich die trillerpfeifende Gruppe aus geschätzt 20 Personen zum ersten Mal bemerkbar und sollte auch so ziemlich die ganze Stunde, die der Wahlkampfauftritt dauerte, durchhalten. Angela Merkel beeindruckte das überraschend wenig, vielmehr versuchte sie mit einer ironischen Bemerkung den akustischen Störern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Bevor die Kanzlerin zu ihrem bundespolitischen Themen-Rundumschlag ausholte, unternahm sie zunächst einen kleinen lokalen Schlenker. „Ich freue mich, mal wieder im Wahlkreis 1 zu sein“, sagte Merkel, um dann auf die Besonderheiten der ländlichen Region einzugehen – in Kurzform: Breitband, öffentlicher Personennahverkehr, ärztliche Versorgung, schulische Vielfalt. Danach drehte es sich um das große Ganze – immerhin ist das ja auch genau das, wofür am kommenden Sonntag die Weichen gestellt werden. Angela Merkel sprach über bezahlbaren Wohnraum, über die schrittweise Abschaffung des Solidaritätszuschlags, über Chancengerechtigkeit, über starke Familien, über „vernünftige Renten“, über innere Sicherheit, über den „Friedenswert Europas“, über Flüchtlingspolitik. An den letzten Punkt knüpfte sie ein Dankeschön an die Ehren- und Hauptamtler, die die Arbeit mit Flüchtlingen so selbstverständlich mitgetragen hatten – „das war ein wunderbares Zeichen von Menschlichkeit“.

Und dann wurde es nochmal ein bisschen regional. „Die Menschen in Schleswig-Holstein sind ganz besonders“, sagte die Kanzlerin. Überhaupt habe jede Region des Landes ihre eigenen Wurzeln, ihre eigene Kultur, ihre eigene Tradition. „Und in dieser Vielfalt liegt eine Stärke“, sagte Merkel.

Ein kleines bisschen geografische Vielfalt fand sich neben der Kanzlerin auf der Bühne wieder. Petra Nicolaisen (Wahlkreis Flensburg – Schleswig), Johann Wadephul (Wahlkreis Rendsburg-Eckernförde) und Astrid Damerow (Wahlkreis Nordfriesland – Dithmarschen Nord) waren ebenfalls zu Gast. Nicolaisen nannte den Besuch der Bundeskanzlerin „das Highlight meines Wahlkampfes“, von dem sie sich nun „Schwung für den Endspurt“ erhoffe.

Für Kappeln kam der einstündige Auftritt von Angela Merkel vermutlich auch ziemlich dicht an ein „Highlight“ heran. Allein der Aufwand vorab, die ausgeprägten Sicherheitsmaßnahmen währenddessen und die stattliche Zahl an Menschen, die sich dort an einem Ort zusammengefunden hatten, machten den gestrigen Tag für die kleine Stadt zu einem ganz speziellen. Die Chance, sich daran zu erinnern, liefert die Kanzlerin auf ganz klassische Weise: Sie griff zum Stift und trug sich in das goldene Buch der Stadt ein.