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Infektionen, Inzidenz, Todesfälle Die Corona-Lage im Kreis Schleswig-Flensburg heute und vor einem Jahr

Von Marle Liebelt | 26.01.2022, 10:54 Uhr

Seit fast zwei Jahren dominiert Corona das gesellschaftliche Leben. Für Schleswig-Flensburg ist dies der zweite Corona-Januar. Was ist heute anders als vor einem Jahr? Ein paar Fakten im Vergleich.

Vor zwei Jahren wurde in Deutschland der erste Corona-Fall erfasst. Der erste Infizierte im Kreis Schleswig-Flensburg wurde erst zwei Monate später gemeldet. Kurz darauf drehte sich seit Frühjahr 2020 alles um das Virus. Fallzahlen, Inzidenzen, Lockdowns. Entspannung im Sommer, Verschärfung im Herbst und Winter.

Zwischenzeitig wurden Schnelltests auf das Coronavirus bereitgestellt und inzwischen kann sich jede und jeder zuhause auch selbst testen. Als größter Durchbruch im Kampf gegen das Virus gilt die Impfung. Kurz nach Weihnachten 2020 fuhren die ersten Impfteams in die Senioren- und Pflegeheime, um die ersten Menschen zu impfen.

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Vor einem Jahr und heute

Vor einem Jahr – am 26. Januar 2021 – befand sich die Impfkampagne noch in den Kinderschuhen. Heute – ein Jahr später – ist die Mehrheit der Bevölkerung durchgeimpft. Schleswig-Holstein zählt bei der Impfkampagne zu den Vorreitern der deutschen Bundesländer. Mit einer Impfquote von 78,1 Prozent vollständig geimpfter Einwohner landet das nördlichste Bundesland laut Impfdashboard (www.impfdashboard.de) auf Platz vier. 58,3 Prozent aller Schleswig-Holsteiner haben inzwischen auch eine Auffrischungsimpfung erhalten – Platz zwei der Bundesländer, hinter dem Saarland, wo 59,6 Prozent der Menschen geboostert sind.

Im Vergleich zum 26. Januar 2021 hat sich damit einiges getan. An diesem Tag lag die Impfquote in Schleswig-Holstein noch bei knapp einem Prozent. Doch wie wirkt sich das auf die Meldungen des Kreises Schleswig-Flensburg aus? Wir haben die wichtigsten Meldungen verglichen.

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Infektionen und die Sieben-Tage-Inzidenz

Am 26. Januar 2021 hatte der Kreis Schleswig-Flensburg drei neue Corona-Fälle gemeldet. Damals dominierte die erste, die sogenannte Alpha-Variante des Coronavirus. Und heute – ein Jahr später? Die Zahl liegt deutlich höher: Der Kreis meldet am Mittwoch, 26. Januar, 327 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Jetzt hat die hochansteckende Omikron-Variante das Zepter übernommen.

Die deutlich höhere Zahl an Neuinfektionen sind in diesem Fall kein Tagesphänomen, sondern auch in der Sieben-Tage-Inzidenz sichtbar: Vor einem Jahr überschritt die Kreisinzidenz mit 51,2 gerade die 50er-Marke. Inzwischen leisten wir uns Inzidenzzahlen, die an der 1000er-Marke kratzen. Am Mittwoch liegt die Kreisinzidenz bei 858,6.

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Warum leisten? Weil das Infektionsgeschehen durch Restriktionen beeinflusst werden kann. In diesem Jahr leisten wir uns deutlich weniger Restriktionen und nehmen bewusst höhere Inzidenzen in Kauf. Wie waren die Restriktionen vor einem Jahr und was gilt heute?

Lockdown vs. 2G-plus

2021: Vor einem Jahr befanden wir uns in einem harten Lockdown. Die Gastronomie und der Freizeitbereich waren geschlossen. Auch Geschäfte, die nicht den Bedarf des alltäglichen Lebens decken, waren geschlossen. Hotels durften keine Touristen aufnehmen. Schulen und Kitas hatten zugemacht. Die Maskenpflicht galt auch im Freien, beispielsweise in Kappelns und Schleswigs Innenstädten und an anderen stärker frequentierten Orten, an denen die Einhaltung des Mindestabstandes nicht gewährleistet werden konnte. Treffen im privaten Raum waren nur mit Personen aus maximal einem anderen Haushalt möglich.

2022: Heute gilt in den meisten Bereichen 2G-plus. Vollständig geimpfte Personen kommen, sofern sie einen aktuellen negativen Corona-Test vorlegen können, überall rein. Geimpfte, die bereits ihre Auffrischungsimpfung bekommen haben, sind von dieser Testpflicht befreit – laut Impfquote gilt das also für rund 58 Prozent der Menschen. Rund 20 Prozent müssen sich noch testen lassen. Ungeimpfte – also etwas über 20 Prozent der Schleswig-Holsteiner– sind, wenn sie keine Ausnahme darstellen, von weiten Bereichen des alltäglichen Lebens ausgeschlossen.

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Corona-Erkrankungen und Todesfälle

Dass wir heute keinen Lockdown haben und uns eine Sieben-Tage-Inzidenz von 800 oder mehr leisten, macht einen Blick in weitere Zahlen nötig. Wissenschaftler bescheinigen Omikron, dass es sich auch unter Geimpften verbreitet. Die Impfung den Krankheitsverlauf jedoch merkbar und wesentlich abmildere. Alles bestimmender Maßstab ist das Gesundheitssystem. Es muss gewährleistet sein, dass es nicht überlastet ist.

Ein Blick auf die Belegung der Intensivbetten zeigt: Heute werden ähnlich viele Corona-Patienten auf der Intensivstation behandelt wie vor einem Jahr. Am Mittwoch belegten vier Covid-Erkrankte Intensivbetten des Helios-Klinikums in Schleswig – bei täglich rund 200 bis 300 Neuinfektionen. Vor einem Jahr lagen bei einer Inzidenz von 51,2 – das entspricht im Kreis Schleswig-Flensburg rund 100 Neuinfektionen binnen sieben Tagen – fünf Covid-Erkrankte auf der Intensivstation des Helios-Klinikums.

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Auch die Zahl der Todesfälle unterscheidet sich in diesem Jahr stark von den Meldungen vor einem Jahr. Zum 26. Januar 2021 hatte der Kreis seit Jahresbeginn bereits 13 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet. Ein Jahr später zählt der Kreis zwei Corona-Todesfälle seit Jahresbeginn. In beiden Fällen handelt es sich um Personen, bei denen Vorerkrankungen bekannt waren.

Omikron-Welle in die Länge ziehen

Bundes-Gesundheitsminister Karl Lauterbach vermutet, dass die Omikron-Welle ihr Hoch noch nicht erreicht hat und wir vermutlich bis mindestens Mitte Februar mit weiter steigenden Fallzahlen rechnen müssen.

Der Leiter des Kreis Gesundheitsamtes, Dr. Kai Giermann, sagte im Gespräch mit unserer Redaktion, Omikron sei nicht aufzuhalten. Früher oder später werden alle mit Corona infiziert gewesen seien. Aber: „Für uns bedeutet das, dass wir die nicht zu verhindernde Ausbreitung zeitlich strecken müssen, um eine Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern.“

Darüber hinaus betonte er die Dringlichkeit, sich gegen das Corona-Virus impfen zu lassen. Er selbst habe gerade eine Corona-Infektion überstanden. „Ich bin übergewichtig, habe eine sitzende Tätigkeit. Ohne die Impfungen hätte es mich gekillt oder zumindest auf die Intensivstation gebracht.“