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Donnerkeil, Katzengold und Flintstein : Geschenk: Mineralien und Fossilien aus Moorreger Boden für das Heimatmuseum

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Jetzt überreichte Klaus-Dieter Schwabe dem Bürgermeister und der Verwaltungsmitarbeiterin Regina Klüver Fundstücke als Exponate.

shz.de von
erstellt am 15.Jun.2016 | 16:00 Uhr

Moorrege | Klaus-Dieter Schwabe geht mit offenen Augen durch die Welt. „Er stöbert überall herum“, sagt Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg. Bei einem dieser Streifzüge durch den Ort hat der vielseitig interessierte Rentner eine spannende Entdeckung gemacht: Er fand in Moorreger Grund und Boden Schätze wie Donnerkeile, Katzengold und Flintsteinkugeln.

Als Schwabe vor einigen Monaten wieder einmal durch das Dorf schlenderte, fühlte er sich von den Bodenarbeiten an der Straße Am Häg angezogen. Er stocherte ein weinig im aufgegrabenen Untergrund herum. Sein geübtes Auge entdeckte einen kugelrunden Flintstein. Über den Fund kam er mit einem der Bauarbeiter ins Gespräch. Dieser zeigte dem Hobbysammler einen goldfarbenen Klumpen. Schwabe konnte ihn aufklären: Es handelte sich nicht um Gold, sondern um Katzengold oder Pyrit, eine Eisen-Schwefelverbindung, die schon für die Steinzeitmenschen einen besonderen Wert darstellte. Im Zusammenwirken mit einem Flintstein ist es möglich, mit den markanten Kristallen ein Feuer zu entfachen.

Jetzt überreichte Schwabe Bürgermeister Weinberg und Verwaltungsmitarbeiterin Regina Klüver seine Fundstücke als Exponate für das Moorreger Heimatmuseum. „Wir können davon ausgehen, dass es sich um Mineralien und Fossilien aus Moorrege handelt“, sagte der Gemeindechef. Doch die Flintsteine, Donnerkeile und Pyritknollen sind nicht am Fundort, sondern an anderer Stelle entstanden. Gerade deshalb ist das Gebiet am Häg aus Sicht von Menschen mit einem Faible für Fossilien und Mineralien ein Schlaraffenland. In den Untergrund des Gebiets wurde in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts geschüttet, was als unbrauchbarer Überschuss bei der Herstellung von Zement anfiel. Die Kuhlen in der Umgebung, wie auch die des Oberglinder Naturbadesees, entstanden bei der Suche nach Kalk. Sie wurden nach und nach ausgehoben, die Kalk-, Sand-, Gestein-Masse wurde gesiebt. Der Kalk kam ins Zementwerk, der Rest zurück in den Boden − wo immer es sich anbot. So entstand unter der alten Straße Am Häg eine etwa 20 Zentimeter starke Unterbauschicht.

„Die Fundstücke sind bis zu 70 Millionen Jahre alt. Sie entstanden auf dem Boden eines Kaltwassermeeres“, wusste Schwabe zu berichten. Die Flintsteinkugeln sind versteinerte Schwämme, die Donnerkeile versteinerte Tintenfische. Schwabe übergab die Exponate in einem Schaukasten. Anschaulich stellt er hinter Glas dar, wie die Menschen vor 12  000 Jahren mithilfe von Steinen und Spänen auf einer Jakobsmuschelschale Feuer entzündeten. „Ich habe es selbst ausprobiert“, so Schwabe. „Es ist mühsam, aber es funktioniert“, ergänzte er. Die Muschelschalen wurden schon damals aus dem Mittelmeerraum bis hinauf in den Norden gehandelt“, erzählte er beeindruckt.

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