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Ukraine-Krieg Flüchtlinge werden an dänischer Grenze zurückgewiesen – Flensburg erhöht Kapazitäten

Von Sebastian Iwersen, Annika Kühl | 08.03.2022, 22:59 Uhr

DRK und Technisches Hilfswerk rückten am Abend zu der Turnhalle in die Friesische Lücke aus. Mit einem Lastwagen wurden 60 weitere Feldbetten aufgebaut, um die Kapazität von bislang 50 auf 110 Betten zu erhöhen.

Mehr als eine Million Menschen sind bereits aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine geflüchtet und täglich werden es mehr.

Auch wenn bislang nur wenige von ihnen auf direktem Wege nach Flensburg kommen, hat die Stadt am Dienstagabend mit mehreren Hilfsorganisationen die Kapazitäten in der als Notunterkunft umfunktionierten Turnhalle der Gemeinschaftsschule West erhöht.

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Sowohl das Deutsche Rote Kreuz als auch das Technische Hilfswerk rückten am Abend zu der Turnhalle in die Friesische Lücke aus. Mit einem Lastwagen wurden 60 weitere Feldbetten angeliefert und in der Turnhalle aufgebaut, um die Kapazität von bislang 50 auf 110 Betten zu erhöhen. Bis zum Mittwoch waren dort bislang noch keine Menschen angekommen, teilte Stadtsprecher Clemens Teschendorf mit. „Aber wir sind vorbereitet.“

„Aktuell werden erneut viele Menschen durch die dänische Grenzpolizei bei der Einreise zurückgewiesen – uns haben Informationen erreicht, wonach am Abend rund 100 Menschen davon betroffen sein sollen“, erklärte der diensthabende Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr, Marco Litzkow.

Daher habe man sich entschlossen, die Kapazität in der Halle schnell zu erhöhen, um vorbereitet zu sein.

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Die dänische Polizei weist in der Regel alle Menschen an der Grenze ab, die keinen biometrischen Reisepass mit sich führen – auch Geflüchtete aus der Ukraine.

Wie Oberbürgermeisterin Simone Lange in einer Sitzung des Hauptausschusses mitteilte, „haben wir über den dänischen Generalkonsul erreicht, dass sich Kopenhagen mit der Thematik befasst. Unseres Wissens wollte man das Thema mit den biometrischen Pässen lösen.“

Unabhängig davon zu betrachten sei allerdings die Entscheidung der dänischen Regierung, Menschen aus anderen Herkunftsländern nicht nehmen zu wollen. „Das sind Auswirkungen, die wir hier spüren“, so Lange.

Nicht alle Geflüchteten sind Ukrainer

Die Menschen seien bislang in die Landesunterkünfte gebracht worden, hier seien jedoch inzwischen die Kapazitäten erreicht. Die Oberbürgermeisterin betonte zudem: „Wir sind in Flensburg dafür bekannt, dass wir offen sind und nicht nach der Herkunft fragen. Nicht jeder Mensch, der aus der Ukraine flüchten muss, ist Ukrainer. Ich glaube dieses Bild muss man in der Öffentlichkeit stärker vertreten, auch im Miteinander.“

Um die zurückgewiesenen Menschen versorgen zu können, bauten Helfer faltbare Notbetten in der Halle auf und statteten diese mit Decken und Kissen aus, damit die Menschen dort eine ruhige Nacht verbringen können. Auch die Versorgung mit Getränken und Essen ist dort gesichert.

Auch für den Fall, dass nach Dänemark reisende Flüchtlinge am Bahnhof stranden, laufen erste Vorbereitungen. Ebenfalls am Dienstagabend wurde in einem Gebäude in Bahnhofsnähe durch den Malteser Hilfsdienst eine weitere Notunterkunft für 15 Personen aufgebaut.

Diese wird von der Flüchtlingshilfe Flensburg betrieben und soll Menschen Unterschlupf für die Nacht bieten, die beispielsweise am späten Abend am Flensburger Bahnhof ankommen und aufgrund fehlender Zugverbindungen nicht mehr nach Dänemark weiterreisen können.

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„Wir bringen da natürlich Erfahrungen aus der Flüchtlingswelle von 2015 mit und sind froh, dass wir uns jetzt gut vorbereiten können, bevor die Menschen hier eintreffen“, erklärt Pia Knies von der Flüchtlingshilfe.