Flensburger Schiffbau-Gesellschaft : FSG-Eigentümer Lars Windhorst offenbar in millionenschwere Finanzaffäre verwickelt

Author: Marcus Dewanger
Lars Windhorst bei seinem Besuch in Flensburg im April 2020. Die FSG hatte zu diesem Zeitpunkt einen Insolvenzantrag gestellt.

In geheimen Reports des Wirtschaftsprüfers KPMG werden Windhorst Scheingeschäfte, sogenannte „Wash Sales“, mit einem später verurteilten arabischen Geldwäscher vorgeworfen.

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19. Januar 2022, 11:19 Uhr

In geheimen Reports des Wirtschaftsprüfers KPMG werden Windhorst Scheingeschäfte, sogenannte „Wash Sales“, mit einem später verurteilten arabischen Geldwäscher vorgeworfen.

Investor Lars Windhorst ist nach Recherchen des Nachrichtenportals Business Insider in eine Finanzaffäre verwickelt. Demnach offenbaren Bank-Berichte, Kontoauszüge und E-Mails, wie hohe Millionenbeträge aus strafbaren Handlungen in die Unternehmensgruppe des Eigentümers der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft geflossen sind.

In geheimen Reports des Wirtschaftsprüfers KPMG werden Windhorst Scheingeschäfte, sogenannte „Wash Sales“, mit einem später verurteilten Geldwäscher vorgeworfen.

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Windhorst hatte die strauchelnde Flensburger Schiffbau-Gesellschaft im Februar 2019 übernommen. Im Jahr 2020 folgte die Insolvenz der Werft. Im Zuge des Insolvenzverfahrens stieg Windhorst erneut bei der FSG ein und sicherte dem Unternehmen und rund der Hälfte der Mitarbeiter die Zukunft.

Laut Business Insider hat Windhorst in den Jahren davor Geschäfte mit dem arabischen Manager Khadem al-Qubaisi gemacht, der mittlerweile wegen Korruption und Geldwäsche zu 15 Jahren Haft in den Vereinigten Arabischen Emiraten verurteilt wurde. Qubaisi, der viele Jahre große Staatsfonds der Vereinigten Arabischen Emiraten geleitet hat und Verwaltungsratspräsident der Schweizer Falcon Private Bank war, soll geholfen haben, gestohlene Milliardensummen aus einem malaysischen Staatsfonds über die Privatbank in Zürich zu schleusen.

KPMG soll Geldwäsche-Skandal aufklären

Zudem soll er seinen eigenen Arbeitgeber, den Staatsfonds Aabar, bei einem Aktiengeschäft um einen dreistelligen Millionenbetrag betrogen haben, berichtet Business Insider. Das Geld wurde anschließend über ein verschachteltes Konstrukt weltweit verteilt. Die Qubaisi-Millionen landeten auf Treuhandkonten und wanderten schließlich in den Global Opportunity Funds (GOF) der Falcon-Bank in Luxemburg.

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Am 16. September 2013 flossen die ersten Millionen aus dem GOF in ein Unternehmen von Windhorst, heißt es im „Internal Ad-hoc Audit-Report“ von KPMG. KPMG wurde damals vom neuen Management der Falcon-Bank mit der Aufarbeitung des Geldwäsche-Skandals beauftragt. „Im Rahmen unserer Arbeit haben wir festgestellt, dass die Vermögenswerte des GOF als Vehikel zur Bereitstellung von Liquidität für LW-bezogene Investitionen bzw. Handelsaktivitäten verwendet wurden“, heißt es im KPMG-Bericht.

Mit LW ist laut Business Insider Lars Windhorst gemeint. „Aus den Transaktionslisten, die uns die Bank zur Verfügung gestellt hat, geht hervor, dass die Bank zwischen dem 16. September 2013 und dem 30. Juni 2016 100 Investitionen für den GOF getätigt hat, die von LW initiiert wurden und mit diesem in Verbindung standen.“

Windhorst-Anwalt bestreitet Vorwürfe

Ein Anwalt von Windhorst erklärt, der Investor habe damals keine Ahnung von der womöglich kriminellen Herkunft der Gelder gehabt. Laut anwaltlicher Vertretung von Windhorst sei die „Unterstellung, wonach Herr Windhorst mit kriminellen Handlungen von Khadem Al-Qubaisi in Verbindung stand, falsch und entbehren jeglicher Grundlage.“

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Laut KPMG habe GOF auch eine „Kapitalerhöhung“ von Sapinda finanziert. Sapinda war Windhorsts damalige Unternehmensgruppe, die er 2019 in Tennor umbenannt hat. Zum diesem Zeitpunkt fand auch die Übernahme der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft statt.

Windhorsts Engagement bei der Flensburger Werft ist bis heute umstritten. Zwar rettete er die FSG gleich zwei Mal vor der Pleite, jedoch befindet sich das Unternehmen weiterhin in schwierigem Fahrwasser. Externe Aufträge lassen sich nur schwer eintreiben, seit fast zwei Jahren hat die Werft kein Schiff mehr fertiggestellt und ausgeliefert.

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