Flüchtlinge willkommen

Am Tag, bevor die Flüchtlinge kommen: Neugierige Schüler drückten sich an den Scheiben zur Sporthalle die Nasen platt, während Neumünsters Feuerwehrchef Sven Kasulke Medienvertretern gestern Vormittag Details zur Unterbringung der Flüchtlinge erläuterte.
Am Tag, bevor die Flüchtlinge kommen: Neugierige Schüler drückten sich an den Scheiben zur Sporthalle die Nasen platt, während Neumünsters Feuerwehrchef Sven Kasulke Medienvertretern gestern Vormittag Details zur Unterbringung der Flüchtlinge erläuterte.

Neumünster bereitet sich auf die Aufnahme von 400 Flüchtlingen in einer Turnhalle vor / Boostedt soll maximal 500 Flüchtlinge aufnehmen

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10. Juli 2015, 15:45 Uhr

Kommen sie, oder kommen sie nicht? Und wenn ja, wie viele werden es sein? Die zentralen Fragen blieben gestern weiter offen, auch zwei Tage nach der Alarmierung des Katastrophenstabes der Stadt Neumünster. Bis zu 400 Flüchtlinge – vermutlich überwiegend aus Syrien und Nordafrika – sollen ab heute Abend (wie berichtet) in einer zum Notquartier umfunktionierten Sporthalle Platz finden. Aber niemand weiß genau, wann wie viele Menschen vor der Tür stehen werden.

Die Vorbereitungen liefen jedenfalls in der Halle der Gemeinschaftsschule Brachenfeld gestern auf Hochtouren. Katastrophenschutz und DRK schlossen vor der Halle zusätzliche Sanitärcontainer an und richteten in den geräumten Umkleiden ein medizinisches Versorgungszentrum ein.

Schule und Schüler zeigten gestern demonstrativ Weltoffenheit: Einige Klassen halfen in Freistunden freiwillig beim Aufbau der rund 400 Feldbetten. Fremdsprachenschüler boten sich als Dolmetscher an, einige Klassen kündigten an, die Flüchtlinge gern in ihre Klasse einzuladen. Kontakte zwischen Schule und Flüchtlingen seien durchaus erwünscht, sagte Schulleiterin Silke Rohwer: „Sie sind willkommen!“

Die Zusage zur Hilfe hatte Neumünsters Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras auf einen Hilferuf des Innenministeriums hin dem Land gegeben. Das Notquartier wird zunächst für zehn Tage angeboten. Ob das angesichts des wachsenden Flüchtlingsstroms ausreicht, ist derzeit allerdings ungewiss. „Wir wissen nicht, wie viele Flüchtlinge wir in den nächsten Tagen tatsächlich unterbringen müssen“, räumte Ulf Döhring, Chef des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, gestern ein. Das Landesamt, erste Anlaufstation für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein, platzt mit derzeit 1200 Menschen aus allen Nähten. Ausgelegt ist die in einer ehemaligen Kaserne untergebrachte Einrichtung auf rund 650 Menschen. „Wir sind aber verpflichtet, weitere Quartiere bereitzuhalten“, unterstrich Döhring. Die Turnhalle ist nur wenige hundert Meter von der Landesunterkunft entfernt.

Auch in der Zweigstelle in Boostedt werden weitere Flüchtlinge untergebracht. Nächste Woche werden (früher als geplant) drei weitere Blöcke der Rantzau-Kaserne der Erstunterkunft zugeschlagen. Bisher wohnen dort über 350 Menschen. „Die Zusage steht. Es bleibt bei 500 Flüchtlingen für Boostedt“, betonte Ulf Döhring.

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