Haarlos und pflegeleicht : Zwölf Riesenschnecken im Wohnzimmer: Flensburgerin liebt ihre Haustiere

<p>Für ein Fotoshooting hat Vanessa Block ihre Riesenschnecken ausnahmsweise aus dem Terrarium genommen.</p>
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Für ein Fotoshooting hat Vanessa Block ihre Riesenschnecken ausnahmsweise aus dem Terrarium genommen.

Das sind mal besondere Haustiere: Vanessa Block aus Flensburg hält Große Achatschnecken im Dutzend.

shz.de von
23. Januar 2018, 10:59 Uhr

„Etwas gescheut habe ich mich am Anfang schon vor den Tieren“, gibt Vanessa Block zu und blickt zum Terrarium, das mit dunkler Erde und einigen Ästen gefüllt ist. Zwei riesige Schnecken sind dort zu sehen. Eine macht sich gerade über ein Stück Gurke her, die andere hat sich in ihr großes Haus zurückgezogen und schläft. „Die beiden sind früher aus dem Winterschlaf aufgewacht“, erzählt Vanessa Block. Insgesamt zwölf Achat-Riesenschnecken hält die 27-Jährige in ihrem Terrarium im Wohnzimmer, von denen sich der Großteil nun unter der Erde versteckt und erst im April wieder zum Vorschein kommt.

Seit knapp vier Jahren hat Vanessa Block diese etwas ungewöhnlichen Haustiere. Ihre Freundin hat sie damals mit dem Schnecken-Fieber angesteckt und nun möchte auch sie die Tiere nicht mehr hergeben. „Da ich allergisch gegen Tierhaare bin, kommen für mich nicht viele Haustiere in Frage“, sagt die Altenpflegehelferin aus Flensburg. Außer den Schnecken hat sie ein Aquarium mit Fischen.

Auf ihrem Facebook-Profil zeigt sich die 27-Jährige verliebt in ihre Schnecken:

 

Die Achatschnecken gibt es in keiner Zoohandlung zu kaufen, deshalb hat sie einige ihrer „Zöglinge“ von ihrer Freundin, andere per Schneckenpost bekommen – aus Österreich. Lediglich den Versand habe sie bezahlt, erzählt sie, denn der ehemalige Besitzer wollte seine Tiere in gute Hände abgeben. Sie habe ihm sogar ein Foto vom Terrarium schicken müssen, um zu beweisen, dass es die Tiere bei ihr gut haben. Und das haben sie.

Vanessa Block kennt sich sehr gut mit den riesigen nachtaktiven Schnecken aus und tauscht sich über eine Facebook-Gruppe mit Gleichgesinnten aus. Erst kürzlich hat sie die Hilfe dort in Anspruch genommen, als ihre Lieblingsschnecke „Franz-Fiete“ vorzeitig aus dem Winterschlaf aufgewacht war und durch den dadurch verursachten Stress einen Eingeweidevorfall bekommen hatte. Man könne ihn nur noch erlösen, so der Rat aus der Facebook-Gruppe. Dafür gab es zwei Möglichkeiten. „Entweder mit dem Auto überfahren oder in kochendes Wasser werfen“, erinnert sich Vanessa Block. Sie habe sich für die zweite Möglichkeit entschieden, konnte es aber nicht selbst machen und sei mit „Franz-Fiete“ zu ihrer Freundin gefahren, die ihn erlöste.

„,Franz-Fiete‘ war ein tolles Tier“, schwärmt die 27-Jährige. Er wog 450 Gramm und sei mit seinem 19 Zentimeter großen dunklen Haus und 29 Zentimetern Körperlänge die größte ihrer Achatschnecken gewesen. „Die anderen sind kleiner und heller“, sagt Vanessa Block. „Sie haben keinen Namen, denn ich kann sie nicht auseinanderhalten.“

Auch sonst kann sich die Flensburgerin keine besseren Haustiere vorstellen. Es seien sehr pflegeleichte Tiere, die alles an Gemüse mit ihrer Raspelzunge zerkleinern – besonders gerne Salat, Gurken, Paprika, Tomaten und Zucchini. Als Leckerli bekommen sie Eierschalen, denn der Kalk ist für das Wachstum ihres Gehäuses wichtig. Gefüttert werden sie alle zwei bis drei Tage, außerdem mögen sie es eher feucht und fühlen sich bei einer hohen Luftfeuchtigkeit zwischen 70 und 90 Prozent wohl. Die Erde hält die „Bodenpolizei“ aus Kellerasseln sauber. Vanessa Block muss lediglich einschreiten, um die Erde aufzufüllen oder um die gut versteckten Gelege zu entfernen. Bis zu 350 Eier legt eine Schnecke. Die Eier friert die 27-Jährige ein und wirft sie anschließend weg. Und wenn sie mal ein paar Tage weg ist, kümmern sich ihre Mutter oder Schwester um die Tiere.

Stress mögen die Achatschnecken nicht, deshalb lässt Vanessa Block sie auch immer in ihrem Terrarium. Nur in Ausnahmefällen, etwa für ein Fotoshooting für ein Hochschulprojekt in Flensburg, dürfen sie über ihre Arme kriechen. „Sie sind ein Ruhepol für mich und entschleunigen“, schwärmt sie und räumt mit einem Vorurteil auf: „Sie sind nicht so langsam, wie man denkt“. Nun hofft sie, dass ihre „Zöglinge“ den Winterschlaf weiter überstehen und sich dann gut erholt auf die nächste Gurke stürzen – im Schneckentempo natürlich.

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