Mensch des Jahres in Flensburg : Zwischenrufer aus dem Ruhestand

Gruppenbild mit OB: v.l. Celina Heß, Hans Reisener (Villekula), Dieter Pust, Henning Schmidt, Simone Lange, Ulrich Schroeder, Friedrich Wrede, Friedhard Temme.
1 von 2
Gruppenbild mit OB: v.l. Celina Heß, Hans Reisener (Villekula), Dieter Pust, Henning Schmidt, Simone Lange, Ulrich Schroeder, Friedrich Wrede, Friedhard Temme.

Leser wählten drei ehemalige Chefärzte zu Menschen des Jahres / Entscheidender Anschub für Krankenhaus-Neubau beider Träger

shz.de von
06. Dezember 2017, 07:24 Uhr

„Das ist eine wunderbare Serie“, sagte Oberbürgermeisterin Simone Lange. „Sie zeigt, wie großartig unsere Flensburger Gesellschaft aufgestellt ist. Es sind vier großartige Projekte, die hier vorgestellt wurden.“ Mensch des Jahres 2017, Abschlussveranstaltung und Preisverleihung im Medienhaus an der Fördestraße: Drei der vier Nominierten sind anwesend, Nr. 4 wird über Skype aus Uganda live zugeschaltet. Tjorven Reisener ist mit ihrem Gartenprojekt Villekula dabei, macht Urlaub in Afrika, wo der Ursprung ihres Projektes liegt, und wird von Lokalredakteurin Antje Walther über mehr als 6000 Kilometer Luftlinie hinweg live interviewt.

Am Ende werden alle mit Urkunden ausgezeichnet, sind alle Menschen des Jahres 2017: Tjorven Reisener wird ihre erst in einigen Wochen in Händen halten, der Sport- und Jugendförderer Friedhard Temme bekommt eine, der Stadthistoriker Dr. Dieter Pust ebenfalls. Gleich drei Urkunden musste die Redaktion drucken und rahmen für den Gewinner: Die drei Ärzte im Ruhestand Dr. Henning Schmidt, Dr. Ulrich Schroeder und Dr. Friedrich Wrede haben bei der Leser-Abstimmung die meisten Stimmen erhalten und reihen sich ein in die Liste engagierter Persönlichkeiten, die in den Vorjahren zu Menschen des Jahres gekürt worden sind.

Carlo Jolly, Lokalchef beim Tageblatt, wollte von Henning Schmidt wissen, was den Ausschlag für die plötzliche Einmischung der längst pensionierten Mediziner, alle Mitte 70, gab. „Eine Meldung im Tageblatt, Dezember 2016“, sagte Schmidt. Die Stadt hatte zugestimmt, dass Diako und Franziskus sich bei laufendem Betrieb und in beengten Verhältnissen erneuern dürfen. Das habe bei ihm einen „mittleren Wutanfall“ ausgelöst.

Aber warum? Die drei Ärzte hatten in ihrer aktiven Zeit den Verbund beider Krankenhäuser mitgestaltet, doch schon damals dafür plädiert, einen Schritt weiterzugehen. Neubau eines gemeinsamen Krankenhauses. Doch dafür war die Zeit nicht reif. Als zehn Jahre später jedoch die millionenschweren Neubauten – zuletzt war von 200 Millionen Euro die Rede – vom Land genehmigt wurden, platzte ihnen die Hutschnur. So viel Geld für eine aus ihrer Sicht eindeutig suboptimale Lösung! Fortan wurde „hier gejammert und da gepoltert“, bis ein großer Artikel mit den Bedenken der Drei im Tageblatt erschien, der eine beispiellose Welle von Leserbriefen auslöste – von Patienten, Bürgern, Ärzten und Pflegern. 53 Leserbriefe haben sie gezählt, und sie waren alle für einen gemeinsamen Neubau, der bis dato von beiden Krankenhausträgern – und auch von der Stadt – abgelehnt worden war.

Wie die Geschichte weiter geht, ist bekannt. In einer denkwürdigen Bürgerversammlung ergriff Oberbürgermeisterin Simone Lange das Heft des Handelns, machte die Krankenhausfrage zu ihrem Projekt. Plötzlich waren auch die Krankenhäuser dafür, das Land stimmte zu, die Stadt fand ein Grundstück.

Dieter Pust, vorgestellt und befragt von Gerhard Nowc, beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte der Stadt Flensburg. Sein Buch über die Hintergründe der Straßennamen ist ein Standardwerk geworden. Gern würde Pust den früheren Bürgermeister Claeden treffen, weil dieser ein führender Jurist und ein großer Historiker war.

„Sport spricht alle Sprachen“, heißt das Projekt von Friedhard Temme, mit dem er Kinder aus Flüchtlingsfamilien die Chance gegeben hat, Sport zu treiben. Er habe ein Netzwerk zahlreicher Helfer und Engagierter gebildet, verriet Temme Lokalredakteur Gunnar Dommasch. Für sein Projekt wurde Temme sogar vom Bundespräsidenten nach Berlin eingeladen.

Mit „Villekula“ bringt Tjorven Reisener Grundschülern nahe, woher gesunde Lebensmittel kommen, wie man sie sät und erntet. In ihrem „Strebergarten“ am Quakenweg lässt sie Schulklassen graben und jäten, pflücken und essen. Villekula soll demnächst ausgeweitet werden.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen