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Ausstellung : Zwischen Meditation und Zettelkasten

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Kunsthandlung Messerschmidt zeigt neue Tintenzeichnungen und ausgewählte Arbeiten der Flensburger Künstlerin Elsbeth Arlt

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2013 | 12:16 Uhr

„Jonny Endzeit und so“, lautet der etwas mysteriöse Titel einer Ausstellung von Elsbeth Arlt in der Kunsthandlung Messerschmidt. Im Zentrum dieser überaus sehenswerten Werkschau stehen dreißig Tintenzeichnungen mit Ansichten des Alten Friedhofs in Flensburg, ergänzt um mehrere Arbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen der bekannten Flensburger Künstlerin. Arlt, die ihr Atelier viele Jahre am Nordergraben hatte und jetzt von Zuhause aus arbeitet, wurde im Jahr 2000 mit dem Kulturpreis der Stadt Kiel geehrt, im letzten Jahr erhielt sie den Kulturpreis des Landes Schleswig-Holstein. Die Ausstellung bei Messerschmidt, die noch bis zum 30. Oktober läuft, ergänzt eine große Retrospektive auf dem Museumsberg, die noch bis zum 12. Januar nächsten Jahres zu sehen ist.

Wie die Künstlerin auf die Motive für ihre monochromen Tintenzeichnungen vom Alten Friedhof stieß, sagt viel über ihre Arbeitsweise aus: Im Januar 2010 waren dort Wege, Flächen, Gräber und Gehölze mit einer leichten Schneedecke überzogen, die Arlt dazu animierte, mehr als 70 Fotos zu machen. Diese legte sie – wie viele andere Fotos, Skizzen, Notizen oder Zeitungsausschnitte – in einem Kasten ab. Im letzten Jahr entdeckte sie sie wieder und nahm sie als Grundlage für ihre feingliedrigen Zeichnungen. Wie bei vielen ihrer großformatigen Arbeiten, in denen es um das Spannungsfeld von Farbe, Struktur und Muster geht, arbeitet sie auch hier helle Flächen durch Auslassungen heraus.

Auch das Motiv der Arbeit, die der Ausstellung ihren Namen gab („Jonny Endzeit und so“), entdeckte Elsbeth Arlt eher durch einen Zufall – als Graffiti an einer Hauswand. Beim Zusammenstellen der Ausstellung kam ihr dann die Assoziation zu den Friedhofsmotiven. Wer Arlt kennt, weiß um die feine Ironie, die sich trotz aller Ernsthaftigkeit in vielen ihrer Arbeiten wiederfindet.

Wem bei dem Gedanken an Elsbeth Arlts Kunst vornehmlich grafische, collageartige Arbeiten in Mischtechnik in den Sinn kommen, wird überrascht sein von der Zeichnerin Arlt. An der Zeichnung reizt sie das konzentrierte, beinahe kontemplative Arbeiten: „Wie beim Aquarell gibt es kaum eine Möglichkeit, später etwas zu korrigieren. Man muss von Anfang an genau wissen, was man will.“

Das collageartige Verfahren, bei dem die Künstlerin Versatzstücke, die sie über Jahre hinweg sammelt, zu etwas Neuem zusammenfügt, erinnert ein bisschen an Schriftsteller wie Arno Schmidt, Walter Kempowski oder Hans Blumenberg mit ihren „Zettelkästen“. Arlts Bild „Um 8.07 Uhr war Gary Gilmore tot“ ist ganz ähnlich entstanden: Als 1977 – erstmals nach zehn Jahren – in Utah (USA) wieder ein Häftling hingerichtet wurde, bewahrte sie einen entsprechenden Zeitungsartikel auf – und schuf 21 Jahre später daraus ein Bild.

Auf einem anderen Gemälde aus dem Jahr 2006 steht auf einer brüchigen Hauswand in großen Lettern „Bist du fertig?“. So viel steht fest: Elsbeth Arlt dürfte mit ihrem enormen kreativen Potenzial noch lange nicht „fertig“ sein ...
 


„Elsbeth Arlt – Jonny Endzeit und so“, Kunsthandlung Messerschmidt, Norderhofenden 16. Bis 30. Oktober, Di-Mi 14.30 Uhr bis 18 Uhr, Do-Fr 9.30 Uhr bis 13 Uhr u. 14.30 Uhr bis 18 Uhr. Sa 9.30 bis 13 Uhr.

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