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Studieren im Reich der Mitte : Zwischen Frischluft und Peking-Ente

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein ehemaliger Flensburger HLA-Schüler ist dem Zauber des Riesenreichs verfallen. Er schwärmt von der unvergleichlichen Vielfalt und den herzlichen Gastgebern.

Was kommt den meisten in den Sinn, wenn sie von China hören? Exotisches Essen, ein rasantes, wenn auch abflachendes Wirtschaftswachstum, gigantische Millionenmetropolen, geheimnisvolle Schriftzeichen? Und eine gewisse Distanz im Angesicht von Umweltverschmutzung und Missachtung von Menschenrechten. Der Flensburger Fabian Frost wurde während eines zweiwöchigen Austauschbesuches vom Reich der Mitte angefixt.

„Mit Hinblick auf die zunehmend engeren wirtschaftlichen Beziehungen ist es der Flensburger Wirtschaftsschule HLA schon 2002 gelungen, ein jährliches Schüler-Austauschprogramm zu etablieren, bei dem ich 2011 auch teilnehmen durfte. Der damalige Organisator, Gerhard Pipke, sieht in dem Austausch Chancen für Flensburg und die Region, dadurch dass die jungen chinesischen Austauschschüler irgendwann Entscheidungsträger sind – und sich an unsere Gegend positiv erinnern.“

Weil die ersten Eindrücke teilweise verstörend, aber überwiegend faszinierend waren, ist jetzt eine dauerhafte Lösung daraus geworden. Als er vor vier Jahren erstmals nach Peking reiste, habe er angesichts der Unterschiede im Lebensstandard, der Hygiene und der Umweltqualität einen Kulturschock erlitten, so Frost. „Die chinesische Hauptstadt hatte mich mit seinen knapp 21 Millionen Einwohnern wortwörtlich überrannt.“ Dennoch seien laut Pipke die ,,Rückmeldungen der Austauschschüler zu über 90 Prozent positiv“. Die Teilnehmer hätten erkannt, dass die Welt größer ist als gedacht und wichtiger noch: Mit Menschen von der anderen Seite der Erdkugel könne man prima klarkommen, so Frost. „Alte Klischees von der ,gelben Gefahr’, von fremdländischen Menschen, die man nicht versteht, entsprechen nicht einem realistischen Bild des modernen Chinas, das sich in den Großstädten zeigt. Ich war von der Entdeckungstour in dem pulsierenden Land nachhaltig begeistert, sodass ich mich zwei Jahre später für einen kombinierten Studiengang Wirtschaft/Chinesisch in Hamburg entschied, um nach nur drei Semestern wieder nach Peking aufzubrechen.“

Seit einem halben Jahr lernt der Flensburger jetzt die chinesische Sprache und Kultur genauer kennen. „Das Ziel, in einigen Jahren in Form eines anspruchsvollen Berufs in einem internationalen Umfeld von der vielversprechenden Entwicklung der neuen Weltmacht zu profitieren, motiviert mich, die Momente der Verzweiflung, die jeder Ausländer in China nur zu gut kennt, durchzustehen.“ Davon gibt es allerdings einige, räumt er ein: das ständige Vergessen von bereits erlernten Schriftzeichen, die häufig höheren Einkaufspreise für Ausländer oder die erdrückende Stimmung, bei starker Luftverschmutzung den ganzen Tag nicht die Wohnung verlassen zu wollen. Doch den Negativerlebnissen stehe eine Vielzahl an erfüllenden Erfahrungen gegenüber. Was in den Medien und der allgemeinen Mundpropaganda nicht zum Vorschein kommt, erfahre man erst bei näherer Beschäftigung mit dem Riesenland. „Als eine der ältesten Zivilisationen der Welt birgt es eine unvergleichbare Vielfalt. In den Metropolen ist eine erlebnisreiche Mischung aus traditioneller Kultur und westlichen Einflüssen entstanden. Außerhalb der Städte bietet sich eine reichhaltige Natur, es leben 56 anerkannte nationale Ethnien zusammen, die diverse, komplett unterschiedliche Dialekte sprechen. Unzählige regionale Küchen bieten Köstlichkeiten zum kleinen Preis. Viele Chinesen sind zudem außerordentlich gastfreundlich und herzlich“, schwärmt der Student. „Positiv überrascht hat mich das ausgezeichnete Image Deutschlands, welches als hochmodern und vorbildlich gilt, während den Deutschen Ernsthaftigkeit, Strebsamkeit und Zuverlässigkeit zugeschrieben werden.“

Natürlich. Fabian freut sich schon jetzt auf die Heimkehr, auf die Aussicht, in das übersichtliche Deutschland mit seinen geordneteren Abläufen und der frischen Luft des Flensburger Hafens zurückzukehren. Befristet jedenfalls, denn die Rückkehr ist so gut wie sicher. „Ich bin dem Abenteuer China bereits so sehr verfallen, dass ich nur allzu gerne einen Abschnitt meines Lebens in Hong Kong, der Heimatstadt meiner Freundin Ting Ting, verbringen würde.“

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erstellt am 26.Okt.2015 | 12:30 Uhr

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