Kultur in Flensburg : Zwischen den Ebenen

Probesitzen mit Piening: Der Künstler in seinem Objekt „Laube, ein Zweisitzer“.       Fotos: michael staudt
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Probesitzen mit Piening: Der Künstler in seinem Objekt „Laube, ein Zweisitzer“. Fotos: michael staudt

Flensburger Museumsberg zeigt Werke von Peter F. Piening aus fünf Jahrzehnten

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10. März 2018, 08:39 Uhr

Zwei Bilder mit je zwei Hasen heben den Unterschied zwischen Kunst und Nicht-Kunst auf. Die Langohren scheinen auf grünem Hintergrund aus den Werken zu fliehen, nur noch ihre Hinterteile sind zu sehen. Die gleiche Szene also auf zwei Bildern, unter einem steht: Dies ist ein Kunstwerk. Unter dem anderen: Dies ist kein Kunstwerk.

Während über den Sinn dieser Doppeldeutigkeit diskutiert wird, hört Peter F. Piening – auf seinen Stock gestützt – aufmerksam zu. Er kennt diese Gespräche und die Wirkung seiner Bilder. „Ich weiß nicht, was Kunst ist“, sagt er schließlich: „Und ich will es auch gar nicht wissen.“ Die Worte des obersten Hasen-Deuters sind bezeichnend für seine Arbeit – und seine Art. Er stellt alles in Frage – auf kluge und kunstvolle Art.

Piening zeigt ab morgen 70 seiner Arbeiten in der Ausstellung „augenscheinlich“ auf dem Flensburger Museumsberg und es wäre arg untertrieben, wenn man nur die Ironie seiner Werke herausstellen würde. Denn es geht ihm um sehr viel mehr.

Der Ahrensburger, der 1942 im nordfriesischen Breklum geboren wurde, ist ein echter Mehr–Ebenen-Handwerker und ein Laubsägen-Ästhet. Seine Objekte sind vielschichtig in Material und Bedeutung, es gibt einige Beispiele davon in der Ausstellung.

Wenn er etwa den „Wolkenlosen Himmel (Ausschnitt)“ als schnell dahin gemalte, blaue Fläche zeigt, dann wird die Aufmerksamkeit vom Motiv auf den kunstvollen Rahmen umgelenkt. Auch das ist ein Piening-Prinzip: Der Rahmen ist oft das eigentliche Werk – und damit wichtiger als das Bild.

„Es geht bei ihm immer auch um die Frage: Was ist real?“, sagt Museumsbergs-Direktor Michael Fuhr. Real ist auf jeden Fall die Kunstfertigkeit mit der Piening auch die kleinstmöglichen Formen aus dem Holz gesägt hat. Real ist auch die Selbstironie des Mannes, der die Eindeutigkeit scheut: „Alles muss offen bleiben“, sagt er. Das gilt auch für die fünf begehbaren Objekte, die für sich genommen fünf kleine Piening-Welten sind. Die Besucher können sich reinsetzen und satt sehen an den unzähligen Formen. Oder sie können die Verbindungen zwischen den inhaltlichen und handwerklichen Ebenen suchen.

Nicht zuletzt – das wird nicht nur Kinder freuen – dürfen alle Teile der Groß-Objekte auch vorsichtig angefasst werden. Das öffnet mindestens eine weitere Ebene in dieser außergewöhnlichen Kunst. Denn das sind die Objekte und Grafiken dieser Ausstellung vor allem: Kunst – und zwar sehenswerte. Da würde wohl nicht einmal Piening selbst widersprechen.



Peter F. Piening: „augenscheinlich“, Museumsberg Flensburg. Bis zum 10. Juni. Eröffnung: Morgen, 11.30 Uhr.

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