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Gleichstellung in Flensburg : Zwergenaufstand im Rathaus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tagung der Gleichstellungsbeauftragten mit unkonventioneller Aktion – Anerkennung für Stärke der Frauen in Politik und Verwaltungsspitze Flensburgs

Der Antrag wurde im Rathaus genehmigt, sagt Verena Balve, der Zwergenaufstand durfte stattfinden. Auch heute noch sind die 60 politischen, aber parteiunabhängigen Gartenzwerge in der Eingangshalle des Rathauses zu sehen. Ihre Botschaften stehen auf Mini-Bannern und harmonieren irgendwie mit der Optik jedes einzelnen: Ein goldener Gartenzwerg verbreitet die These: „Frauen sind ehrlich“, der mit dem Fliegenpilz warnt: „Frauen sind giftig.“

Den Humor schätzt Balve an der unkonventionellen Aktion, die manchem Mitarbeiter zu unkonventionell vorgekommen sein mag. Anlass war die Tagung und Vollversammlung der Kolleginnen der Flensburger Gleichstellungsbeauftragten aus dem Land im Rathaus. Rund 30 hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte widmeten sich gestern insbesondere der Novellierung des Schleswig-Holsteinischen Gleichstellungsgesetzes und seinen Folgen sowie der landesweiten Kampagne „Frauen in die Kommunalwahl“ mit Blick auf 2018 und mit dem Ziel, Geschlechterparität in politischen Ämtern und Gremien zu erreichen.

Sie habe sich gefragt, wie man letzteres „Thema aufpeppen“ könne, erklärt „Zwergenmutter“ Gabriela Petersen. Sie ist Gleichstellungsbeauftragte in Heide und gelangweilt vom 100. Flyer zum Thema. Dann lieber Gartenzwerge. Allesamt seien gespendet worden, sagt Petersen und hatte auch noch andere Strategien in petto, über die sie sich mit ihren Kolleginnen austauschte. Viele Frauen würde etwa das „politische Prozedere“ vom kommunalpolitischen Engagement abhalten. Deshalb sei man in Heide an die Parteien herangetreten und habe mit ihnen über die Strukturen gesprochen, berichtete Petersen. Es gebe zudem Seminare über Meinungsbildung oder Vereinbarkeit von Familie und Politik. Ihre Kollegin aus Norderstedt, Claudia Meyer, knüpfte an, dass aus den Seminaren dort der Wunsch nach Netzwerktreffen hervorgegangen und stets eine gestandene Kommunalpolitikerin dabei sei. Meyer machte darauf aufmerksam, dass der Zeitaufwand viele potenzielle Kommunalpolitikerinnen im Vorfeld interessiere und Familie immer eine Rolle spiele, zunehmend aber die Vereinbarkeit der beruflichen und politischen Karriere hinterfragt werde.

Ein weiterer Schwerpunkt des Fachtags war die Sicherung der Standards, erklärte Utta Weißing, Gleichstellungsbeauftragte aus Harrislee. Sie zielte auf die paritätisch zu besetzenden Gremien und die Hauptamtlichkeit der Gleichstellungsbeauftragten. Dieser Standard bröckele, ergänzte Verena Balve und nannte Zahlen: In 74 Kommunen arbeiteten Gleichstellungsbeauftragte, davon jedoch nur 20 in Vollzeit. Das sei möglich, weil es keine Sanktionierung gebe. Weißing pflichtete ihrer Kollegin Yvonne Deerberg aus Preetz bei, die sagte: „Das ist kein individuelles Problem der Frau. Wir sind dafür da, Strukturen zu verändern.“ Gleichstellungsbeauftragte seien für die gesamte Gesellschaft da, unterstrich Weißing. Denn sie handelten stets neu aus, wie „wir leben wollen und die Aufgaben verteilen“.

Wie viel in Flensburg schon erreicht wurde, konnten Henning Brüggemann und Verena Balve belegen. Der Bürgermeister wies auf den Flensburger Kodex hin und erklärte, dass in Aufsichtsgremien nicht mehr nur 14 Prozent Frauen wie im Jahr 2013 säßen, sondern 36 Prozent. Balve klang indes nicht zufrieden damit, dass sich der Anteil der Ratsfrauen seit 15 Jahren bei einem Drittel einpegele. „Das ist noch gut“, warfen viele ihrer Kolleginnen ein und blicken auch neidisch auf Flensburgs Verwaltungsspitze. Balve setzte noch einen drauf mit der Zahl der weiblichen Fraktionsvorsitzenden und Ausschussvorsitzenden.

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