Flensburger Verkehrsprojekt : Zweites Mauseloch im Bahndamm

Ein Tunnel an der Heinrichstraße wird Fußgängern und Radfahrern den Weg auf die andere Seite des Damms erleichtern und sicherer machen. Foto: Dewanger
Ein Tunnel an der Heinrichstraße wird Fußgängern und Radfahrern den Weg auf die andere Seite des Damms erleichtern und sicherer machen. Foto: Dewanger

Ausschuss beschließt Freigabe der Mittel für den Fuß- und Radweg-Tunnel am Anfang der Heinrichstraße

shz.de von
13. April 2013, 06:30 Uhr

Flensburg | Jetzt muss nur noch der Finanzausschuss die Ampel auf Grün stellen - dann bekommt Flensburg sein zweites Mauseloch. Schon im August könnten die Bagger anrücken, um in den Bahndamm neben dem NDR-Funkhaus einen Tunnel für Radfahrer und Fußgänger zu graben. Sechs Jahre nach Erstauflage der Planung kann dieses besondere Flensburger Verkehrsprojekt nun endlich umgesetzt werden.

Der mitten durch die Innenstadt verlaufende Eisenbahndamm zwingt die Verkehrsplaner zu kreativen und leider auch teuren Lösungen. Als Mitte des vergangenen Jahrzehnts die Stadt den gesamten Bereich Hafermarkt, Angelburger Straße und Heinrichstraße einer Neuplanung unterzog, wurde schnell deutlich, dass die Bahnunterführung Heinrichstraße zu eng ist. Als einzige sinnvolle Lösung wurde schnell ein Tunnel im Bahndamm für den Rad- und Fußverkehr gefunden. Das heutige Provisorium mit einem lächerlich schmalen Gehwegstreifen, der zudem für Fußgänger gesperrt ist, passt in ein Kuriositätenkabinett, aber nicht in die Verkehrsinfrastruktur einer Stadt, die Großstadt werden will.

Der Tunnel wird aufgrund der beengten Verhältnisse nicht die großzügigen Ausmaße der modernen Unterführungen unter der Osttangente haben. Den sechs Jahre alten Plänen zufolge wird der Tunnel "nur" 3,50 Meter breit sein und damit ein Format wie das nur ein paar Steinwürfe entfernte Mauseloch zwischen Süderhofenden und Wilhelmstraße haben - das allerdings offiziell für Radfahrer nicht freigegeben ist.

Am Donnerstag hat der TBZ-Ausschuss nach kurzer Diskussion die Freigabe der zur Verfügung stehenden Mittel für den Tunnelbau beschlossen. 430 000 Euro sind für den Bau eingeplant. Die Mittel waren im vergangenen Herbst auf Betreiben der Politik vorerst gesperrt worden, weil zunächst der Ausgang einer neuerlichen und vorerst letzten Diskussion über Für und Wider des Bahndamms an sich abgewartet werden soll. Aus Reihen der CDU wurde der Gedanke formuliert, dass man den Tunnel gar nicht benötige, wenn man zu dem Schluss kommt, dass die Stadt den Bahndamm nicht mehr brauche . Der könnte dann abgerissen werden, stattdessen würde man einen ganz normalen Geh- und Radwegstreifen bauen.

Nach langer öffentlicher Diskussion hat die Ratsversammlung dann aber im März 2013 beschlossen, dass die Bahntrasse und damit auch der Bahndamm langfristig zu sichern sei, auch wenn jetzt und in naher Zukunft vermutlich keine Züge auf ihm fahren werden. Das war das große Comeback des Tunnels.

"Die Ausschreibung kann sofort rausgehen", sagt Dietmar Drews, Leiter der Betriebssteuerung beim Technischen Betriebszentrum, das für den Bau zuständig ist. Der Baubeginn ist für August 2013 avisiert, wenn alles gut läuft, könnten die ersten Radfahrer und Fußgänger im Frühjahr 2014 den Bahndamm durchqueren.

Von den Kosten in Höhe von 430 000 Euro muss die Stadt nur 64 000 Euro selbst tragen; der Rest sind Zuschüsse nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Verzichtet die Stadt jedoch auf den Bau, könnte es richtig teuer werden: Dann könnte das Land die Gesamtförderung von 1,4 Millionen zurückfordern, weil ein wesentlicher Teil der Planung nicht umgesetzt wäre.

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