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Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 19:41 Uhr

Schiffbrücke : Zweimaster statt vier Räder

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Diskussion um Parkplätze an der Schiffbrücke: Museumswerft möchte vor dem Schifffahrtsmuseum einen Westindiensegler aus dem 18. Jahrhundert nachbauen

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2014 | 07:45 Uhr

Autos oder was? Flensburg sucht innerhalb eines städtischen Workshops nach Alternativen zur gegenwärtigen Nutzung der Schiffbrücke als Parkplatz. Am Freitag beginnt ein dreitägiger Testlauf, in dem die Fläche zwischen Oluf-Samson-Gang und Museumswerft autofrei bleibt. Das wird besonders der Chef der Museumswerft sehr interessiert verfolgen. Uwe Kutzner nämlich hat bereits vor mehr als drei Jahren einen sehr interessanten Vorschlag unterbreitet: Zwischen Schifffahrtsmuseum und Hafenkante will er ein historisches Schiff bauen. Das Flensburg-Schiff.

Diese Idee, eines Tages einen der Flensburger Westindien-Segler zu bauen, die im 18. Jahrhundert den Wohlstand der dänischen Stadt begründeten, lag der Werftgründung bereits im Jahr 1996 zu Grunde. 2011 war der Erfahrungsschatz so weit angewachsen, das Kutzner mit diesem Gedanken offensiv an die Öffentlichkeit ging. Die Flensburger Produktionsfirma „Forward Productions“ fertigte einen Filmclip, der die Maßstäblichkeit eines solchen Projektes in Szene setzte, parallel versorgte Kutzner Politik und Verwaltung mit Zeichnungen, technischen Daten und der Bitte, ein solches Schiff an diesem historischen Werftplatz bauen zu dürfen. Geschehen ist nichts. „Ich habe noch eine dankende Empfangsbestätigung bekommen und seither nichts mehr gehört“, sagt Kutzner. Vor einem Jahr legte er nach und begann, im Maßstab 1:3 ein Modell der „Forening“ zu bauen, die ab 1780 auf große Fahrt ging. Jetzt hofft Kutzner, Eingang in die Diskussion um die künftige Nutzung und Gestaltung der Schiffbrücke zu finden. Seine Vision hat jedenfalls schon scharfe Konturen. Das sieben Meter lange Modell der „Forening“ ist so gut wie fertig und soll am 23. September zu Wasser gelassen werden.

Der Leiter der gemeinnützigen GmbH folgt mit seinem Projekt großen Vorbildern. Für Schlagzeilen sorgte zwischen 1985 und 1995 der Nachbau des Großsseglers „Batavia“ der niederländischen Ostindien-Kompanie in Lelystad am Ijsselmeer, der Tausende von zahlenden Besuchern anzog. Gegenüber dem über 50 Meter langen Vollschiff der Holländer ist die Flensburger Brigg mit ihren knapp 20 Metern ziemlich bescheiden – das Bild der Schiffbrücke würde sie dennoch prägen.

Denn auch so sind die Dimensionen noch beeindruckend. „Von Unterkante Kiel bis Oberkante Reling sind es fast fünf Meter“, sagt Kutzner. Je nach Bedarf könnte das Projekt auf unterschiedliche Weise realisiert werden. Auf dem eigenen Werftgelände (wo es dann aber sehr eng werden dürfte), in einem noch zu bauenden Schwimmdock oder oberirdisch auf dem Gelände vor dem Schifffahrtsmuseum als voll segelfähiges Schiff, begehbares Exponat oder Halbmodell. Für Autos wäre dann dort in der Tat kein Platz, wohl aber für viele Touristen, die den Bau des Großseglers verfolgen können. In Kutzners Kalkulation würde das (frei finanzierte) Projekt über zehn Jahre etwa zwei Millionen Euro kosten – sollte die „Forening“ als seetüchtiges Schiff auf Fahrt gehen, natürlich entsprechend mehr.

Bei der Stadt ist diese Idee untergegangen, wie Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf zerknirscht einräumt. „Die Idee wird aber in das aktuelle Verfahren eingespeist“, verspricht er. „Eine sehr spannende Sache“, findet er. Der lange Zeitraum sei aber weniger optimal. „So ein Projekt sollte eine zügige Fertigstellung zum Ziel haben.“

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