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Verwirrung in Flensburg : Zwei zwischen Hoffen und Bangen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sandra und Andre Nitsch-Lauer wollen im Juli im Solitüder Pavillon ihre Hochzeitsfeier nachholen, doch sollen fast 30 Feste abgesagt worden sein

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2016 | 07:50 Uhr

Die Einladungen sind längst raus, bis zum 29. Februar hatte das Paar um Rückmeldungen gebeten – und hundert Zusagen zur Hochzeitsfeier am 2. Juli erhalten. Sogar zwei ehemalige Schulfreunde hatten sich angesagt, die extra aus Grönland anreisen wollten, sagt Andre Nitsch-Lauer, der Gastgeber in spe. Doch, wo das Fest nun steigt, steht in den Sternen. „Wir hängen da voll in den Seilen“, klagt Andre Nitsch-Lauer. Denn er hat gehört, dass 17 Feste und zwölf Konfirmationen in nächster Zeit im Pavillon am Strand von Solitüde abgesagt worden seien. Eben dort wollten er und seine Sandra ihre Feier zur kirchlichen Hochzeit nachholen. Allein haben beide „bis heute keinen Anruf“ bekommen.

Das Paar, das sich vor fast auf den Tag genau neun Jahren kennen lernte, hat standesamtlich schon im vorigen August geheiratet – kurz vor dem Tod des Schwiegervaters, erzählt Andre Nitsch-Lauer. Als gebürtiger Sünderuper stünde in Adelby seine Heimatkirche für die kirchliche Hochzeit bereit, gefeiert werden soll sodann in der ersten Etage des Solitüder Pavillons mit Blick auf die Förde. Dieser Ort ist mit Bedacht gewählt und im Gedenken an den verstorbenen Schwiegervater, der auf See bestattet wurde, erklärt der 48-jährige Bräutigam. Mit Sandra Nitsch-Lauer, 39, einer Rostockerin, hat er in Flensburg ein Taxi-Unternehmen aufgebaut.

Das Fest am Strand von Solitüde organisieren die beiden in Eigenregie. Die Getränke sind gekauft, für Speisen sei gesorgt und auch für die Bespaßung, sagt Andre Nitsch-Lauer. Für die Stimmung sollen zwei Doubles kommen. Und: „Im Vorbestellungsbuch stehen wir drin“, ergänzt er. Das sei allerdings der einzige schriftliche Nachweis dafür, dass die Hochzeitsfeier Anfang Juli irgendwo vermerkt ist, räumt Nitsch-Lauer ein. Kontakt hatte er bereits im vorigen Jahr über eine Mitarbeiterin des Restaurants aufgenommen, mit der er auch das Prozedere vor Ort besprochen habe. Passend zu den Räumlichkeiten in der Rotunde, die in den Farben bordeaux und weiß gehalten sind, haben sie auch schon die Deko geplant, fügt Sandra Nitsch-Lauer hinzu. Jedoch gebe es keinen Vertrag, die Ansprechpartnerin sei seit März unerreichbar in Amerika, und der Vermieter des Pavillons antworte nicht auf seine Frage, warum das Haus nicht zur Verfügung steht, sagt Andre Nitsch-Lauer.

Gerd Hansen als Vermieter von der Immobilien-Gesellschaft Diag wollte sich gestern auch gegenüber dem Tageblatt zum Vorgang vorerst nicht äußern. Das Sahnegrundstück in Solitüde, auf dem der offenbar lange vernachlässigte Pavillon sitzt, gehört der Stadt. Sie hat einen Erbbaurechtsvertrag bis 2039 abgeschlossen, weiß Flensburgs Sprecher Clemens Teschendorf. Zwei Bedingungen sind an den Vertrag geknüpft, der um 20 Jahre verlängert werden kann. Zum einen, so Teschendorf, müssen die Toiletten zu vereinbarten Zeiten öffentlich zugänglich sein und zum anderen der DLRG Räume zur Verfügung stehen. Vertragspartner ist die Rotermund Beteiligungsgesellschaft.

Betreiber der Gastronomie in der Rotunde ist das oben auf dem Hang gelegene Ristorante Solitüde. Inhaberin ist Jamnian Reckling, ihr Mann Helge Reckling ist als Koch angestellt. Der kann nichts Schäbiges am Pavillon finden, den das Restaurant seit anderthalb Jahren gastronomisch beschickt. Alle, die es betrifft, sollen angerufen worden und über die Absage ihrer Feier informiert worden sein, sagt Helge Reckling. Zugleich kann er von einer Kehrtwende berichten: Just gestern habe es ein Gespräch mit dem Vermieter gegeben und: „Wir haben uns eigentlich geeinigt“, sagt Helge Reckling. In den nächsten Tagen sollen diejenigen angerufen werden, die den Pavillon gebucht haben und ihre Buchung bestätigt werden. „Wir machen weiter“, sagt Jamnian Reckling.

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