zur Navigation springen

Stadttheater Flensburg : Zwei Maler und der Nolde-Farbtopf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

330 Besucher strömten ins Stadttheater – und viele Gäste wollten Grafiken von Klaus Fußmann und Friedel Anderson erwerben

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2017 | 14:57 Uhr

Die Veranstaltung hatte kaum begonnen, da erhob sich schon eine Stimme im Saal. Ein Besucher war von dem Werk Friedel Andersons schier geblendet. Nicht von der Schönheit oder Anmut, dem Glanz des Bildes, sondern von der Verglasung. Flugs wurde die Staffelei in eine andere Richtung gedreht – und dann durfte es auch schon losgehen mit dem Nolde-Abend im voll besetzten Stadttheater.

Eine unter 330 Gästen: Ingrid Walliser. Die Kunstfreundin war extra aus Eckernförde gekommen. Denn auch sie liebt Anderson, hat eine Radierung „mit Wolken und Wasser“ von ihm im Wohnzimmer hängen. Das Bild braucht dringend Gesellschaft. Groß also die Hoffnung, eines der in limitierter Auflage gedruckten Grafiken des Malers erwerben zu können. 175 Exemplare des norddeutschen Realisten wurden am Donnerstag vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag verlost – die gleiche Anzahl stammte von Klaus Fußmann, der ebenso über eine beachtliche Fan-Gemeinde verfügt. Beide hatten sich bereit erklärt, mit der Gestaltung ihrer Werke einen Beitrag zu Emil Noldes 150. Geburtstag zu leisten. Ein Versuch, der unisono als gelungen angesehen wurde.

Doch es ging nicht nur um eine bildliche Hommage an den großen Expressionisten, sondern auch um eine Annäherung im Dialog, der erhellen sollte, in welcher Beziehung die anwesenden Maler und ihr Werk zu dem Œuvre Noldes stehen. Martin Schulte, Kulturchef des sh:z, moderierte sich tapfer mit brüchiger Erkältungsstimme durch den Abend – unterstützt von einem aus dem Auditorium gereichten Hustenbonbon. Auf seine erste Frage folgte das wenig überraschende Bekenntnis Fußmanns, dass ihn insbesondere die Aquarelle Emil Noldes faszinierten. „Der große Gärtner“ etwa gefalle ihm außerordentlich. „Da hat er Pionierarbeit geleistet und sich trotz aller Widersacher im Laufe der Jahre durchgesetzt.“ Gleichwohl werde er selbst oft mit ihm verglichen. Das mag ambivalente Gefühle hervorrufen. Fußmann formulierte es auf seine Weise: „Noldes Selbstinszenierung war genial.“ Und er habe diesmal penibel darauf geachtet, dass er nicht wieder „in den Nolde-Topf“ falle.

Friedel Anderson stellte fest, dass es bei ihm im Gegensatz zum verehrten Kollegen eine nicht so große Schnittmenge mit dem Meister gebe. Gleichwohl werde das eigene Schaffen kontinuierlich beeinflusst. „Man hat so viel gesehen, was an anderen Wänden hängt“, sagte er. „Es wäre unnatürlich, wenn es nicht einfließt in das, was man macht.“ Seine Würdigung: Nolde habe Türen geöffnet, die sonst nicht geöffnet worden wären. Fußmann pflichtete bei: „Autark ist keiner.“ Es sei zwar großartig, was Nolde mit der Farbe anstelle, doch da finde er sich in bester Gesellschaft, wie mit Courbet oder Turner („So ganz allein ist er auch nicht“). In Anspielung auf die anfänglichen Schwierigkeiten Noldes, sich künstlerisch durchzusetzen, auf sein Bemühen, Leuten zu gefallen, die ihn gar nicht wollten, sagte Anderson: „Wie tragisch ist ein Leben, wenn man nicht wahrgenommen wird.“ Doch man müsse sich keine Sorgen um sein Ansehen und den Stellenwert in der Zukunft machen. „Er wird eher noch mehr bewundert, als dass man ihn vergäße.“ Das kann Ingrid Walliser nur unterschreiben. Selig lächelnd, schwebte sie am Ende mit einem Bild Friedel Andersons gen Eckernförde.



Einige wenige Restgrafiken werden ab Montag, den 2. Oktober, ab 9 Uhr ausschließlich im sh:z-Kundencenter in der Nikolaistraße 7 verkauft. Die Menge ist pro Person auf zwei Grafiken beschränkt.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen