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Ehepaar Daetz Harrislee : Zwei Leben für die Kupfermühle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gisela und Bodo Daetz haben sich um die Geschichte Harrislees verdient gemacht und feiern heute 65. Hochzeitstag

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2017 | 11:15 Uhr

Eiserne Hochzeit – Gisela und Bodo Daetz kräuseln ein bisschen die Stirn. Das dänische Wort für das besondere Jubiläum gefällt ihnen viel besser: „Krondiamantbryllup“, sagt Gisela Daetz. Und beide erzählen wie Zahnrädchen, die ineinandergreifen, von der entscheidenden Begegnung. Nach dem Krieg habe es für alles Karten gegeben, erklärt Bodo Daetz. Eine lange Schlange hatte sich beim Bäcker gebildet, Gisela stand recht weit hinten und wollte vorn nur etwas erfragen. Als sie an ihren alten Platz zurück kehrte, verwehrten ihn ihr die Wartenden. Sie dürfe vor ihm stehen, sagte allein Bodo Daetz, erinnert sich Gisela und ergänzt: „Er ist immer sehr galant.“ Deshalb wollte er das Mädchen auch nach Hause begleiten, doch sie verabschiedete sich schon ein paar Hausnummern zuvor von ihm.

„Wir waren Flensburger und sind zusammen zur Schule gegangen“, erzählt der 89-jährige Daetz, der wegen des Krieges vom Alten Gymnasium an die Auguste-Viktoria-Schule wechseln musste. Dort wurden im Wechsel am Vormittag die Mädchen und am Nachmittag die Jungen unterrichtet, und in der nächsten Woche umgekehrt. „Dann saßen wir immer am selben Tisch – aber zu verschiedenen Zeiten“, sagt seine Frau. Beide machten zugleich Abi, er ging zur Pädagogischen Hochschule – „ich wollte schon immer Lehrer werden“ –, ihre Eltern zogen nach Düsseldorf. „Wir haben uns jeden zweiten Tag geschrieben“, erinnert sich Gisela Daetz und fügt hinzu, dass sie nur darauf gewartet habe, dass beide heiraten würden. 1952 war dann auch Hochzeit. Die ersten Jahre lebte das Ehepaar in Ladelund, von wo aus Bodo Daetz als Lehrer an mehreren dänischen Schulen arbeitete. „1957 kamen wir nach Wassersleben“, sagt seine Frau und erläutert, dass der Name des Ortsteils auf den Konferenzrat Joachim Wasserschlebe zurückgeht. Gisela Daetz ist auch 89 und Lehrerin gewesen, hat vier Kinder zur Welt gebracht. Auf dem Tisch im geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer mit Blick auf Garten, Schilf und Förde liegen mehrere Büchlein, in denen sie die Geschichte des Kobbermølle Museums und die Restaurierung der alten Arbeiterhäuser dokumentiert hat. Echte Lebenswerke des Paares, das dafür selbst einen Platz in der Geschichte der Region verdient.

„Schuld“ ist der „Plünnenmann“ – „Kennen Sie den Ausdruck?“, fragt Bodo Daetz und berichtet, wie ihn der Händler eines Tages bei seiner Lehrer-Ehre packte und ihm einen Kupferkessel der ortseigenen Fabrik anbot. Viele wüssten nichts von Dänemarks größter Fabrik, die über dreieinhalb Jahrhunderte Bestand hatte, sagt der Vertreter der dänischen Minderheit. Mit dem Erwerb des Kupferkessels wurde er „krank“, sagt Daetz. „Kupferkrank“, löst er auf und freut sich, dass die Pointe gelungen ist. Seither habe er alle Objekte gekauft, die den Fabrikstempel trugen, sagt er und zeigt am Erstling, wie man das Alter des Kessels feststellen kann.

1962 ging es los, übernimmt Gisela Daetz, 1963 schloss die „Crusauer Kupfer- und Messingfabrik“. „Da wohnten alle unsere Schüler“, fährt ihr Mann fort. „Wir fanden, das ist altes Kulturgut und haben den ganzen Ort gekauft.“ Die Restaurierung der Arbeiterhäuser mit 36 Wohnungen war ein Novum in der Förderung denkmalträchtiger Ensembles und dauerte Jahre. Aber: „Alle wollten helfen“, sagt Gisela Daetz und zeigt Bilder.

Für die Restaurierung ihres eigenen Hauses brauchten sie immerhin zwei Jahre, das sie vorausschauend in Wassersleben kauften. Denn ein Arbeitsleben als Schulleiter ist endlich, und die Familie musste irgendwann aus dem Schulgebäude ausziehen. Nicht nur einmal hat das Paar von den Behörden den Rat bekommen, „den Schiet“ besser abzureißen. Doch zum Glück hörte es nicht auf Bedenken. „So habe ich das Glück gehabt, dass ich Leute begeistert habe und sie mir Geld gaben – natürlich immer nur für die Sache“, sagt Bodo Daetz dankbar. Konsequent gründeten die beiden die Gisela und Bodo Daetz-Stiftung Kupfermühle mit dem Förderzweck, die Sammlung zu erhalten, um „die Bedeutung des Ortes Kupfermühle und der Fabrik, die vom dänischen König Christian IV errichtet wurde, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.“

Dass die beiden so harmonisch seit 65 Jahren eine Ehe führen, begründet Gisela Daetz auch damit, „weil wir immer zusammen gearbeitet haben“. Und ihr Mann ergänzt: „Und weil wir beide aufeinander Rücksicht genommen haben.“ Nur eine selbst aufgestellte Regel – „Bitte keine neuen Sachen mehr!“– musste in einem Fall übertreten werden, und beide wissen ohne Worte, welche Anekdote der andere meint: Eine Frau rief eines Tages an, weil ihr verstorbener Sohn verfügt hatte, seine Dampfmaschinen Bodo Daetz zu vermachen. Da konnten sie nicht nein sagen, erinnert sich Gisela Daetz. Und es begann eine neue Sammlung.. Das ist nur eine Geschichte von vielen weiteren, die beide erlebt haben: Etwa die vom kaiserlichen Fächer, den sie geschenkt bekamen fürs Museum und mangels Verwendung einfach weiter verschenken wollten. Das war komplizierter als gedacht, aber es hat geklappt, und das Deutsche Historische Museum in Berlin stellt ihn inzwischen aus. Oder von den zehn Reisen nach Sri Lanka... Und sicher von den vier Kindern, den 16 Enkeln, von denen fast alle am Sonnabend zur Feier der Eisernen, nej, Krondiamantbryllup kommen...

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