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Flensburger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 12:27 Uhr

Zwei Jahrhunderte Lebenserfahrung

vom

Gleich zwei Bewohnerinnen des DRK-Pflegeheims am Lautrupsbach feiern heute einen seltenen Geburtstag

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

Flensburg | Es ist ein sonniger Tag, die modernen Häuser des Pflegeheims des DRK am Lautrupsbach sind schon von weitem zu erkennen. Beim Betreten des Gebäudes wirken die Räume sehr hell und einladend. Heute feiern zwei Mitbewohnerinnen des Hauses ihr 100-jähriges Jubiläum, zufällig beide am 1. August.

Eine sehr aufgeweckte Person erscheint im Eingangsbereich und bemüht sich um einen herzlichen Empfang. Anja Stumpf, zuständige Heimleiterin öffnet die Tür zu dem Zimmer von Louise Schramm. "Die beiden Geburtstagskinder haben sich besonders aufgehübscht", lächelt sie.

Das Zimmer von Louise Schramm ist gemütlich und liebevoll eingerichtet, Fotos und kleine Erinnerungen zieren die vier Wände der älteren Dame. Neugierig blickt die Heimbewohnerin aus ihrem Rollstuhl auf, schon ganz gespannt darauf, was sie heute erwarten wird. Das Hören funktioniert nicht mehr allzu gut, was mit gelebten 99 Jahren ja auch durchaus vorkommen kann. Sie trägt eine feine rote Strickjacke, die Haare sind zurechtgemacht, denn auch in einem fortgeschrittenen Alter soll das Äußere nicht vernachlässigt werden.

In einem Gemeinschaftsraum trifft Louise Schramm auf die zweite Jubilarin, Catarine Grzenkowicz. Sie hat sich ebenfalls herausgeputzt, trägt eine seidene, weiße Bluse und eine Perlenkette. Das "Einparken" vom Rollator, mit einem Schwung in den Sessel, klappt auch noch hervorragend. Beide bestehen darauf, dass ihre Haare von den Pflegerinnen gerichtet werden.

Auch Cornelia Neather ist anwesend. Sie ist schon seit mehreren Jahren in der Einrichtung tätig und wird von den Bewohnern sehr geschätzt. "Wenn ich Conny sehe, geht mein Herz auf", schwärmt Louise Schramm. Die 100-Jährige lebt seit 2007 in diesem Pflegeheim; auf die Frage, ob sie denn mit ihrem "neuen" Zuhause zufrieden sei, antwortet sie, dass sie sich in ihrem eigenen Zimmer sehr wohlfühle.

Louise Schramm wurde in Kappeln geboren und arbeitete in der Wiederaufbauphase des Nachkriegsdeutschlands sowohl als Kindermädchen als auch als Schneiderin. Sie selbst hatte keine Kinder, ihr Mann ist 1942 im Krieg gefallen. Danach hat sie nie wieder geheiratet.

Die Terrassentür steht offen. "Ganz schön frisch hier", bemerkt die sehr kälteempfindliche Bewohnerin. Und welcher Beschäftigung gehen Sie am Tage nach? "Ich spiele besonders gerne Bingo", lacht sie. Ansonsten verbringe sie Zeit mit Kreuzworträtseln, Fernsehen und dem Studieren der Tageszeitung. Trotz körperlicher Einschränkungen sind Sie geistig noch sehr fit. "Das sagt mir mein Arzt auch immer, dass ich mich mit meinen 99 Jahren durchaus noch sehen lassen kann", schmunzelt sie. Catarine Grzenkowicz zog 2008 in die Einrichtung am Lautrupsbach. Sie wohnte zuvor allein, bis sie auf Hilfe angewiesen war. Sie wurde in Tondern geboren und ging dort auch zur Schule. "Zuhause waren wir elf Kinder, aber es war eine sehr schöne Zeit, an die ich mich gerne zurückerinnere", erzählt die vitale Dame.

Sie war Kindergärtnerin und verbrachte viel Zeit mit Handarbeit. "Ich war auch verheiratet, mein Mann war aber ganz schnell weg - und das war auch gut so, mit Männern hat man eh nur Ärger", lacht die Frohnatur. Sie arbeitete zunächst als Kindergärtnerin, war dann elf Jahre an der großen Schule in Harrislee tätig, wo sie nach dem Krieg aufgrund Lehrermangels eingestellt wurde. "Frau Grzenkowicz war und ist immer adrett gekleidet, drei gefüllte Schränke stehen in ihrem Zimmer", sagt C. Reather. Im Gegensatz zu Frau Schramm, kehrt Catarine Grzenkowicz dem Fernseher den Rücken zu. Sie bevorzugt es, immer und überall zu singen und zu reimen. Sie steht als eine der Ersten um sieben Uhr auf, versteht sich prächtig mit dem Pflegepersonal und hat ihr neues Zuhause akzeptiert.

Es ist 11.45 Uhr, die beiden Frauen müssen nun Mittag essen. "Een, twee, dree und heraus aus dem Sessel ", erhebt sich Catarine Grzenkowicz und eilt schleunigst zum Mittagstisch.

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