Zwei Höfe - gewachsen zum Stadtteil

Die ehemalige Stadtgrenze: An der Johannismühle/Lundlücke.
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Die ehemalige Stadtgrenze: An der Johannismühle/Lundlücke.

Zwei landwirtschaftliche Betriebe bildeten die Grundmauern des heutigen Flensburger Wohnviertels Adelbylund

shz.de von
30. Juli 2011, 07:05 Uhr

flensburg | Ein harter Schneewinter Ende der 60er Jahre: Landwirte wie Peter Erichsen sorgen sich um ihr Vieh, die Wasserleitungen sind eingefroren, dann fällt auch noch der Strom aus. Die Freiwillige Feuerwehr aber kann als Retter in der Not helfen, legt ein Kabel vom Verteilerhaus des Stadtstroms an der alten - und heute kopflosen - Johannismühle bis zur knapp 1,5 Kilometer entfernten Umwälzpumpe am "Angelsunder Weg". Die vom Stromausfall der Schleswag betroffenen Gebäude hatten zwar kein elektrisches Licht, aber "immerhin funktionierte die Heizung wieder", erzählt Erichsen. Zu dieser Zeit war Peter Erichsen noch stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Sünderup und bewirtschaftete seinen Hof "Klein Adelbylund" im Oskar-Struve-Weg.

Heute gibt es auf "Klein Adelbylund" keine Kühe mehr, der landwirtschaftliche Betrieb wurde nach drei Generationen aufgegeben - außerdem liegt er nun mitten im Stadtteil. Aber nicht nur der Betrieb, auch Adelbylund selbst hat sich verändert: Der Oskar-Struve-Weg ist inzwischen von Einfamilienhäusern gesäumt, der Stadtteil baulich vollständig mit den angrenzenden verbunden.

1790 aber, als der Struve-Hof erbaut wurde, war noch nicht an ein Dorf oder gar einen Stadtteil zu denken - da gab es in Adelbylund nur den kleinen und dahinter den großen Hof. Diese beiden bildeten sozusagen den Ursprung des heutigen Flensburger Stadtteils. "Von ,Groß Adelbylund sieht man jetzt nichts mehr", berichtet der gelernte Landwirt Erichsen. Er selbst aber wohnt heute noch mit seiner Frau in den gut erhalten Gebäuden des kleinen Hofes. Vor fast 60 Jahren kam Peter Erichsen zur Familie, heiratete die Tochter und übernahm 1959 den Hof: "Ich kam aus Düsseldorf hierher und sollte mit einmal Landwirt werden", erzählt er. Auch wenn er nicht in Adelbylund geboren ist, sagt der 75-Jährige: "Es gibt kaum einen älteren Adelbylunder als mich." So kam es, dass Erichsen 1962 zum stellvertretenden Bürgermeister der Gemeinde Sünderup und 1974 zum Stadtrat in Flensburg wurde. Er erlebte mit, wie sich die Adelbylunder gegen die Eingemeindung sträubten. Bis 1966 gehörte Adelbylund zur Gemeinde Sünderup, schloss sich danach zusammen mit Tarup, Tastrup und Sünderup zu Adelby, entschied sich aber 1970 für die Eingemeindung nach Flensburg - so musste auch das teuer zu entsorgende Abwasser an der Stadtgrenze nicht mehr von der Gemeinde selbst bezahlt werden.

Da Adelbylund immer weiter wuchs und der gebürtige Düsseldorfer Erichsen zu einem Einwohner mit großer Ortskenntnis wurde, sprach ihn die Stadt Flensburg des Öfteren an und fragte: "Was weißt Du noch?" Also hat er erzählt, über die Flurstücke, das Leben, das in der Gemeinde gelebt wurde. Viele Straßen in Adelbylund erhielten so ihren Namen. Ob die nach dem Flurstück benannten Straßen "Hele Mond" oder "Angelsunder Weg" oder die als Dank an den Bund wegen großzügiger Förderung des Häuserbaus benannte "Bundesstraße". Auch das ehemalige Wirtshaus Adelby, von Einwohnern "Hoddeldienot" genannt, wird heute von der Einrichtung genutzt. "Hier wurden viele Flensburger Ehen geschlossen", erzählt Erichsen und erklärt die Namen der angrenzenden Straßen "Am Lustgarten" und "Lustgartenweg" so: "Ging man ins Wirtshaus, sagte man immer, man geht in den Lustgarten", erzählt er. Seinen Ursprung hatte auch diese Redewendung in dem Namen des Flurstücks. Wie die Gaststätte "Hoddeldienott" aber zu ihrem Namen kam und wie er geschrieben wird? "Das weiß keiner so genau", sagt Erichsen und fügt schmunzelnd hinzu: "Selbst Google kennt es nicht."

Aber nicht nur einige Straßennamen beeinflusste Erichsen mit seinen Ideen, auch zur baulichen Gestaltung Adelbylunds trug er bei: "Alle, die zum Holländerhof wollten, fuhren über meinen Hof", erzählt er. "Das war mir irgendwann zu viel." Also wurde die Idee einer Erschließungsstraße geboren, der "Preesterbarg" verlängert, links und rechts davon entstand ein Neubaugebiet. Wenn der Stadtteil heute auch baulich vollständig erschlossen ist, in Straßennamen wie "Preesterbarg" lässt sich noch der ländliche Charakter des Kirchenspiels Adelby erkennen. Auf die ursprüngliche Idee "Priesterberg" nämlich kam man durch das Flurstück der Kirche Adelby. Jemand aber fand "Platt passt besser", erzählt Erichsen - und alle stimmten zu.

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