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Männerfreundschaft : Zwei Deutschbalten in Harrislee: Von guten Freunden und Currywurst

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Arnold Lück und Eugen Luig eint eine besondere gemeinsame Geschichte – und beide werden 90: Lück am Mittwoch und Luig am Donnerstag. Seit 1932 sind die Freunde unzertrennlich.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2015 | 14:30 Uhr

Flensburg | Jeder der beiden Herren braucht nur ein Stichwort, um ins Erzählen zu kommen. Von der Heimat Estland, der Umsiedlung, dem Krieg, Rennpferden, Schwarzhandel während der Besatzungszeit. Seit zehn Jahren schon redeten sie darüber, dass ihre Geschichte in ein Buch gehörte, sagt Eugen Luig. Doch haben die Männer keine Zeit. Luig wird am Donnerstag 90, sein Freund Arnold Lück am Mittwoch. „Der erste September 1932 – das war der erste Schultag, da wurden wir beide zusammen in eine Schulbank gesetzt“, weiß der Ältere noch. Das war im estnischen Dorpat, das heute Tartu heißt. Seither kennen sich die beiden Freunde, auch wenn der Krieg sie für eine Weile trennte.

1939 beschlossen Hitler und Stalin die Umsiedlung der Deutschbalten. In Estland konnte seine Familie nicht bleiben, sagt Eugen Luig, Sohn aus betuchtem Elternhause mit einer Operettendiva aus Sankt Petersburg als Mutter und einem Adjutanten als Vater. Auch die Lücks verließen Dorpat in Richtung Warthegau. Der junge Lück wurde Lehrling als Filmkaufmann, der junge Luig fing an, Musik zu studieren. Er hatte Glück und ein Hüftleiden, musste nicht an die Front, gab stattdessen Konzerte für die Truppe. Lück hingegen machte die Normandie-Invasion mit und wurde drei Mal verwundet.

Während die zwei im gemütlichen Hause Lück – er wohne hier seit 62 Jahren, sagt der Gastgeber – abwechselnd erzählen, streift Dackel-Oldie Sammy um die Beine und holt sich Streicheleinheiten ab von jedem. Die beiden Gentlemen unterbrechen einander nicht, sondern helfen bei Namensfindungen und ergänzen dies und das – vor allem witzige Details.

„Als die Russen durchbrachen“, formuliert Luig, hätten die Eltern schon Habseligkeiten gepackt und die Rennpferde – Traber – vor einen vermutlich selbst gezimmerten Wagen gespannt für die Flucht nach Norden. „Ich dachte, ich sitze auf einem Ferrari“, erinnert sich Eugen Luig. „Mein Vermögen war ein Brotbeutel und eine Feldflasche mit einem Loch drin“, stellt Arnold Lück entgegen. Mit einem Fahrrad fuhr er nach Norden, denn bei Lübeck hatten sich die Freunde für nach dem Krieg verabredet. In Flensburg trafen sie sich tatsächlich wieder. „Seit Juni 1945 sind wir zusammengeblieben“, sagt Hobbygärtner Lück. Beide haben Familien gegründet, die von Florida bis Sydney verstreut leben, sind selbst in Harrislee sesshaft geworden. „Das Schlimme ist das: Ich wurde ihn nicht los“, scherzt Luig schon wieder, der beruflich alles mögliche ausprobierte und dann 40 Jahre dem Haus Seewarte treu blieb. Bei ihm habe es die erste Pizza Flensburgs und die beste Currywurst der Welt gegeben, und die brachte ihn zusammen mit internationalen Persönlichkeiten, die die Marine anspülte.

Lück wollte mit Armee zwar nie wieder zu tun bekommen, sagt er, landete aber doch für 22 Jahre bei der Standortverwaltung. Bis vor kurzem war er als vereidigter Estnisch-Dolmetscher fürs Landgericht tätig; jetzt kümmern sich seine Tochter Kathrin und er um die Santiano-Fanpost, weil einer der Produzenten zur Großfamilie gehört. Rasten mit 90 ist undenkbar für die Freunde. Und „Bewegung, Bewegung!“ aus Sicht Eugen Luigs das Geheimnis langen Lebens.

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