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Flensburger Förde : Zwei Delfine auf Entdeckungstour

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Große Tümmler in der Ostsee sind zwar etwas Besonderes – aber kein Grund zur Sorge, sagt der Flensburger Biologe Dr. Dennis Barnekow.

shz.de von
erstellt am 21.Mär.2016 | 11:00 Uhr

Flensburg | Die Euphorie war groß, als Anfang Februar plötzlich zwei Große Tümmler in der Flensburger Förde auftauchten. Auch, wenn „Selfie“ und „Delfie“, wie sie von einer schwedischen Facebook-Gruppe getauft wurden, mittlerweile weitergezogen und in Kiel die Förde erkunden, beschäftigen die Delfine weiterhin viele Flensburger. Mehr als 1000 von ihnen haben sich im Internet zur Facebook-Gruppe „Delphine in Flensburg“ zusammengeschlossen – wo die Idee zu einer Info-Veranstaltung zu den ungewöhnlichen Gästen kam. 80 Zuhörer waren der Einladung des Biologen Dr. Dennis Barnekow vom Ostseelabor und des Facebook-Gruppen-Gründers Tobias Kaiser an die Flensburger Uni gefolgt, um mehr über die Meeressäuger zu erfahren.

Verirrt haben die beiden sich jedenfalls nicht, sagte Barnekow. „Es sind allem Anschein nach zwei junge Männchen, die noch nicht ganz ausgewachsen sind – und die sich offenbar auf Entdeckungsreise begeben haben.“ Das Nahrungsangebot ist gut, wohl auch durch einen Zustrom von riesigen Salzwassermengen im Jahr 2014, und so ziehen sie neugierig durch die Ostsee – von Fehmarn sind sie im Sommer und Herbst über Kalmar an der schwedischen Ostküste bis in die Flensburger Förde geschwommen. „Wenn man es mit dem Menschen vergleichen will, ist es so eine Art ‚Work and Travel‘: Nach dem Abitur wird die Welt erkundet, bevor der Ernst des Lebens beginnt.“ Wissenschaftler werten es nämlich als Zeichen für die Intelligenz der Tiere, dass sie erst im Alter von neun bis 13 Jahren an die Fortpflanzung denken, obwohl sie bereits einige Jahre früher geschlechtsreif sind – ähnlich wie wir Menschen“, so Barnekow. Alles in allem sind Delfine in der Ostsee zwar „etwas Besonderes und einfach schön“ – aber alles andere als besorgniserregend. „Sie haben hier genug Nahrung und keine Feinde – es gefällt ihnen augenscheinlich in der Ostsee.“ Bedenken, dass die Tiere sich von Booten gejagt fühlen könnten, teilte Barnekow nicht: „Sie schwimmen freiwillig in der Bugwelle und surfen geradezu auf ihr – wenn sie wollen, sind sie viel schneller als jedes Boot und unglaublich schnell wieder weg.“

Die Schönheit der Tiere direkt erlebt hat der Flensburger Feuerwehrtaucher Stephan Thomsen. Er hat die Delfine bei sechs Tauchgängen vor Sonwik beobachtet – und unter Wasser gefilmt. Dabei gelangen ihm sensationelle Aufnahmen, wie es sie aus der Ostsee bislang noch nicht gab. Für die neugierigen Großen Tümmler waren die Taucher – Thomsen war meist mit Begleitung unterwegs – eine Attraktion.

„Sie haben uns jedes Mal geradezu begrüßt“, erzählte Thomsen während der Filmvorführung. Schließlich suchten „Selfie“ und „Delfie“ ganz unbekümmert vor der Kamera nach Nahrung im Schlick am Grund der Förde oder wirbelten eine Wand aus Schlamm auf, um aus der Deckung heraus nach Fischen zu jagen. Wissenschaftler interessieren sich mittlerweile für die seltenen Aufnahmen aus der kalten Förde.

Auch über dem Wasser sorgten die Großen Tümmler für Begeisterung und eine volle Pier am Yachthafen in Sonwik. Auf etlichen Fotos tauchte dabei immer wieder grünes Kajak auf – in ihm paddelte André Peter von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde, der es als „Pastor, der mit den Delfinen paddelt“ sogar in die Bildzeitung geschafft hat. Er berichtete von eindrücklichen Erlebnissen mit den Delfinen – obwohl: „Eigentlich ist das, was man mit den Tieren erlebt, nicht in Worte zu fassen.“ Wie die Delfine ihm von Wassersleben bis nach Sonwik über die Förde folgten, ihn auf ihrer Welle förmlich mitzogen und schließlich scheinbar auf seine Pfiffe reagierten – Geschichten, an die Peter sich gerne zurückerinnert.

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