Flensburg-Fahrensodde : Zwangsumsiedlung der Jollensegler

Carmen Albrecht und Ulf Linstedt wüssten zu gern, weshalb sie ihre Jollen urplötzlich und blitzschnell von der Wiese in Fahrensodde entfernen mussten.
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Carmen Albrecht und Ulf Linstedt wüssten zu gern, weshalb sie ihre Jollen urplötzlich und blitzschnell von der Wiese in Fahrensodde entfernen mussten.

Bootsbesitzer empört über Befehlston der Stadt / Grund für Maßnahme gibt Rätsel auf

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01. August 2018, 06:52 Uhr

Es gibt Flensburger, die ihrer schönen Stadt in den Sommerferien den Rücken kehren und verreisen. Manche wochenlang. Manche nehmen sogar den Zug oder das Auto, obwohl sie ein Boot besitzen. Wenn das in Fahrensodde hinter dem Haus der Marinejugend liegt, an dem der Zahn der Zeit schon lange nagen darf, und die Urlauber erst nach dem 6. August zurückkehren und nach ihrem Boot sehen, könnte es sein, dass es verschwunden ist.

Ulf Linstedt konnte das für seine Jolle gerade noch verhindern, weil er rechtzeitig den pinken Zettel bemerkt hat, der auf der neuen Persenning seines Seglers vom Typ Contender klebte und unschöne Spuren hinterließ. „Obrigkeitsstaatlich im Ton, unmöglich in der Form (wirklich gemeine Fristsetzung, undatiert, unsigniert), inhaltlich flach“, so beschreibt Linstedt den Ton des Schreibens in seiner Antwort an die Stadt Flensburg, Abteilung Kommunale Immobilien.

Die ist der Absender und fordert Bootsbesitzer wie Linstedt auf, spätestens bis Montag ihre Boote von der Fläche zu entfernen, sonst würden sie entsorgt. Macht eine Frist von zwei Wochen – mitten in den Sommerferien.

Carmen Albrecht hatte ebenfalls ihr Boot auf der Wiesenfläche in Fahrensodde liegen, „die demnächst anderweitig genutzt wird“, wie es im Schreiben der Stadt heißt. Sie sei Lehrerin, sagt Albrecht, und könnte jetzt auch verreist sein so wie ein weiterer Mitsegler. Die Bootsbesitzer bildeten eine „gute Gemeinschaft“, erklärt Carmen Albrecht. Sie stehen in Kontakt und haben einander geholfen, die zum Teil hochwertigen Boote in Sicherheit zu bringen – nur ein paar Meter weiter kamen sie auf einem Platz unter, der zur Segler-Vereinigung Fahrensodde (SVF) gehört.

Am alten Standort habe sein „regattaklarer Contender“ seit ungefähr zehn Jahren gelegen – „unwidersprochen“, sagt Ulf Linstedt, andere Boote genauso lange „unbehelligt in wucherndem Gras“. Regelmäßig nutze er die Jolle. Eine schriftliche Vereinbarung über den Liegeplatz gab es nicht.

Lediglich zu der Zeit, als Mathias Hartmann, Geschäftsführer des benachbarten Unternehmens Dantronik, sich um das Gelände kümmerte, habe man über „Bedingungen für das Abstellen der Jollen“ gesprochen, erinnert sich der 57-jährige Arzt. Von Seiten der Stadt habe es allein die Vorgabe gegeben, den maritimen Charakter zu erhalten und vereinsunabhängigen Wassersport zu ermöglichen. Für Hartmanns Aufwendungen für die Pflege der Wiese und des Weges „haben wir gerne einen kleinen Obolus gezahlt“, berichtet Linstedt.

Er würde verstehen und hat sogar damit gerechnet, dass die Jollen dort nicht für alle Zeit liegen könnten. Doch ihn stört die barsche Anrede und, dass die Stadt „keine Anstalten gemacht hat, Kontakt mit uns aufzunehmen“. Linstedt bietet an, an einer „positiven Entwicklung“ mitzuwirken, „das Gelände ist ja groß genug.“

Allein der Grund für die plötzliche Eile bei der Räumung der Wiese bleibt bislang ein Rätsel. Über das Areal Fahrensodde 20 wird seit Jahren diskutiert; vor einem Jahr wurde eine Viertelmillion Euro bereitgestellt für eine neue Erschließung (wir berichteten). Abgesehen vom entstehenden Neubau für die DLRG sind offiziell keine weiteren Bauvorhaben bekannt. Christian Reimer aus der Pressestelle der Verwaltung sagte auf Anfrage: Die Abteilung Kommunale Immobilien prüfe gerade den Hintergrund der Räumung.

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