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Flensburgs Kantinen : Zum Kohl-Auflauf wird Salat gereicht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine neue Serie stellt Flensburger Kantinen vor. Klaus Kreft kocht fast 30 Jahre für die Mürwiker Werkstätten.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2016 | 11:17 Uhr

Flensburg | Ob Arbeitsplatz, Studium, Kita oder Schule – Tausende Flensburger werden täglich in zig Kantinen und Mensen der Stadt satt. In einigen davon hat sich das Tageblatt einmal umgesehen. Zum Auftakt: In der Kantine der Mürwiker Werkstätten an der Raiffeisenstraße.

 

„Heute gibt es Rotkohl-Auflauf“, kündigt Klaus Kreft an. „Ist aber kein sehr fotogenes Essen“, gibt er zu und lacht. Rotkohl-Auflauf? Noch nie gehört. Drei Kantinen haben die Mürwiker Werkstätten: eine in Niebüll und zwei in Flensburg – neben der Kantine Treeneweg gibt es die in der Raiffeisenstraße. Hier gibt es den Rotkohl-Auflauf. Und hier arbeitet Klaus Kreft, Küchenchef und hauswirtschaftlicher Leiter.

Kreft ist einer von zehn Mitarbeitern der Küche. Er kocht nächstes Jahr schon dreißig Jahre bei den Mürwiker Werkstätten. In die Kantine kommen anleitende Mitarbeiter, Betreute und auch Eltern oder Mitarbeiter aus Nachbarbetrieben als Gäste. 220 bis 240 Essen gehen täglich über die Theke. Um diese Zahl koordiniert im Speisesaal unterzubringen, werden die Kantinenbesucher in Gruppen getaktet, erklärt Kreft. Gemüse, Fleisch, Eier und Kartoffeln kommen aus der Region. Nach Möglichkeit wird mit frischen Produkten gekocht. Beim Speiseplan achtet „Klausi“, wie er von vielen Gästen genannt wird, auf Abwechslung. „Einige kommen über Jahre täglich zu uns“, sagt er. Da sei es wichtig, dass es keine feste Speisenabfolge gibt, die nach einigen Wochen wiederholt wird. Bei gelegentlichen Umfragen dürfen sich Besucher der Kantine ihre Lieblingsessen wünschen. Am meisten genannt werde Spaghetti Bolognese: „Nudeln gehen immer.“ Aber auch der Rotkohl-Auflauf werde immer wieder gewünscht. „Das verstehe ich selbst nicht“, sagt Kreft lachend und erzählt, dass dieser vor vielen Jahren mal von einer Dame gewünscht wurde. Der Auflauf kam so gut an, dass er nun etwa zweimal im Jahr angeboten wird. Zum Vergleich: Spaghetti Bolognese gibt es viermal jährlich.

Currywurst mit Pommes, Hähnchenschenkel, Fischtopf und Nudelauflauf – einiges wird auf Nachfrage von den Besuchern als bestes Essen der Kantine genannt. Nur bei Grünkohl oder Labskaus überlegen sie es sich zweimal, ob sie zum Essen kommen. Da sie aber gerne hier sind, kommen sie doch und wählen dann halt das Alternativgericht. Zur Auswahl stehen in der Regel zwei Gerichte: einmal Vollkost und ein fleischloses Essen. Das kann vegetarisch, aber auch mit Fisch sein.

Das Küchenteam orientiert sich am Leitfaden der Deutschen Gesellschaft für Ernährung – sowohl an den Vorgaben für Schulmensen als auch an den für Betriebskantinen. „Immerhin haben wir Besucher von 16 bis 60 Jahren“, erklärt Kreft. So kommt jeweils einmal in der Woche Schwein, Rind oder Wild, Geflügel und Fisch als Hauptgericht auf den Speiseplan. Dazu gibt es an einem Tag nur vegetarisches Essen. Auch auf Personen, die aufgrund von Allergien oder Religion spezielles Essen benötigen, nehme das Küchenteam Rücksicht. „Manche behaupten zwar, sie dürfen alles essen, aber dann bekommen wir Ärger mit den Eltern“, sagt Kreft mit einem Schmunzeln. Ebenso seien sie immer auf die knapp zwanzig Vegetarier vorbereitet, erzählt er, bevor es endlich den berühmten Rotkohl-Auflauf gibt.

Vor dem Ansturm der Hungrigen setzen sich die Küchenmitarbeiter erstmal zusammen und probieren selbst ihr gekochtes Mittagessen. Dass das Auge beim Rotkohl-Auflauf lieber nicht mit isst, wurde ja schon angekündigt. Der Auflauf, bestehend aus einer Hackfleischsoße mit Gemüse, Kartoffelpüree, Rotkohl und einer Soße aus Ei und saurer Sahne hat eine gewöhnungsbedürftige Konsistenz. Aber Hauptsache der Geschmack stimmt. Nach ersten vorsichtigen Bissen schmeckt der Auflauf mit jedem Happen besser. Die Portion ist groß genug, dass man keinen Nachschlag braucht. Außerdem gibt es dazu einen kleinen Salat. Die Mischung aus Paprika, Karotte, Tomate, Zwiebeln, Salat und Essig-Öl-Dressing schmeckt gut. Das Gemüse ist knackig, das Dressing gut abgeschmeckt und portioniert – der Salat schwimmt nicht, ist aber auch nicht zu trocken. Zum Nachtisch gibt es einen Schokoladenpudding mit Sahnehäubchen.

3,50 Euro für anleitende Mitarbeiter und 3 Euro für Betreute kostet ein Mittagessen. Darin enthalten sind Salat, Mittag, Dessert und Getränke. Zu trinken gibt es Saft, Wasser und Milch. Ein guter Preis für das, was geboten wird: frisch gekochtes Essen, gute Portionen und eine angenehme Atmosphäre.

Der Speisesaal ist weiß gestrichen, hat große Fenster und einfache, aber gemütliche Möbel aus hellem Holz. Durch einzelne Stühle und Gardinen mit Blumenmuster gibt es dazu immer wieder Farbtupfer. Man fühlt sich hier wohl. Nicht zuletzt wegen Klaus Kreft und seines Teams. Während sich die Kantine langsam füllt, steht er im Eingangsbereich und beobachtet das Treiben. Jeder, der hereinkommt, kennt und grüßt ihn, wird freundlich zurückgegrüßt und bei Fragen beraten. Man merkt, dass die Leute gerne kommen.

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