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Behördenärger : Zulassungsstelle fährt auf der Felge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ewige Wartezeiten, hoher Krankenstand, dicke Luft: Dauerärger in der Gutenbergstraße / Gerüchte von Mobbing-Attacken in der Belegschaft

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Vor zwei Monaten war er noch voller Hoffnung. Im Mai, spätestens Juni prophezeite Jan Wiese, Fachdienstleiter und Chef der gemeinsamen Zulassungsstelle des Kreises und der Stadt in Flensburg, „sind wir wieder vollständig.“ Der Mann irrte. Dr. Martin Koch, Fachbereichsleiter und Chef von Jan Wiese, musste gestern einräumen: „Die aktuelle Situation ist eine Zumutung!“ Ewig lange Wartezeiten, Gemecker, viel dicke Luft vor und hinter den Tresen – die total überlastete Zulassungsstelle in der Gutenbergstraße bekommt ihre Personalprobleme nicht in den Griff.

Seit Jahresbeginn arbeitet die ursprünglich 17-köpfige Belegschaft mit einer Rumpfmannschaft. Fünf Dauerkranke, zwei unbesetzte Stellen – diese personelle Hypothek kann der Rest des Kaders nicht abtragen. Und auch die Belegschaftsstärke Zehn steht nicht durch. Urlaube, freie Tage, Kurzerkrankungen – es gab Tage, da stemmten sich gerade noch drei Mitarbeiter gegen die wütende Flut der Bürger. Besonders ärgerlich wird es für Besucher mit längerer Anreise, die häufiger mal unverrichteter Dinge wieder nach Hause durften. Sobald nämlich absehbar wird, dass die Erledigung der Vorgänge die Restdienstzeit beansprucht, wird der Automat für die Wartemarken abgeschaltet – Stunden vor dem eigentlichen Dienstschluss. Die ursprünglich mal angepeilte Bearbeitungszeit von 20 Minuten pro Vorgang – sie ist eine Utopie geworden.

Mira Heyde, Disponentin beim Flensburger Mercedes-Vertragshändler Klaus & Co, veranschlagt mittlerweile mindestens drei Stunden pro Zulassung. Die Teilzeitkollegin, die sich für die Firma um die Zulassungen kümmert, buttert seit Wochen zu. Statt um 12 Uhr macht sie erst um 16.30 Feierabend. Für die Verkäufer sind Übergabetermine mittlerweile Risikotermine geworden. „Es bedeutet für uns intern unglaublich viel Aufwand, diese Unwuchten auszugleichen“, so Heyde. Bei AZF, vom Fahrzeugvolumen her größter Händler der Region, heißt es nur kurz und knapp: „Eine Katastrophe!“

Martin Koch in Schleswig räumt ein: „Der Krankenstand in dieser Dienststelle ist statistisch sehr hoch.“ Und das schlägt aufs Klima. „Für die, die kommen, ist die Belastung dann natürlich noch größer“, sagt Koch. „Da stehen alle unter Beobachtung und unter starkem psychischen Druck. In Situationen wie diesen wird natürlich jeder Pausengang genau registriert.“ Schilderhändler am Rande der Zulassungsstelle nehmen da kein Blatt vor den Mund. „Da wird gemobbt“, sagt einer. Das deckt sich mit Erkenntnissen von Mira Heyde. „Wir haben hier auch von Mobbing-Attacken gehört. Die sorgen dann zusätzlich für Ausfallzeiten. Diese Probleme haben meiner Ansicht auch viel mit Personalführung und Organisation zu tun.“

Und der Dienstherr? Voraussetzungen für eine Abordnung von Hilfstruppen sieht er nicht, Neueinstellungen schließt Martin Koch im Moment aus. „Wir sollen ja sparsam sein“, gibt er zu bedenken. Aber irgendwann, irgendwo – greift da nicht auch die Fürsorgepflicht des Dienstherren? „Wenn es nicht besser wird, muss man sich Gedanken machen“, räumt Koch ein. „Im Moment befinden wir uns in einer Abwärtsspirale. Wir setzen auf eine ruhigere Phase.“ Immerhin: Martin Koch geht davon aus, dass bis zum Juli die beiden vakanten Stellen besetzt sein werden, der Rest ist Optimismus. „Wir hoffen auf Heilung der Kranken“, seufzt er. „Wenn alle da sind, funktioniert auch die Dienststelle, wie sie soll.“

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