Pilkentafel Flensburg : Zucker und Sklavenhandel: Theater über Afrika

Zuckerbad als Peitsche: Torsten Schütte (l.) und Antoine Effroy bei den Proben.
Zuckerbad als Peitsche: Torsten Schütte (l.) und Antoine Effroy bei den Proben.

Theaterwerkstatt kommt im September mit einem neuen Stück zu einem alten Thema

shz.de von
16. August 2017, 08:51 Uhr

Es sind große Themen, die die Pilkentafel in ihrem neuen Stück bewegt. Sklaverei, Kolonialismus, Flucht, Abschottung, Menschlichkeit. Das alles wird wie immer auf kleiner Bühne mit kleinster Besetzung und mickrigem Budget umgesetzt. „Von der Begierde, Burgen zu bauen“ hat am 7. September Premiere. Die Proben laufen auf Hochtouren.

Immer wieder haben sich Elisabeth Bohde und Torsten Schütte mit den schwierigen Beziehungen zwischen weißen Europäern und schwarzen Afrikanern auseinandergesetzt. Dabei haben sie es nicht bei Grübeleien und dem Studium kluger Texte belassen, sondern sind hingefahren, haben die Menschen dort getroffen, mit ihnen gesprochen, mit ihnen gearbeitet. „Ich habe dann eine Verhaltensstörung bei mir entdeckt, wenn man den Menschen in Afrika begegnet“, sagt Torsten Schütte.

Das Flensburger Theaterpaar zieht eine Linie vom Kolonialismus, von der Sklaverei bis zur heutigen Flucht vieler Afrikaner nach Europa, aber vor allem zum unterschiedlichen Entwicklungsstand der Länder in Afrika und in Europa. Und sie hinterfragen den grundsätzlichen Ansatz der Entwicklungshilfe sowie der unkritischen Übertragung von Werten und Normen bis hin zu demokratischen Regeln auf Menschen und Gesellschaften dort.

Ein Anknüpfungspunkt hier vor Ort ist die aktuelle Ausstellung zu Sklaverei und zum kolonialen Erbe im Schifffahrtsmuseum. Schon früher hat die Pilkentafel in der entsprechenden Abteilung des Museums Szenen zum Thema gezeigt.

Für das aktuelle Stück arbeitet die Pilkentafel mit dem französischen Tänzer und Performer Antaine Effroy zusammen, der unter anderem auf Kampnagel und mit dem Bochumer „Kainkollektiv“ gearbeitet hat – unter anderem mit Akteuren aus Kamerun. Er und Schütte müssen das Kunststück vollbringen, auf der Bühne körperliche Präsenz und Bewegung zu zeigen und gleichzeitig einen Berg an Informationen zu vermitteln. Dem Titel entsprechend werden sie vermutlich eine Burg bauen – aus Zucker. Denn das ist der Stoff, der für Flensburgs Anteil am kolonialen Erbe von zentraler Bedeutung war. Doch auch in anderen Szenen wird dieses Produkt bühnenwirksam eingesetzt (siehe Foto). Es dürften mehr als ein paar Pfund sein, die hierfür erforderlich sind.

Die echten Burgen, in denen die Kolonialmächte damals die Sklaven unter grausamen Bedingungen wochen- und monatelang in Verliesen gefangen hielten, haben sich die Theaterleute angesehen: Elmina, Großfriedrichsburg, beide im heutigen Ghana. Besonders beeindruckend: „The Door of no Return“. Durch diese Türen mussten die Sklaven die Burg Richtung Meer verlassen und auf die Schiffe gehen, die sie auf Nimmerwiedersehen über den Atlantik brachten. Für viele Afro-Amerikaner seien das heutige Pilgerziele, selbst Obama sei gekommen, um eine „Door of no Return“ in der anderen Richtung zu durchschreiten.

Ob und wie die Pilkentafel in ihrem neuen Stück diese Tür thematisiert, wird ein Besuch der Premiere oder einer der weiteren Vorstellungen zeigen.

Premiere: 7. September; 8., 9., 14., 15., 16., 22., 23. September, 20 Uhr

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