Behörden-Stress in Flensburg : Zu viele Kinder: Kleine Anouk muss Kita verlassen

Ungemütliche Zeiten stehen Nicole Ammari und ihrer kleinen Tochter bevor. Foto: Staudt
Ungemütliche Zeiten stehen Nicole Ammari und ihrer kleinen Tochter bevor. Foto: Staudt

Weil zu viele Kinder unter drei Jahren in eine Gruppe gesteckt wurden, flog die kleine Anouk (15 Monate) aus ihrer Kita. Jetzt hat ihre arbeitende Mutter ein Betreuungsproblem.

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18. November 2011, 08:03 Uhr

Flensburg | Es war perfekt: Nicole Ammari (31) hatte einen Krippenplatz für ihre 15 Monate alte Tochter Anouk gefunden, eine Wohnung und einen Job. Alles rund um den Twedter Plack. Und die Kleine fühlte sich wohl in der Kita Kindernest. "Sie geht da gerne hin, lernt mit den größeren Kindern laufen", erzählt Ammari. Jetzt droht die Kleine aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen zu werden. Weil in der Kita zu viele Unter-Dreijährige betreut wurden, wurde zwei Kindern gekündigt.
"Es gab Hinweise von Eltern, dass die Gruppe zu groß sei", erklärt Christian Kohl, Sprecher des zuständigen Sozialministeriums in Kiel. Eine Überprüfung der beim Ministerium ansässigen Heimaufsicht bestätigte: An mehreren Tagen wurden zeitgleich zu viele Kinder unter drei Jahren betreut als genehmigt. Damit habe die Kita gegen ihre Betriebserlaubnis verstoßen. "Daher mussten wir für vier Kinder die Betreuungszeiten kürzen und zwei Kündigungen zum 1. Dezember aussprechen", bestätigt Kita-Leiterin Heide-Marie Fischer. Eine landete bei Nicole Ammari.
"Das ist eine Rumschieberei"
Das Groteske: In drei Monaten wird in der Kita Kindernest wieder ein U3-Platz für Anouk frei. "Hätte man da nicht eine Übergangslösung finden können", fragt die alleinerziehende Mutter. Zumal für ein Kind, das im Januar drei Jahre alt wird, eine Ausnahme gemacht wurde. Vorerst jedoch steht der kleinen Familie ein unangenehmes Vierteljahr bevor. Sie hat zwar eine Tagesmutter gefunden, doch muss Ammari ihre Tochter mit dem Bus dorthin bringen, dann zurück zum Arbeitsplatz am Twedter Plack - und abends der gleiche Weg. "Das wird umständlich", sagt Ammari. Sie muss mehr Betreuungsstunden beantragen, was die Kosten in die Höhe treibt, dazu kommen 40 Euro für die Monatskarte. Aber das Schlimmste: "Anouk muss sich auf eine neue Situation einstellen. Dabei sind feste Rituale wichtig", weiß die Mutter. "Das ist eine Rumschieberei." Es werde nicht auf das Wohl des Kindes geachtet, kritisiert sie das "kleinkarierte" Handeln der Behörden. Immerhin habe die Kita-Erzieherin nie einen überforderten Eindruck gemacht.
Kita-Leiterin Fischer war überrascht vom Ergebnis der Überprüfung. "Wir hatten immer zwei Gruppen, eine Krippe und eine für ältere Kinder", sagt sie. Bei der Heimaufsicht habe man das immer so akzeptiert, behauptet sie. Ministeriumssprecher Kohl weist das zurück: Da in der Kita Kinder von 0,5 Jahren bis zum Schuleintritt betreut werden, handele es sich um eine altersgemischte Gruppe, die den strengen Auflagen der Kita-Verordnung unterliege. Deren Einhaltung müsse beachtet werden, sagt Kohl. Unnötige Härtefälle wolle man allerdings vermeiden. Allein, es habe keine offizielle Anfrage gegeben. Kohl: "Wir würden das dann prüfen." Kita-Leiterin Fischer dagegen berichtet von einer sturen Haltung bei der Sachbearbeiterin. Nachdem das Flensburger Tageblatt in dieser Sache recherchiert hat, ist Bewegung in die Sache gekommen. Die Heimaufsicht prüfe nochmals die Belegmeldungen, berichtet Fischer. "Wir sind in Gesprächen, ob nicht auch für die zwei gekündigten Kinder Übergangsregelungen gefunden werden können." Anouk könnte dann schon im Januar oder Februar wieder mit ihren kleinen Freunden spielen.

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