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Flensburger Tageblatt

20. August 2017 | 02:54 Uhr

Lindewitt : Zu Hause im „5-Länder-Eck“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Gemeinde Lindewitt hat 14 Nachbarn, da gibt es manch Kurioses zu berichten.

Lindewitt | 1974 schlossen sich die Gemeinden Lindewitt-Lüngerau, Kleinwiehe, Linnau, Riesbriek und Sillerup zur „Großgemeinde“ Lindewitt zusammen. Immerhin ist sie mit mehr als 53 Quadratkilometern zumindest von der Fläche her fast genau so groß wie die Stadt Flensburg. Die etwa 50 Kilometer lange Gemeindegrenze bescherte ihr nun 14 Nachbargemeinden. Kaum ein Einheimischer wird sie aus dem Stegreif aufzählen können: Großenwiehe, Wanderup, Janneby, Jörl, Löwenstedt, Joldelund, Goldebek, Goldelund, Lütjenholm, Enge-Sande, Stadum, Hörup, Nordhackstedt und Meyn. Diese Grenze bringt nun einige Besonderheiten und Kuriositäten hervor.

Da gibt es einen Punkt am Rande der Silleruper Splittersiedlung „Seeland“, der als „5-Länder-Eck“ ausgewiesen ist. An einem gemeinsamen Grenzstein stoßen die fünf Gemeinden Großenwiehe, Janneby, Jörl, Lindewitt und Wanderup sternenförmig aneinander. Heute wissen immer weniger Menschen von diesem Punkt. Das Hinweisschild und die Ruhebank davor sind teilweise zugewachsen.

Dabei trafen sich bis in dieses Jahrhundert hinein nur einen guten Steinwurf entfernt dienstags viele Menschen aus diesen Gemeinden und dem benachbarten Nordfriesland bei „Guste“. Auguste Autzen war allen nur unter diesem Namen bekannt. Hans-Friedrich Reimer aus Oxlund (Großenwiehe) kennt die Geschichte des Hofes von Beginn an und kann sich noch gut erinnern, wie alles ursprünglich mit einem sogenannten Stubenladen auf ihrem Hof in Wanderuper Alleinlage begann, wo man sich mit dem Notwendigsten versorgen konnte. Bald entwickelte sich der Treffpunkt zum allseits bekannten Geheimtipp. Dort „wärmten“ sich die Jäger auf und hielten Klönschnack.

„Der Stubenladen entwickelte sich zum Treff für all die, die preiswert ihren Durst stillen wollten“, berichtet Reimer. Mit der Zeit wurde der Hof mehr und mehr zu einer Anlaufstelle für Fahrradfahrer. Bald stand jeden Dienstag ein Imbisswagen auf dem Hof, Hans-Arnold Hansen aus Großenwiehe hatte einen Tisch aufgebaut und legte Platten auf, wenige alte Autositze boten Sitzgelegenheit, für die Kinder gab es ein kleines Karussell – der Stubenladen hatte sich zum Event-Treffpunkt entwickelt. Um die 200 Menschen, vorwiegend Fahrradgruppen, fanden sich nun dort regelmäßig dienstags bei gutem Wetter ein.

Den Reiz dieser Ausflüge wird heute kaum jemand erklären können. Der Verkaufstresen bestand aus einer alten Tür, die auf leere Kisten gelegt war. Das Bier, das herausgereicht wurde, war alles andere als gekühlt. Am Imbisswagen musste man schier endlos für eine Bratwurst anstehen, da jeder Kunde für mindestens zehn andere einkaufte. Es war alles mehr als einfach, aber immer eine urige Atmosphäre, viel Begegnung, einfach Kult, wie man auf Neudeutsch sagt.

„Man traf regelmäßig Leute von allen Kanten, die man ewig nicht gesehen hatte“, erinnert sich der Lindewitter Altbürgermeister Peter Hansen. Die Ordnungsbehörden haben wohl alle Augen zugedrückt und dieses bunte Treiben geduldet. Heute wäre ein solcher Betrieb schon angesichts fehlender Toiletten undenkbar. Es gibt wohl viele verschiedene Erinnerungen und Geschichten, die sich um den Dienstagabend bei „Guste“ ranken.

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