Oeversee : Zu Fuß nach Konstanz – trotz Rheuma

Im Treenetal bei Oeversee:  Rheuma-Patientin Marion Riedel wandert durch Deutschland, begleitet von ihrem Partner Gerd Lankenau.
Im Treenetal bei Oeversee: Rheuma-Patientin Marion Riedel wandert durch Deutschland, begleitet von ihrem Partner Gerd Lankenau.

Marion Riedel will mit ihrer Deutschland-Tour sich selbst und anderen Mut machen.

shz.de von
08. Mai 2018, 13:30 Uhr

Oeversee | „Deutschland von Norden nach Süden zu erwandern, war schon immer mein Wunsch.“ Nun startete Marion Riedel dieses Vorhaben an der dänischen Grenze unter ganz besonderen Bedingungen. „Aktion Schrittmacher“ nennt sie ihre persönliche Lebenshilfe, die ihr, aber auch anderen Erkrankten Mut und Energie spenden soll.

Die Bremerin erfuhr im Jahr 2015, dass sie an einer Rheuma-Erkrankung leidet. An der seltenen Form der Mikroskopischen Polyangiitis. Ihre Krankheit verlief lehrbuchmäßig: Seit 2011 plagten sie starker Reizhusten sowie Entzündungen im Kehlkopf und in der Lunge. Muskelschmerzen und nachlassende Sehkraft schränkten die sportliche Frau zunehmend ein. Auch ihr Vater war Rheuma-Patient. Dennoch dauerte es vier Jahre, bis die verschiedenen Spezialisten ihr die richtige Diagnose stellten – und bis eine Therapie eingeleitet wurde.

Riedels Körper brauchte lange, bis er sich stabilisierte. Statt mit der Krankheit und ihrem Zustand zu hadern, versucht sie, nach vorne zu schauen, sich Ziele zu setzen – und diese zu realisieren. Von „Teilnahme am gemeinsamen Frühstück in der Klinik“ über „zurück nach Hause“ zum „ersten Spaziergang“. Dann kam die „Aktion Schrittmacher“ und es entstand die Idee, trotz des Rheumas von Flensburg bis nach Konstanz zu wandern. Ob die 55-Jährige tatsächlich in diesem Frühjahr starten würde, war lange ungewiss. Denn Schmerzen und mangelnde Kondition zeichneten den Körper der passionierten Wanderin und Alpinistin.

Aber nun ging es doch in Krusau los. Ausgestattet mit bequemen Schuhen an den Füßen, mit Stöcken in der Hand, mit Medikamenten und Regengarderobe im Rucksack sowie mit ihrem Begleiter Gerd Lankenau überquerte Riedel die Grenze nach Deutschland. Mit dabei waren Silke Engel von der Rheuma-Liga Schleswig-Holstein und ein Rheuma-Patient aus dem Flensburger Umland.

Marion Riedel will nicht nur sich selbst wieder in Bewegung bringen. Als ausgebildete Kinderkrankenschwester und Sozialwissenschaftlerin hat sie weitere Anliegen im Gepäck. Sie möchte andere Betroffene ermuntern. Sie möchte sie motivieren, mehr Vertrauen zum eignen Körper aufzubauen, damit sie ihr Leben bewegter gestalten können. Zu diesem Zweck will sie Selbsthilfegruppen und medizinische Stützpunkte in ihre „Aktion Schrittmacher“ einbinden. Sie hofft auf Mitwandernde, auf Gespräche und auf Kontakte entlang ihrer Wanderstrecke. Die ersten Tage verliefen schon erfolgreich.

Für Riedel selbst war der erste knapp zehn Kilometer lange Abschnitt „sehr anstrengend“. Die nächsten verkraftete sie besser. Die Entscheidung, den europäischen Fernwanderweg nur in kurzen Strecken zu absolvieren, war deshalb richtig. Die Tour von der Grenze nach Kiel teilte sie in elf Etappen, übernachtet wird zunächst in Oeversee, Idstedt, Schleswig, Selk und Ascheffel.

Im Herbst will sie von Lübeck bis Mölln laufen. Wie es dann weiter geht, steht noch nicht fest. Sicher ist: „Am 24. Februar 2024 werde ich mit der „Aktion Schrittmacher“ in Konstanz einlaufen, notfalls mit dem Rollstuhl einfahren. Denn das ist der Tag der seltenen Krankheiten. Darauf möchte ich alle öffentliche Aufmerksamkeit lenken.“


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Informationen zur Aktion Schrittmacher und zur Wanderung von Marion Riedel finden sich auf der Internetseite aktion-schrittmacher.de



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