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Feuerwerk : Zu frühes Böllern kann teuer werden

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Umfrage: Flensburger geben weniger Geld aus für Silvester-Knaller – Strafen für Frühstarter reichen theoretisch bis 50 000 Euro

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erstellt am 31.Dez.2013 | 08:00 Uhr

Im vergangenen Jahr haben sie noch mehr als 100 Euro für Böller ausgegeben und kamen damit auf die stolze Zahl von 1000 Böllern. „Dieses Jahr geben wir nichts aus“, sagt Fridtjof Susat. Sein Bruder Julian ergänzt: „Ich steh nicht mehr so auf die Böllerei, und wir haben kein Interesse mehr am Feuerwerk.“ Ab wann man offiziell mit der Knallerei loslegen darf, konnten beide nicht genau sagen.

Leichte Irritationen gab es gestern zur Frage der zeitlichen Beschränkung des Silvester-Feuerwerks nicht nur bei den beiden Brüdern. Während sich die Stadt Flensburg an die Vorgaben der Sprengstoff-Verordnung (Paragraph 23, Absatz 2) gebunden sieht, hieß es bei der Polizei zunächst, dass nur zwischen 18 Uhr an Silvester und 2 Uhr am Neujahrstag geknallt werden darf – mithin „nur“ acht Stunden. Das wurde jedoch später größtenteils revidiert: Nach Rücksprache zwischen Rathaus und Polizeipräsidium hieß es gegen Mittag klar und deutlich: Zwischen heute 0 Uhr und Neujahr 24 Uhr darf straffrei geböllert werden – also zwei komplette Tage lang. Kleine Ausnahme: Rund um die Krankenhäuser Diako und Franziskus-Hospital gelte mit Rücksicht auf die Patientin die zeitliche Einschränkung 18 Uhr bis 2 Uhr nachts.

Der Polizei lagen bis gestern keine Erkenntnisse über gravierende Verstöße gegen diese Regeln in Flensburg vor. Obwohl das Bußgeld bis maximal 50 000 Euro reichen könne, würde es bei typischen Verstößen durch Jugendliche vermutlich deutlich niedriger im zwei- bis dreistelligen Bereich liegen, sagte Polizei-Sprecher Markus Langenkämper. Ein ganz anderes Kaliber sei ein Fall in Wedel, wo Jugendliche mit ohnehin verbotenen „Polen-Böllern“ auf Beamte der Bundespolizei geworfen hätten.

Viele Flensburger kaufen dieses Jahr keine Böller. So auch Bettina Rödiger: „Ich gebe gar nichts für Feuerwerk aus, dafür ist mir das Geld einfach zu schade“, sagt sie. Anschauen will sie sich das Feuerwerk aber auf alle Fälle.

Ebenfalls zurückhaltend mit dem Feuerwerk ist Inke Sell: „Wir geben maximal 10 Euro aus und kaufen dann auch nur Raketen“, sagt sie. Mit ihrer Familie will sie heute Abend zuhause bleiben und gemeinsam das neue Jahr begrüßen. Der Hauptgrund dafür ist Labrador Loki. Er ist erst acht Monate alt und wird heute sein erstes Silvester erleben. Sell ist gespannt, wie er reagieren wird.

Es gibt sogar Leute, die regelrecht vor Silvester fliehen: Karen Zett gehört zu diesen Leuten. Sie ist mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern wegen der Silvester-Knallerei aus ihrer Stadt geflohen. Die Familie kommt aus Berlin und verbringt die Tage in Glücksburg. „Ich finde Silvester-Feuerwerk ist Geldverschwendung und Umweltverschmutzung. Man kann sinnvollere Sachen mit dem Geld machen, zum Beispiel spenden“, sagt Zett. Ihre beiden Kinder werden sich das Feuerwerk trotzdem anschauen, sagt Zett – dann aber in Glücksburg und nicht in Berlin.

Früher waren die beiden Brüder Jan-Ohle Clausen und sein Bruder Christian zu Silvester gerne unterwegs, dieses Mal wollten sie höchstens 20 Euro ausgeben. „Ich kauf’ nur noch ein Raketen-Paket“, sagt Jan-Ohle Clausen. Früher hätte er gerne mal 80 Euro oder mehr ausgegeben. Sein Bruder Christian habe, als er noch jünger war, gerne mal sein gesamtes Taschengeld in Feuerwerksknaller umgesetzt. Beide sind der Meinung, dass Kinder und Jugendliche gegen 17 Uhr mit dem Feuerwerk anfangen würden. Sie selbst hätten das auch getan und dann bis 2 Uhr versucht, die Reste noch loszuwerden. Seit zwei Jahren geben sie ihr Geld lieber für Getränke aus. „Einfach knallen ist auch kindisch“, sagt Jan-Ohle und sein Bruder Christian: „Es ist aber schon fast eine Kultur, dass jeder zehn Raketen kauft zu Silvester.“

 

 

 

 

 

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