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Flensburg : Zu Besuch bei der Spurensicherung: Ein Job wie im Krimi

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Dorothe Paulig ist eigentlich Biotechnologin. Nun unterstützt sie die Flensburger Kriminalpolizei - mit viel Akribie.

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2017 | 11:12 Uhr

Flensburg | „Es ist schon ein bisschen wie im Krimi“, gibt Dorothe Paulig zu und strahlt, wenn sie über ihre Arbeit spricht. Die 31-Jährige aus dem Kreis Schleswig-Flensburg ist eine von 28 landesweit neu angestellten Spurensicherungskräften, die die Kommissare hauptsächlich bei Einbrüchen unterstützen. In einem sechswöchigen Lehrgang in Eutin hat sie alles gelernt, was sie für ihren Job wissen muss. Seit Oktober ist sie für das K6 in Flensburg und dem Umland fast täglich im Einsatz.

„Als ich im vergangenen Sommer die Ausschreibung sah, habe ich gleich gedacht, das ist absolut mein Ding. Das finde ich spannend“, erinnert sie sich. Eigentlich ist Dorothe Paulig studierte Biotechnologin. Zuletzt arbeitete sie in der Saatzucht. „Damit war ich nicht mehr zufrieden und wollte etwas anderes machen.“ Die Stellenanzeige der Polizei sei für sie zum genau richtigen Zeitpunkt gekommen. „Ich habe nicht lange gezögert und mich gleich beworben.“

Nach wenigen Wochen kam die Einladung zum Einstellungstest in Kiel. Dort musste sie zum Beispiel logische Aufgaben lösen, Fingerabdrücke vergleichen und ein Zimmer beschreiben. „Danach hatte ich ein ganz gutes Gefühl.“ Ein abschließendes Gespräch lief ebenfalls gut. „Als dann der Anruf kam, dass ich die Stelle hab’, konnte ich es gar nicht glauben“, sagt Dorothe Paulig. Sie habe sich immer sehr gerne Fernsehsendungen angeschaut, in der wahre Verbrechen behandelt wurden. „Jetzt schau ich nicht nur zu, sondern bin mittendrin, das ist wirklich beeindruckend“, sagt sie auch heute noch etwas ungläubig.

Seit ihrer Ausbildung im Oktober hat Paulig in verschiedenen Kommissariaten hospitiert. Auch mit Toten hatte sie dabei schon zu tun. „Es gab Fälle, bei denen ich eine Leiche fotografieren musste. Ich hätte gedacht, dass das schlimmer ist.“ Auch bei einer Obduktion war sie dabei – zusammen mit zehn Medizinstudenten. „Da ist dann plötzlich die Wissenschaftlerin in mir wieder aufgetaucht, die genau wissen wollte, wie die menschlichen Organe so aussehen“, gibt sie zu.

Hauptsächlich kümmert sich Dorothe Paulig jedoch um Einbrüche. Dass sie ihre Arbeit mit viel Herzblut macht, wird klar, wenn sie gestenreich von ihrem Vorgehen vor Ort erzählt. „Wir arbeiten uns von außen nach innen vor. Ich muss mir vorstellen, wie der Täter vorgegangen sein könnte,“ erklärt sie. Dabei gehe es darum, vorhandene Spuren zu finden, sie zu dokumentieren und sicherzustellen. Deshalb fotografiert die Spurensicherin den Tatort bei ihrer Ankunft zunächst von außen.

„Oft finde ich dabei schon Hinweise darauf, wie der Täter ins Haus gelangt sein könnte.“ Manchmal sei es sogar ziemlich offensichtlich: „Man mag es kaum glauben, aber Steine sind noch immer sehr beliebte Einbruchswerkzeuge“, sagt Dorothe Paulig und lacht.

Wenn sie dann das Haus oder die Wohnung betritt, ist es für Paulig wichtig, auf jedes Detail zu achten. „Ich achte darauf, ob Schubladen oder Schränke geöffnet wurden, ob Dinge vielleicht nicht mehr an ihrem angestammten Platz liegen.“ Auch hier sei es wichtig, ein Gefühl dafür zu bekommen, was der Täter gemacht haben könnte. „Ich fange an, nach Fingerabdrücken, Faser- und DNA-Spuren zu suchen und sie zu sichern“, erklärt Paulig. Jede Spur wird von ihr akribisch eingetütet und mit einer Vorgangsnummer versehen.

Die ganze Prozedur kann sich je nach Spurenlage hinziehen. „Im Durchschnitt verbringe ich etwa eine Stunde am Tatort“, schätzt Paulig. Meist ist sie nicht alleine dort, sondern wird vom zuständigen Kommissar begleitet, der die Betroffenen befragt. „Bevor wir eingestellt wurden, haben die Kommissare diese Arbeit alleine gemacht. Wir sollen sie entlasten, damit sie mehr Zeit zum Ermitteln haben“, sagt die 31-Jährige.

Obwohl der Ablauf eines Einsatzes sich immer gleicht, wird Dorothe Paulig ihre Arbeit nie langweilig. Jeder Tatort sei anders, erzähle eine andere Geschichte: „Es wird jedes Mal meine Neugierde geweckt. Weil ich wissen will, was passiert ist“, erklärt sie ihre Motivation. Ob sie das dann wirklich erfährt, liegt am Verlauf der Ermittlungen, die die Polizisten führen. „Wenn der Täter durch die gesammelten Spuren überführt werden konnte, dann erfahren wir das schon. Und dann freue ich mich jedes Mal, dass ich in diesem Beruf endlich etwas Sinnvolles tun kann.“

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