Weihnachtsmarkt in Flensburg : Zoff um Punsch im Party-Zelt

Zufrieden auf dem Holm: Dieter Nimmrich, Inhaber der 'Beste Stuuv'. Foto: Dommasch
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Zufrieden auf dem Holm: Dieter Nimmrich, Inhaber der "Beste Stuuv". Foto: Dommasch

Streit um "Beduinenzelt": Weihnachtsmarktbeschicker in Flensburg lamentieren über Schirme, Zelte, Stehtische, Preise und die besten Plätze.

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30. November 2012, 10:47 Uhr

Flensburg | Sie nennen es "das Beduinenzelt". Ein etwas schiefes Bild zwar, leicht despektierlich zudem - doch einigen Beschickern des Flensburger Weihnachtsmarktes ist es ein Dorn im Auge. Der weiße Pavillon, der am Mittwoch am Anfang der Großen Straße in Verlängerung eines Punschstandes und in beträchtlicher Größe errichtet wurde, stößt auf wenig Gegenliebe bei denen, die sich für viel Geld eine der etwa 50 Holzhütten entlang der Großen Straße und des Holms gemietet haben und dort, wie es heißt, "nicht einmal einen Schirm aufstellen dürfen". Das sei vom Veranstalter des Weihnachtsmarktes, der Flensburg Fjord Tourismus Gesellschaft, vertraglich untersagt.
Gewünscht nämlich sei ein einheitliches Erscheinungsbild. "Das geht gar nicht", sagt etwa Fabian Pohlmann, der seinen Spezial-Kakao und andere Flüssigkeiten an der Großen Straße feilbietet. "Wenn wir hier schon um Kunden kämpfen müssen, dann mit fairen Mitteln." Er fordert: "Gleiche Vorgaben für alle!" Auch Bosko Cucic wünscht sich einen Schirm. "Aber ich darf ja nicht", bedauert er. "Und bei Regen schwimmen mir die Kunden weg."

Standgebühren machen 10 bis 15 Prozent des Umsatzes aus

Immerhin hat Cucic seinen Stand am Holm. Ein Segen. Denn hier sind die Umsätze weitaus höher als an Großer Straße und Nordermarkt. Freilich auch die Standmieten. Bis zu 6000 Euro werden für die Zeit bis zum 31. Dezember fällig; hinzu kommen täglich 22 Euro für eine Dreimeterhütte, Strom- und Wasserversorgung sowie eine Pauschale für die Weihnachtsbeleuchtung. "Zu teuer", wie Dieter Nimmrich ("Beste Stuuv") findet. Zum Vergleich: Die Höchstmiete für eine Standfläche am Südermarkt beträgt 4750 Euro, an der Großen Straße und am Nordermarkt 3100 Euro plus Nebenkosten. Aber der Gastronom ist zufrieden, sein Punsch verkauft sich gut. Letztlich dürfte sich das Geschäft für jeden lohnen. "Sonst wäre er wohl kaum dabei", sagt Tourismus-Chef Finn Jensen.
Die Preisgestaltung sei so gestrickt, dass die Gebühren lediglich 10 bis 15 Prozent des Umsatzes ausmachten. Und wer damit nicht zufrieden sei, möge sich - bitteschön! - bei ihm beschweren. Auch der Vorwurf, die Standverteilung sei reine Willkür, ficht ihn nicht an. Zunächst einmal, so Jensen, würden ortsansässige Wirte bevorzugt behandelt. Weitere Parameter seien Zuverlässigkeit, Zahlungsmoral und Qualität des Angebots.
Kein gutes Zeugnis für Michael Pohlmann? Er kann immerhin in die Waagschale werfen, ein Flensburger zu sein. Dennoch: "16 Mal", so führt er Klage, "habe ich mich für Holm und Südermarkt beworben, 15 Mal bin ich an der Großen Straße gelandet." Somit plädiere er für ein Rotationsprinzip. Während er über sein Schicksal lamentiert, haben seine Nachbarn das "Beduinenzelt" hochgezogen und Stehtische platziert. Und das, stellt Finn Jensen klar, sei völlig in Ordnung. Die Suppe, wählt er eine Metapher, werde immer dünner, je weiter man von Süder- gen Nordermarkt komme. "Da wollen wir der Großen Straße ruhig ein paar Freiheiten gönnen."

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