St. Nikolai Flensburg : Zimmer im sanierten Altbau frei

Imposanter Ausblick: Martje (10) begutachtet die Falkennisthilfe im Kirchturm von St. Nikolai, im Hintergrund die AVS. Fotos: Dewanger
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Imposanter Ausblick: Martje (10) begutachtet die Falkennisthilfe im Kirchturm von St. Nikolai, im Hintergrund die AVS. Fotos: Dewanger

Naturschutzjugend und Kirchengemeinde wollen den Turmfalken zurückholen

Gunnar Dommasch von
14. Juni 2018, 06:23 Uhr

Viele Stufen führen in den Turm von St. Nikolai. Sehr viele. Steil geht es hinauf. Steinstufen, Holztreppen, zum Teil in bedrückender Enge. Doch der Aufstieg lohnt. Denn in 60 Meter Höhe entdeckt man eine kleine Höhle im Mauerwerk, in der ein selten gewordener Vogel heimisch werden soll.

Wohnraum ist knapp in Flensburg. Dem Vernehmen nach gilt das nicht nur für den Menschen, sondern auch für den Turmfalken. Einst hatte er hoch oben in der Kirche am Südermarkt sein Domizil. Ein Gerücht besagt, der Kunstflieger sei irgendwann nach Adelby ausgewandert. Mehr Natur, Ruhe und ein besseres Jagdrevier waren offenbar schlagende Argumente, um einen Umzug in Erwägung zu ziehen.

Pastor Marcus Friedrich will den Falken nun wieder zurückholen. „Zu einer Offenen Kirche“, so findet er, „gehören auch bedrohte Arten.“ Auch die Dohle – gleichwohl nicht der beliebteste aller Vögel – zählt dazu; sie steht auf der Roten Liste und soll ebenfalls einfließen in das Projekt „Artenfreundlicher Kirchturm“. Die ersten Jungvögel sind schon geschlüpft, sperren hungrig ihre Schnäbel auf.

„Auch die städtischen Räume“, ist der Pastor überzeugt, „müssen wir inzwischen als Biotope, als Schutzräume verstehen.“ Er verweist auf Fledermäuse, die einst im Kirchturm munter herumflatterten. Mangels Insekten ist das schon Vergangenheit. Auch der scheue Mauersegler wäre am Turm des Gotteshauses ein wieder gern gesehener Gast.

Friedrich nahm Anfang des Jahres Kontakt auf mit Hans-Peter Fokuhl, dem ehemaligen Leiter der (nomen est omen) Falkenberschule und aktuell in Diensten des Nabu für die pädagogische Arbeit zuständig. Der 67-Jährige betreut die Jugendgruppe (Naju) der Organisation, die sich derzeit im Aufbau befindet. „Ich finde es vorbildlich, wie sehr sein Herz immer noch für junge Menschen und deren Bildung brennt“, würdigt Pastor Friedrich den Einsatz des Pensionärs.

Die Naju-Kinder waren es schließlich, die den Vorschlag machten, einen Hohlraum hinter einem ehemaligen Rundfenster des mit bis zur Spitze 90 Meter höchsten Kirchturms der Stadt auszubauen, um den Falken wieder anzusiedeln. Er musste deutlich höher liegen als die Nester der Dohlen, um Streitigkeiten zwischen den Mietern zu vermeiden. Sie schafften die Nisthilfe heran, Küster Jochen Cordsen besorgte den Rest, dichtete die Höhle nach hinten mit einer Klappe ab und konstruierte sogar eine Startrampe, die von flügge gewordenen Jungfalken gern genutzt wird.

„Nun warten wir nur noch darauf, dass ein Falkenpärchen vorbeikommt, dem es hier gefällt“, hofft die zehnjährige Mia. Erstaunt war sie besonders darüber, dass die Jungen der Dohlen schon so groß geworden sind, während William (12) sich zunächst darüber wunderte, dass Vögel sich sogar in einer Kirche niederlassen. „Aber wenn man darüber nachdenkt, ist ja klar, dass hier die Höhe entscheidend ist, wo sich die Vögel sicher fühlen.“

Allen ist bewusst, dass es rund um den Südermarkt ein erhebliches Störungspotenzial gibt. Doch sie hoffen jetzt täglich auf den Anflug der ersten Mieter für die Einzimmer-Wohnung in frisch sanierter Altbausubstanz.

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