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Was will die Bevölkerung? : Ziel: Erhöhung der Lebensqualität

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sportverband und Stadt starten groß angelegte kommunale Sportentwicklungsplanung für Flensburg. 7000 Bürger werden befragt.

„Jetzt geht es los“, sagt Ingo Diedrichsen schon etwas aufgeregt. Schließlich hat er ein gewaltiges Sportprojekt angeschoben. Der Vorsitzende des Sportverbandes Flensburg (SVF) gehört mit seinem Stellvertreter Ingo Dewald sowie den Stadt- und Verwaltungsvertretern Jochen Haut, Ulrich Mahler und Dr. Wolfgang Sappert einer Lenkungsgruppe an, die eine groß angelegte kommunale Sportentwicklungsplanung für Flensburg voran treibt. Bis zum Ende des Jahres soll in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung (IKPS) aus Stuttgart eine Bestands- und Bedarfsanalyse für den Sport in der Fördestadt erstellt werden, um künftig effektiver und gerechter handeln zu können.

Häufig herrsche die Meinung, der Verein, der am lautesten schreie oder die besten Beziehungen zum Rathaus habe, erhalte zum Beispiel Zuschüsse für einen Kunstrasenplatz, sagt Ingo Dewald. „Das führt zu Unzufriedenheit in den Vereinen.“ Dieses Szenario werde es nach der Bedarfsanalyse nicht mehr geben, weil alle Flensburger ins Boot geholt werden. Natürlich sind die Vereine dabei, aber auch die Schulen und die Kindergärten. Alle erhalten in gut einem Monat Fragebögen zugeschickt, in denen sie ihre Bedürfnisse äußern können.

Zudem gibt es eine große repräsentative Bevölkerungsbefragung. Ab April gibt es vom Rathaus Post für 7000 Flensburger im Alter von zehn Jahren bis zu den Senioren. Anonym und online über einen Zugangscode (um Portokosten zu sparen) sollen die Auserwählten dann unter anderem beantworten, welche Disziplin sie betreiben, wie oft und wo sie Sport treiben oder warum sie nicht aktiv sind. „Wir hoffen, dass wir 60 bis 70 Prozent Rückläufer bekommen“, sagt Dr. Wolfgang Sappert. Die Bürgerbefragung ist allen Beteiligten ganz wichtig, da es nicht nur um den organisierten Sport in Flensburg geht. Es gibt viele Individualisten, die für sich Sport treiben – wie Jogger, Walker oder Radfahrer. Der Sportenwicklungsplan bindet auch den nicht organisierten Sport und alle Bewegungsräume mit ein – wie zum Beispiel Walking-Pfade oder Rundlaufwege. „Die wichtige Frage lautet: Was will die Bevölkerung?“, sagt Fachbereichsleiter Ulrich Mahler. Und Ingo Diedrichsen ergänzt: „Je mehr Menschen aus der Bevölkerung teilnehmen, desto größer ist die Akzeptanz.“

Die Bestands- und Bedarfsanalyse inklusive Auswertung der IKPS, die diese Planung schon für Frankfurt, Wolfsburg Rüsselsheim, Karlsruhe oder Elmshorn organisiert hat, ist nicht ganz billig, sie kostet 90  000 Euro. 20  000 Euro übernehmen die Clubs. Das sei in Anbetracht knapper Kassen keine Selbstverständlichkeit, sagt Diedrichsen. „Das ist ja kein Vereinsentwickslungsplan.“

Den großen Rest schaufelt die Stadt frei. Jochen Haut, Vorsitzender des Sportausschusses, und Ulrich Mahler sehen das Geld gut angelegt. „Die Mittel der Stadt sind begrenzt. Da ist es wichtig, dass sie richtig eingesetzt werden. Die Befragung werde dann Grundlage für Förderungsentscheidungen sein“, erklärt Mahler. Und Haut gebe es ein besseres Gefühl, wenn er sich für Mittel nach der Bedarfsanalyse einsetze.

Die Initiative ging vom Sportverband aus. Dietrichsen hatte bei einer Tagung des Landessportverbandes Blut geleckt. 2013 erhielt der SVF-Vorstand dann von seinen Mitgliedern den Auftrag, an die Politik heranzutreten. In der Stadt Flensburg gab es gleich offene Ohren. „Die Verwaltung ist dankbar, dass der Sport die Initiative ergriffen hat“, sagt Mahler. Und Diedrichsen ist überzeugt, „dass die politischen Entscheidungsträger nach der Auswertung die Mittel freigeben werden“. Das heißt allerdings nicht, dass Flensburg 2016 vier neue Kunstrasenplätze für die Fußballer erhält, wenn das ein Ergebnis der Bedarfsanalyse Ende des Jahres ist. „Man muss die finanzielle Lage der Kommune berücksichtigen“, sagt Ingo Dewald.

Trotzdem ziehen Stadt und Sportverband an einem Strang. Immerhin wollen alle eine Erhöhung der Lebensqualität in der Fördestadt. „Schon jetzt ist mehr als jeder zweite Flensburger sportlich aktiv“, betont Diedrichsen. 22  000 sind in Vereinen organisiert. „Mindestens noch einmal doppelt so viele treiben nicht organisiert Sport“, schätzt er. Ihnen allen soll die kommunale Sportentwicklungsplanung in der Fördestadt zu Gute kommen.

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