St. Nikolai in Flensburg : Ziegel statt Ton überm Gotteshaus

Blickfang für Passanten: Die Kirche am Südermarkt wird bis zum Herbst neu eingedeckt.
Blickfang für Passanten: Die Kirche am Südermarkt wird bis zum Herbst neu eingedeckt.

Stadtkirche St. Nikolai am Südermarkt erhält für 720 000 Euro ein neues Dach. Der Kirchenkreis Schleswig-Flensburg zahlt die Sanierung.

shz.de von
20. Mai 2015, 08:00 Uhr

Flensburg | Für Pastor Thomas Bornemann ist das, was derzeit am Südermarkt passiert, ein Jahrhundertprojekt. Seine Kirchengemeinde Sankt Nikolai lässt das Kirchendach neu eindecken – vollständig neu. Für 723  000 Euro erhält das Schiff (Hauptraum) der Stadtkirche neue Dachpfannen. Bornemann: „Ich finde es bewegend.“

Nach Ostern ist das Baugerüst an den Außenseiten des Kirchenschiffs aufgebaut, drinnen sind unter dem Dach Sicherheitsnetze gespannt worden. „Wir haben sehr ausführlich Stichproben genommen und geprüft“, sagt Helge Bruhn des Flensburger Architekturbüros Asmussen und Partner. Er und Bauingenieurin Mareike Strack betreuen das Projekt. Es sei jeder Balken auf seinen Zustand hin untersucht worden. „Wir wollten die Baukosten genau berechnen können“, erklärt Hans-Werner Struckmann, Architekt beim Kirchenkreis Schleswig-Flensburg. Das Ergebnis der Untersuchung: Einzelne Balken müssen ergänzt werden. Doch grundsätzlich seien die Hölzer von 1463 in erstaunlich gutem Zustand, lobt Bruhn und gab bereits Entwarnung: „Es gibt keinen Schwamm unter dem Kirchendach.“

Auf einer Fläche von 2200 Quadratmetern nehmen Dachdecker die alten Hohlpfannen auf. Die Tonpfannen werden durch Hohlfalzziegel ersetzt. Die hätten den Vorteil, nicht vermörtelt werden zu müssen, erklärt Strack. Ein sehr viel wartungsärmeres Verfahren. Für Dachdecker-Vorarbeiter Walerij Schröder ist ein altes Dach nichts Neues, wohl aber eines in solcher Größe.

Das Dach bleibt in seiner leicht geschwungenen Form erhalten. An einzelnen Stellen muss ein wenig geglättet werden, da die neuen Ziegel Strack zufolge eine recht gleichmäßige Grundlage brauchen.

Mittel vom Denkmalschutz oder Stiftungen gibt es nicht. Die 723  000 Euro stammen nach Auskunft Bornemanns ausschließlich vom Kirchenkreis Schleswig-Flensburg: „Damit beteiligen sich alle Gemeinden des Kirchenkreises an der Sanierung, worüber wir sehr, sehr dankbar sind.“ Die Baukosten wolle die Kirchengemeinde deshalb unbedingt einhalten.

Das Dach hatte Stürme wie Christian noch recht gut überstanden. Der Sturm in diesem Frühjahr riss allerdings Löcher in die Nordseite, was nach Aussage Bornemanns den Ausschlag für die Sanierung gab.

Völlig sturmerprobt dreht sich indes der Wetterhahn seit 30 Jahren nach dem Wind. So lange zurück liegt die Untersuchung zuvor. Dem Rat der Fachleute folgend, will der Hausherr dem güldenen Gockel doch einmal genauer aufs Haupt schauen lassen. „So leicht kommen Sie nicht wieder dort hinauf“, sagt Bruhn und blickt zum Gerüst. Dort hinauf wird sich in den nächsten Tagen der Kunstschmiedeschlosser begeben und dem Windspiel zu Leibe rücken.

Im Herbst wollen die Architekten die Dachsanierung abschließen. Den Sommer über dürfte es am Südermarkt immer etwas zu bestaunen geben.

Der Bau der St. Nikolaikirche begann 1390. Das West-Ost-ausgerichtete Gotteshaus wurde 1470 fertig, damals noch ohne Turm. Das Gebäude war in den acht Jahrzehnten an die Vorgängerkirche herangebaut worden. Deshalb stammt der Dachstuhl des Schiffs vermutlich erst aus den Endjahren der Bauzeit, also aus dem Jahr 1463.

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