Tödliche Messerstiche in Weding : Zeuge spielt im Landgericht eine brisante Sprachnachricht des Angeklagten vor

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Denny W. beim Prozessauftakt mit seiner Verteidigerin im Landgericht Flensburg. Aus Pandemieschutzgründen findet die Verhandlung inzwischen in der Akademie Sankelmark statt.
Denny W. beim Prozessauftakt mit seiner Verteidigerin im Landgericht Flensburg. Aus Pandemieschutzgründen findet die Verhandlung inzwischen in der Akademie Sankelmark statt.

Inzwischen steht auch fest, dass Denny W. und nicht das Opfer der Vater des Kindes ist.

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22. März 2021, 17:37 Uhr

Sankelmark/Weding | Es ist ein Geflecht aus Lügen, Gewalt und einer folgenschweren Liebesaffäre, das sich im vergangenen Jahr in der Schulstraße in Weding abspielte. Hätte einer der gut informierten Nachbarn früher geredet, wäre es zu den tödlichen Messerstichen am 2. September 2020 wohl gar nicht gekommen.

Am dritten Verhandlungstag im Totschlagsprozess gegen Denny W. (36) stand am Montag die Aussage der Ex-Frau des Getöteten Michael S. (44) im Mittelpunkt. Ihn soll der Angeklagte am Tattag mit einem Messer auf offener Straße erstochen haben.

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Die Zeugin und Denny W. haben gemeinsam, dass sie beide von ihren Partnern betrogen wurden. Die Ex-Freundin des Angeklagten hatte eine Liebesbeziehung zum Ex-Mann der Zeugin. Während die Affäre in der Nachbarschaft anscheinend ein offenes Geheimnis waren, erfuhren die Betrogenen erst kurz vor der Tat davon.

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Besonders die Ex-Freundin von Denny W., die bisher noch keine Aussage gemacht hat, kam in der Verhandlung am Montag nicht gut weg. Sie habe sie als sehr gute Freundin angesehen, berichtete die Zeugin. Im Frühjahr des vergangenen Jahres hatte sich Michael S. – genannte Middel – von ihr nach mehr als 17 Jahren Beziehung getrennt. Die Zeugin wusste, dass eine andere Frau im Spiel war.

Trost suchte sie ausgerechnet bei der damaligen Freundin des Angeklagten. „Sie hat mir sogar noch Tipps gegeben und hat mir geraten, ihn mal zu verführen.“

„Die perfekte Affäre“

Im Laufe des Jahres verdichteten sich die Hinweise, dass sie die Affäre ihres Mannes war. Als die Zeugin Michael S. zur Rede stellte, schwieg dieser. Auch ihre Freundin leugnete das Verhältnis. „Ich konnte das nicht fassen. Ich dachte immer, sie macht so etwas nicht. Die haben so gut gespielt. Es war die perfekte Affäre.“

Erst bei einer Geburtsfeier wenige Tage vor der Tat erfuhr sie von einem Nachbarn, dass dieser Michael S. und die Freundin von Denny W. knutschend in einem Auto am Strand von Wassersleben gesehen hatte. „Alle in der Nachbarschaft wussten Bescheid“, so die Zeugin.

Vaterschaftstest

Denny W. soll laut bisherigen Erkenntnissen erst am 2. September 2020 von seiner damals hochschwangeren Ex-Freundin erfahren haben, dass diese nun mit Michael S. zusammen war. Eine Woche zuvor hatte sie die Beziehung zu Denny W. beendet. Fest steht inzwischen, dass das Kind von dem Angeklagten stammt. Es wurde ein Vaterschaftstest gemacht, da die Affäre mit Michael S. bereits seit Februar 2020 gelaufen sein soll.

In ihrer Aussage berichtete die Zeugin, dass Michael S. ihr gegenüber in der Beziehung „ein, zwei Mal“ aggressiv wurde. „Aber nur, wenn es ihm nicht gut ging. Dieser Mann hat nur Ärger gehabt. Ich liebe ihn immer noch. Er war ein unbeschreiblich toller Mensch.“ Auch gegenüber der älteren Tochter der Zeugin soll das spätere Opfer gewalttätig geworden sein.

Brisante Sprachmemo

Der Mann der Schwester der Ex-Freundin von Denny W. sagte am Montag ebenfalls aus. Er hatte ein gutes Verhältnis zu dem Angeklagten und wusste frühzeitig von der Affäre zwischen der heutigen Ex-Freundin des Angeklagten und dem Verstorbenen.

„Hätte ich ihm (Anm. d. Red.: Denny W.) damals ein paar Informationen mehr gegeben, wäre es vielleicht nicht dazu gekommen“, berichtete der Zeuge aus einem Gespräch im Februar 2020. Im Gericht spielte er eine Sprachnachricht vor, die ihm Denny W. kurz vor der Tat schickte.

„Wir treffen uns jetzt und schlagen uns richtig schön die Fresse ein. Ich werde den Macker jetzt umlegen“, teilte Denny W. in dieser kurz und knapp mit.

Merkwürdiges Gespräch an Silvester

Der Zeuge erklärte, dass der Angeklagte alles für seine Freundin getan habe. „Es kam öfter zum Ausdruck, dass sie keine Lust auf diese Beziehung hatte.“ Sie habe das Engagement von Denny W. nicht zu würdigen gewusst. Die Zeugin sah es ähnlich: „Denny durfte gar nichts, sie hat ihn untergebuttert.“

Bereits vor mehreren Jahren habe es an Silvester eine merkwürdige Begegnung mit der Ex-Freundin von Denny W. gegeben. Dieser lag zu diesem Zeitpunkt bereits im Bett. Die Zeugin und Michael S. kamen auf ein Getränk in die Wohnung der jungen Frau. „Sie sagte dann zu meinem Lebensgefährten, dass man auch ein Quickie machen könnte.“

Hakenkreuze auf T-Shirt

Erneut wurde in dem Verfahren auch die politische Gesinnung von Denny W. thematisiert. Ein Arbeitskollege ordnete den Angeklagten in der Mitte ein, erklärte jedoch im gleichen Atemzug, dass dieser T-Shirts mit Hakenkreuzen trug. „Würden sie ernsthaft sagen, dass jemand mit einem Hakenkreuz auf dem T-Shirt in der politischen Mitte steht?“, entgegnete ihm der Richter entsetzt. Auch bei Michael S. soll es rechte Tendenzen gegeben haben.

Der Prozess an der Akademie Sankelmark wird am Montag, 29. März, um 9.15 Uhr fortgesetzt. Die mit Spannung erwartete Aussage der Ex-Freundin von Denny W. findet voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Richter hat angekündigt, im Prozessverlauf noch weitere Sprachnachrichten vorspielen zu wollen.

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