Prozess : Zerstörungswut in der Tiefgarage

Wahllos Autos beschädigt: In dieser Tiefgarage  tobten sich die Täter in der Nacht zu gestern aus.
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Wahllos Autos beschädigt: In dieser Tiefgarage tobten sich die Täter in einer November-Nacht 2013 aus.

Zivilprozess vor dem Amtsgericht: Hat eine Frau aus Harrislee 55 000 Euro Schaden angerichtet? Rache als mögliches Motiv

shz.de von
25. Juni 2014, 07:04 Uhr

Der Fall hatte einiges Aufsehen erregt in Harrislee – und sogar den Verfassungsschutz auf den Plan gerufen. In der Nacht vom 3. auf den 4. November letzten Jahres wurden, wie die Polizei seinerzeit ermittelte, mindestens 30 Autos in einer Tiefgarage und anliegenden Stellplätzen am Fördebogen mit einem scharfen Gegenstand zerkratzt. Scheinbar wahllos. Die unter Jugendlichen vermuteten Täter hätten in sinnloser Zerstörungswut reihenweise den Lack der Karosserien eingeritzt, teils Hakenkreuze hinterlassen. Nach Tageblatt-Informationen geht man von einem Gesamtschaden von 55 000 Euro aus – 24 Fälle sind angezeigt.

Nun ist es eine ältere Harrisleerin, gegen die strafrechtlich ermittelt wird. Gestern musste sie sich zudem zivilrechtlich verantworten. Kläger G. fordert Schadenersatz in Höhe von 2800 Euro. Sein auf dem Parkdeck in Wassersleben abgestellter silberner VW Bora ist eines der betroffenen Fahrzeuge. Alle vier Türen, wirft er C. vor, waren zerkratzt, Nazi-Symbole auf Motorhaube, Heckklappe und Dach. Die Angeklagte bestreitet das. „Sie hat damit nichts zu tun“, sagt ihr Anwalt Jan Smollich; insofern sei eine vom Richter angestrebte gütliche Regelung nicht möglich.

Die vom Kläger benannte Zeugin A. soll Licht in das Dunkel bringen. Und sie erweist sich für ihre Nachbarin C. als schwere Belastungszeugin. Die 56-Jährige schildert eine Begegnung in der Waschküche des Mehrfamilienhauses, in dessen Verlauf sich beide über die mögliche Ursache der Taten austauschten. Man habe gemutmaßt, dass es keinen rechtsradikalen Hintergrund gebe. „Das war nämlich ich“, habe die „euphorisch wirkende“ C. gesagt. Man könne ihr allerdings nichts nachweisen, da sie für den fraglichen Zeitpunkt ein Alibi und zudem Handschuhe getragen habe. Abschließend habe sie um zwei Bogen Briefpapier gebeten, um, so die Zeugin, „Drohbriefe zu schreiben“.

In diesem Zusammenhang habe C. berichtet, den Wagen eines Bistro-Betreibers mit Obszönitäten und dem Wort „Steuerhinterzieher“ verunstaltet und später seinen Leihwagen „platt gemacht“ zu haben. „Ich sehe so harmlos aus, das traut mir keiner zu“, soll sie laut Zeugin gesagt haben. Angeblich, so will A. wissen, habe sie ihren Führerschein verloren, nachdem sie sich eines Tages alkoholisiert ans Steuer gesetzt habe und aus Bistro-Kreisen die Polizei gerufen worden sei.

Ein Racheakt also? Ein zweiter Zeuge sagte aus, er habe C. an dem betreffenden Sonntag gegen 21.45 Uhr auf dem Parkdeck zwischen zwei Autos stehen sehen. Zuvor sei ein „metallisches Geräusch“ zu hören gewesen. Dann sei sie auf ihn zugekommen und habe gesagt: „Alle, die mir quer kommen, mach’ ich fertig.“ Sie sei „nett gekleidet, aber komplett negativ drauf gewesen“. Auch habe sie zu ihm, einem Dänen, gesagt: „Alle Ausländer raus.“

Zweimal soll sie den Hund des Zeugen zu sich gerufen haben, zweimal habe dieser laut aufgejault. „Da habe ich gemerkt, sie hat ihn gekniffen, sie hat ihn gequält.“


>Der Prozess wird am 28.8. um 9 Uhr fortgesetzt

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