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Sörup : Zerreißprobe für Heimatverein Angeln

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Streit über Umfang der Rechnungsprüfung und die Verquickung von Ehrenamt und geschäftlichen Interessen eskaliert.

Sörup | Es gibt mächtig Ärger beim Heimatverein der Landschaft Angeln. Der 1929 gegründete Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kenntnis der geschichtlichen und kulturellen Entwicklung der Landschaft Angeln zu fördern und zu vertiefen, wie es in der Satzung heißt. Die knapp 3000 Mitglieder beschäftigen sich dafür nicht nur mit der Vergangenheit, sondern mischen sich auch in aktuelle Themen ein – wie zum Beispiel den Abbau von Pfarrstellen und den Ausbau des schnellen Internets. Der Verein bietet eine Vielzahl von Arbeitsgemeinschaften an, beschäftigt sich mit der Geschichte, Baukultur, Botanik, plattdeutscher Sprache und unterstützt die Arbeit von örtlichen Chroniken. Zu den herausragenden Projekten des Heimatvereins gehört das jährlich erscheinende Jahrbuch, an dessen Erstellung sich nun ein heftiger Streit entzündet hat. In dem ist von Postengeschacher, Geld und persönlichen Beleidigungen die Rede. „Ich mache mit große Sorgen um das Ehrenamt, das unseren Verein groß gemacht hat“, sagt der Ehrenvorsitzende und ehemalige Schriftleiter Bertold Hamer.

Im vergangenen Jahr hatte Hamer auf einer Mitgliederversammlung angeregt, die Rechnungsprüfer sollten nicht nur prüfen, ob die Buchführung und die Belege in Ordnung sind, sondern auch Aussagen über die Verwendung der Mitgliedsbeiträge treffen. Daraufhin wurde Hamer selbst zu einem von zwei Prüfern gewählt. Doch es zeigte sich schnell, dass die beiden ehrenamtlichen Kassenprüfer nicht auf einen Nenner kommen würden. Und deshalb wurden der jüngsten Mitgliederversammlung letztlich zwei Revisionsberichte verlesen.

Weil er wenige Stunden vor der Veranstaltung ins Krankenhaus eingeliefert wurde, konnte Berthold Hamer seine Sicht der Dinge nicht selbst vortragen, das übernahm Bernhard Asmussen, ebenfalls Ehrenmitglied und ehemaliger Vorsitzender des Vereins. In dem Bericht wurde dargestellt, dass zwei Vorstandsmitglieder auch geschäftlich mit dem Verein verbunden sind. So soll der stellvertretende Vorsitzende Heinrich Nissen als Geschäftsführer der Wittkiel-Gruppe für Personal- und Sachleistungen 3500 Euro vom Heimatverein bezogen haben. Darüber hinaus, so Hamer, erhalte die stellvertretende Schriftleiterin Petra Thomsen 4200 Euro für das Korrekturlesen, Layout, Satz und Umbruch des Jahrbuches. Zum Vergleich verweist Hamer darauf, dass ein Schriftleiter 700 Euro als Sachkosten-Entschädigung erhalte.

4200 Euro sei viel Geld, schreibt Hamer in seiner Bewertung und verweist auf die Satzung des Vereins, in der es heißt, dass der Vorstand ehrenamtlich arbeitet („freiwillig und unentgeltlich“) und darüber hinaus keine Person durch unverhältnismäßig hohe Vergütung begünstigt werden dürfe.

Hamer gibt zu bedenken, wie fleißige Ehrenamtler reagieren könnten, die über Jahre große Schreibarbeit erbracht haben. Jahrbuch-Autoren wurden seit ewigen Zeiten mit 5 Euro für jede angefangene Seite honoriert. Für die druckreife Bearbeitung zahle der Verein jedoch nun 15 Euro je Seite. „Für das Ansehen und Wohlergehen unseres Vereins müssen wir das Ehrenamt hochhalten“, lautet Hamers Schlussbemerkung.

Wenige Tage nach der Veranstaltung erhielt der Vereinsvorsitzende Eduard Büll einen empörten Brief von seinem Vorgänger Bernhard Asmussen, in dem dieser „rüde und unverschämte Angriffe“ während der Versammlung anprangert und schweres Geschütz auffährt: Der Vorstand habe sich anscheinend zum Ziel gesetzt, den Heimatgedanken und den Heimatverein geschäftsmäßig auf Kosten des Ehrenamtes zu vermarkten. „Wer ein Ehrenamt des Geldes wegen übernimmt, sollte schleunigst verschwinden“, schreibt er.

Dass die Entlastung des Vorstandes letztlich ohne Aussprache erfolgte, die Kritikpunkte „abgebügelt“ worden seien und die sofortige Abwahl des Prüfer gefordert worden sei, spreche Bände über den Zustand des Heimatvereins. Asmussen forderte den Verein auf, die in der Satzung ausdrücklich untersagte Verquickung von Vorstandsämtern mit gewerblichen Interessen unverzüglich zu unterbinden.

In einem Gespräch wehrten sich der Vorsitzende Büll, sein Stellvertreter Heinrich Nissen und Beirat Detlev Schumacher, der auch als Anwalt auftrat, vehement gegen die Vorwürfe. Zunächst formal: In einem Brief an Bernhard Asmussen stellt der Vorstand klar, dass Hamer gar nicht berechtigt gewesen sei, sämtliche Geschäftsvorgänge des Heimatvereins zu prüfen. Das gelte auch für die Frage, ob bestimmte Ausgaben mit der Satzung in Einklang stehen. Der Prüfauftrag werde durch die „Vereinsübung“ bestimmt – durch die Praxis der Vergangenheit. Und da seien schon immer nur Belege und Rechnungen geprüft worden. Deshalb spreche die Satzung des Vereins auch nicht von Revisoren, sondern von Rechnungsprüfern.

Persönlich fühlen sich der Vorsitzende und sein Stellvertreter durch die Kritik massiv und zu Unrecht angegriffen. „Ich kann jeden Cent unserer Ausgaben verantworten“, erklärte Eduard Büll. Heinrich Nissen ging ins Detail: „Ich bin viele Stunden ehrenamtlich für den Verein tätig und bringe auch etliche Ideen ein. Wenn es aber darum geht, dass mein Unternehmen Flyer druckt, muss das bezahlt werden.“ Für jeden Auftrag würden zunächst Angebote eingeholt. Mache er selbst als Chef der Wittkiel-Gruppe ein Angebot, sei er selbstverständlich an der Entscheidung nicht beteiligt.

Auch die Bezahlung der stellvertretenden Schriftleiterin sei vollkommen in Ordnung. „Sie liefert druckfertige Seiten ab – und hat damit Aufgaben übernommen, die auch zuvor schon bezahlt werden mussten“, erklärt Nissen und verweist unter anderem auf den Satz – die vollständige Fertigstellung der druckreifen Seiten, der bisher immer gemeinsam mit dem Druckauftrag vergeben worden seien.

Niemand betreibe sein Ehrenamt des Geldes wegen, versichern die Vorstandsmitglieder – und auch das Ehrenamt sei nicht in Gefahr. „Wir sind alle mit vollem Engagement und Herzblut ehrenamtlich dabei“, sagt Heinrich Nissen. Er wies allerdings auch auf Veränderungen im Verein hin, die für einige Mitglieder offensichtlich schwer nachvollziehbar seien. „Wir haben das Jahrbuch qualitativ hochwertiger gestaltet und betreiben offensiv und erfolgreich mit neuen Methoden Mitgliederwerbung.“

„Über die Kritik von Berthold Hamer wollen und werden wir sprechen. Die Mitgliederversammlung aber war dafür der falsche Zeitpunkt“, sagte der Vorsitzende. Das hätten auch die Mitglieder so gesehen, die dem Antrag auf Entlastung des Vorstands ohne Aussprache, mehrheitlich zugestimmt hätten. Die Kritiker seinen zu einem klärenden Gespräch eingeladen werden, so Büll. „Die Sache ist eskaliert, es ist eine schwierige Situation. Wir hoffen aber, das alles doch noch einvernehmlich regeln zu können.“

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erstellt am 18.Mai.2017 | 07:01 Uhr

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