Schwerelos über Flensburg : Zeppelin im Anflug

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Am Sonntag und Montag hebt das moderne Luftschiff in Flensburg ab – und es gibt noch freie Plätze ab Flugplatz Schäferhaus

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19. September 2017, 07:31 Uhr

Warum sollte ausgerechnet ein Luftschiff ungeschoren davonkommen? Sturm „Sebastian“ hatte auch den Zeitplan des Zeppelins NT gehörig durcheinander gewirbelt. Ganze vier Tage verzögerte sich der Start der Tour von Friedrichshafen am Bodensee, wo das Aufsehen erregende Luftschiff beheimatet ist, in Richtung Neumünster. Dort wurde es im Rahmen der Messe Nordbau eingesetzt, um anschließend Wissenschaftlern als fliegende Forschungsplattform über der Elbe und Nordsee zu dienen. Der große Vorteil: Es kann über 30 Stunden lang auf einem Platz verharren.

Nachdem der Zeppelin am Wochenende schon auf der Insel Sylt zu erleben war, wird es am nächsten Sonntag und Montag in Flensburg Gelegenheit geben, mitzufliegen. Und wer nicht will, schaut einfach mal nach oben. „Auch ein Blick lohnt sich schon“, sagen unisono Elinor Kaempfe (73) und Roy Freiherr von Koenig (69), an der Förde lebende Urenkel des Grafen, der mit vollem Namen Ferdinand Adolf Heinrich August von Zeppelin hieß.

Die Geschwister haben es geschafft, die Attraktion nach Flensburg zu holen. Aus gegebenem Anlass sind sie in der Materie zu Hause und haben die Entwicklung, die von dem Flensburger Pionier Hugo Eckener perfektioniert wurde, immer mit Enthusiasmus verfolgt. Und so wissen sie auch Antwort auf eine oft gestellte Frage: Fliegt ein Zeppelin eigentlich – oder fährt er? „Die Luftschiffe alter Bauart fuhren“, erläutert Roy von Koenig. „Das Auf und Ab wurde durch Ablassen von Gas oder Wasserballast bewirkt. Die Motoren waren nur für den Vortrieb zuständig.“ Moderne Zeppeline wie der NT („Neue Technik“), befüllt mit Helium statt Wasserstoff, verfügen über drei aktive, verstellbare Propeller, welche die 9,6 Tonnen nach oben tragen oder nach unten drücken. „Beim Start“, sagt der Experte, „hebt er ab wie ein Hubschrauber.“

Vor genau 20 Jahren, am 18. September, ist der NT das erste Mal in die Luft gegangen, seitdem hat er 250  000 Passagiere transportiert. „Und noch nie ist etwas passiert. Er ist das sicherste Verkehrsmittel der Welt“, sagt Roy von Koenig mit Nachdruck. Die Mutter des Geschwisterpaares, Alexa Baronin von Koenig-Warthausen, geboren 1911, hätte die Jungfernfahrt zu gern persönlich miterlebt. „Sie war an dem Thema hochinteressiert“, sagt Elinor Kaempfe. Doch es war ihr nicht vergönnt. Sie starb wenige Wochen zuvor, am 5. August 1997.

Dem kollektiven Gedächtnis ist weiterhin zu entnehmen, dass Alexa im zarten Kindesalter von ihrem Großvater immer eine Tafel Schokolade erhielt – damals Mangelware und heiß begehrt. „Sie durfte sich dann immer auf den Schoß des Grafen setzen – aber betteln durfte sie nie.“

Nach dem ersten Tageblatt-Bericht vor zwei Monaten über den bevorstehenden Flug des Zeppelins ab Flugplatz Schäferhaus waren die Karten binnen Stunden vergriffen. Aufgrund des großen Andrangs sind noch gut 20 Plätze für das geräusch- und schwerelose Vergnügen am Montag, 25. September, zwischen 9 und 13 Uhr zu vergeben. Ein Flug dauert 40 Minuten, es gibt zwei unterschiedliche Routen und einen fliegenden Wechsel.

Am Sonntag um 11 Uhr ist auch Roy von Koenig an Bord: „Dann werde ich“, so der Nachfahre des großen Erfinders, „mit dem Original-Fernglas meines Urgroßvaters Flensburg von oben betrachten.“


Tickets gibt es ab sofort über die Telefonnummer 07541-59000 bei der Zentrale der Deutschen Zeppelin-Reederei. Sie kosten 365 Euro, für Kinder gibt es 20 Prozent Rabatt.

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