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Geschichte in Flensburg : Zeitreise durch die junge Handelsstadt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neue Stadtführung der Touristinformation „Ochsen, Salz und Zuckerrohr“ / Idyllische Höfe erinnern an den einstigen Reichtum der Kaufleute

shz.de von
erstellt am 31.Jul.2017 | 06:11 Uhr

„Noch jetzt hat die Stadt das Gesicht der Zeit, als hier mit Zuckerrohr gehandelt wurde“, legt Waltraud Rasche-Kjällman temperamentvoll- kundig los. Treffpunkt für die von der Touristinformation neu ins Repertoire aufgenommene, rund zweistündige Stadtführung ist der Südermarkt. Unter dem Titel „Ochsen, Salz und Zuckerrohr“ nimmt die Gästeführerin Interessierte mit auf eine spannende Zeitreise zu Flensburgs Anfängen des Handels, als Bauern von ihren Karren aus auf dem Markt Korn und Gemüse verkauften, als Viehtreiber ganze Ochsenherden durch das Nordertor in die mittelalterliche Stadt trieben. An zwei sich kreuzenden Handelswegen, dem Ochsenweg zwischen dem dänischen Viborg im Norden und Wedel im Süden, sowie der historischen West-Ost-Strecke zwischen Friesland und Angeln, der Friesischen und der Angelburger Straße, lag die Furt über den Mühlenstrom. Dort, im heutigen Johannisviertel, entstand Flensburgs erster kleiner Handelsplatz.

„So, jetzt ziehen wir die Gummistiefel an“, sagt Rasche-Kjällman verschmitzt, als es bei C&A, am Fuß des eiszeitlich geformten Moränenrings, vorbei am Platz der einstigen Stadtmühle, über die belebte Straße und imaginäre Furt geht: „Was Sie heute als Straßenlärm hören, war früher das Rauschen des Wassers“. Eine historische Karte zeigt, wie weit ins Landesinnere die Förde noch um 1500 reichte. An der Süderfischerstraße siedelten erste Flensburger. Hier war die Förde zum Be- und Entladen der Boote nah. Lauschig plätschert eine der vielen Quellen der Stadt, während Rasche-Kjällman die Zeit des Heringsfangs an der südschwedischen Küste, des Handels weit bis Riga und die Bedeutung des Salzes zum Konservieren beschreibt.

„Flensburg hat immer vom Zwischenhandel gelebt“, erzählt sie angesichts des sich drehenden Wasserrades an den Süderhofenden, während an diesem Sommertag immer wieder Spritzer des frechen Spuckbrunnens erfrischen. Kurz tauchen wir ein in die Zeit der Industrialisierung um 1850: „Der dänische König gibt England die Konzession, eine Bahnlinie von Flensburg nach Tönning zu bauen“. Ochsen wurden für England verschifft, von dort Kohlen für die Eisengießereien hierher transportiert. Rasche-Kjällman berichtet von der einstigen englischen Brücke mitten im Hafen, die das Be- und Entladen direkt von der Bahn auf Schiffe ermöglichte.

Ein paar Ecken weiter, Holm 19/21, umfängt die Teilnehmer ein aus Flensburger Blütezeiten wunderbar komplett erhaltener prächtiger Backsteinhof aus dem 16. Jahrhundert. An der heutigen Rathausstraße, auf neutralem Terrain zwischen St.Nikolai und St. Marien, lag einst der Thingplatz. Lebendig erzählt die Stadtführerin von den Flensburger Großkaufleuten, die sich unter dem Schutz des Königs in der Knudsgilde zusammen schlossen. „Hätte Flensburg nicht im dänischen Bereich gelegen, wäre es bestimmt Mitglied der Hanse gewesen“, heißt es zur 200 Schiffe starken Flensburger Handelsflotte, die Kopenhagen in den Schatten stellte.

Von der Speicherlinie geht es am hohen Christiansenspeicher aus der Zeit des Westindienhandels vorbei auf verschlungenen Pfaden in die Idylle des Brasseriehofes. Kopfsteinpflaster und schwankende Rosen vor Fachwerk verströmen ihren Zauber. Über die Große Straße folgt ein Hof-Abstecher, in dem träumerische Stille den Besucher umfängt: Liebevoll bunt sind die historischen Häuser gestrichen, Stockrosen blühen, vor seiner Haustür genießt ein junger Mann die Sonne. Nicht immer hatten es die Menschen hier leicht. Beredt erzählt die Gästeführerin von der schweren Arbeit des Zuckersiedens, die in diesem Hof angesiedelt war.

Weiter geht es über den gastronomisch pulsierenden Nordermarkt, auf dem noch um 1500 Vieh gehandelt wurde, so lange, bis die Flenburger den Dung nicht mehr vor ihrer Haustür haben wollten und die Herden den Ochsenmarkt westlich der Stadt ansteuern mussten. Am Schrangen vorbei, in dem die Bäcker und Schlachter ihre Ware anboten, zum Kompagnietor. Hier stand die Stadtwaage, hier war das Schiffergelag, hierher brachte der Brückenkieker die Nachricht von einlaufenden Schiffen. Bis zu drei Wochen durften die im Hafen liegen: „Dann wurden die Trosse gekappt“. Noch heute habe Flensburg über seinen Hafen Handelsverbindungen in die ganze Welt, berichtet Rasche-Kjällman. Aushängeschild der Stadt ist der historische Hafen mit den alten Schiffen, dem Schifffahrtsmuseum, der Museumswerft.

 


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