Dolleruper Destille : Zeichen der Verbundenheit

Außergewöhnliche Gäste aus den USA: Donald Flickinger und Manfred Weyrauch (Mitte vorn) mit den Musikern Tom Stancell, Tim Froncek, Gordon Lewis und Jordan Finn (hinten, v.l.).
Außergewöhnliche Gäste aus den USA: Donald Flickinger und Manfred Weyrauch (Mitte vorn) mit den Musikern Tom Stancell, Tim Froncek, Gordon Lewis und Jordan Finn (hinten, v.l.).

Eine Jam-Session der US-Band „Blue Lake Fine Arts Camp“ fand in der Dolleruper Destille statt.

shz.de von
05. Juni 2018, 14:00 Uhr

Die transatlantischen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA mögen gestört sein – die musikalischen sind es nicht. Das zeigte sich bei einer Jam Session der besonderen Art in der Dolleruper Destille. Dort sind solche musikalischen Treffen mit Jazz-Enthusiasten eigentlich nichts Neues. Doch diesmal waren außergewöhnliche Gäste da: Donald Flickinger, der Vizepräsident des „Blue Lake Fine Arts Camp“ im US-Staat Michigan, seine Frau Kaye sowie die Musiker Jordan Finn (Gitarre), Tim Froncek (Schlagzeug), Gordon Lewis (Kontrabass) und Tom Stancell (Saxophon).

Das 1966 am Blue Lake (Blauer See) gegründete Camp ist eine Sommerschule, in der sich junge Leute in verschiedenen Bereichen künstlerisch betätigen. Auf musikalischem Gebiet zählen dazu Orchester, Bands und Chöre. Diese gehen im Anschluss an intensive Probenphasen auf Konzertreisen nach Westeuropa, wobei die Teilnehmer immer privat untergebracht werden. Seit 25 Jahren kommt das Blue- Lake-Camp in unregelmäßigen Abständen auch nach Angeln, so wie im Juli 2017, als der Chor ein Konzert in der Grundhofer Kirche gab.

Als Dank für die Gastfreundschaft und Ausdruck der Verbundenheit, geht nun die Blue-Lake-Delegation auf eine Rundreise durch Norddeutschland mit sieben Stationen in zwölf Tagen. Dort nimmt sie an Jam Sessions und Workshops teil, gibt Konzerte und trifft sich mit letztjährigen Gasteltern. Die erste Station auf ihrer Tournee war Angeln. Nach einem Auftritt in der Walzenmühle in Flensburg folgte am Abend danach die Session in der Destille.

Bei der Begrüßung hob Manfred Weyrauch aus Dollerup, der von Beginn die Organisation vor Ort leitet, das Blue-Lake-Motto hervor: „Internationale Verständigung durch Musik“. Dieser Wahlspruch wurde anschließend hörbar: In einem ersten Teil stellten die vier amerikanischen Instrumentalisten, allesamt Berufsmusiker, unter Beweis, dass sie wahre Meister ihres Faches sind. In einem zweiten Teil zeigten die deutschen Kollegen, dass sie bestens mithalten konnten. Mit von der Partie waren Frowin Dittloff (Geige), Birga Görtz (Gesang), Gabriel Koeppen (Saxophon), Jörg Müller-Kern (Trompete), Jens Robbers (Keyboard), Matthias Schmidt (Gitarre), Kai Stemmler (Kontrabass), Jens Winkel (Gesang) und Mario Wissmann (Schlagzeug).

Im dritten und weitaus längsten Teil wurde dann in immer wechselnder Zusammensetzung gemeinsam gespielt und gesungen.

Alle Jazzer begeisterten das Publikum, das nicht am Zwischenapplaus sparte und die Musiker mit einem lang anhaltenden Schlussapplaus belohnte.

Neben ihrem musikalischen Dank war für Delegationsleiter Flickinger, einem früheren Musik-Professor, der noch als Dirigent tätig ist, und bei 18 Europatourneen eine Band geleitet hatte, auch der „Goodwill“-Gedanke wichtig. Er machte deutlich, dass Blue Lake trotz der großen Irritationen, die die Entscheidungen des US-Präsidenten gegenwärtig hervorrufen, nicht von seinem Motto ablasse. Die Abschottungspolitik seines Heimatlandes werde nicht von Dauer sein. Mit dem Satz „We will prevail“ („Wir werden uns durchsetzen“) war er sich sicher, dass nicht nur die Musik bei der internationalen Verständigung die Oberhand behalten wird.




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