Post in Flensburg : Zehn Tage keine Post? Wenn der Postmann nicht mehr klingelt

In letzter Zeit selten gesehen: Postzusteller am Briefkasten. Schuld sollen Personalumstellungen gewesen sein.
In letzter Zeit selten gesehen: Postzusteller am Briefkasten. Schuld sollen Personalumstellungen gewesen sein.

Verzögerungen in der Briefzustellung begründet die Deutsche Post mit neuen Beschäftigten und Krankheit – alle Bezirke seien nun wieder versorgt.

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23. September 2017, 06:45 Uhr

Flensburg | Zehn Tage keine Post? Nicht nur, wer per Brief wählt und will, dass seine Stimme zählt, wird nervös, wenn der Postmann gar nicht klingelt. Hans-Peter Christiansen (Name geändert) aus Jürgensby saß bis vor wenigen Tagen wie auf Kohlen, weil er sowohl Dokumente seiner Krankenkasse, Unterlagen für eine bevorstehende Reise als auch SG-Karten erwartete. „Ich bin genau genommen vom 4. bis zum 14. September ohne Post gewesen – und am Freitag, 15. September, erreichte ihn wieder Post. Manche auch doppelt, weil er bei den betreffenden Absendern nachgefragt hatte und diese ihre Briefe sicherheitshalber erneut auf den Weg brachten.

Auf dem Briefkopf des Reiseveranstalters war zum Beispiel der Stempel des 31. August zu lesen, berichtet Christiansen; in seinem Briefkasten landete das Material mehr als zwei Wochen danach. Dafür gleich zweimal. Die Handballtickets „waren abgestempelt am 8. September“ und eine Woche später in seinen Händen. Die Unterlagen der Krankenkasse seien, so rekonstruiert der Jürgensbyer, am 6. September bearbeitet worden. Am 7. September seien sie mit einem Vermerk des Logistikzentrums versehen, am 14. September abgestempelt worden und am Dienstag schließlich angekommen. „Ein Brief aus Hamburg unterwegs nach Flensburg vom 6. bis zum 19. September!“, staunt Hans-Peter Christiansen.

Ein ähnliches Post-Problem, erinnert er sich, sei vor drei Jahren schon einmal aufgetaucht; den Zustand beschreibt er als „unmöglich – es sind einem die Hände praktisch gebunden.“

Seit Wochen gebe es keine Zustellung am Montag, daran „habe man sich schon gewöhnt“, sagt Mandy Reineke (Name geändert) aus Engelsby. Doch seit neuerem gelte dies auch für Freitag und Sonnabend, beklagt sie. „Die Zustellung ist immer öfter unregelmäßig.“ Sie wisse das so genau, weil sie seit drei Jahrzehnten freitags eine Zeitschrift beziehe. Reineke gibt zu bedenken, dass es sich schließlich um „wichtige Terminsachen wie Anwaltsschreiben und Zahlungsaufforderungen“ handeln könnte, was schlimmere Konsequenzen für die Empfänger hätte. „Das Porto wird ständig erhöht, aber die Zustellung immer schlechter“, kritisiert sie.

Eine Umfrage auf Facebook unter Flensburgern hat weitere Beschwerden über die Postzustellung ergeben, die vor allem die Gartenstadt und Weiche betreffen, ferner den Friesischen Berg und die Westliche Höhe. Hier würde die Tageszeitung nicht kommen und die Fernsehzeitung erst, wenn sie nicht mehr aktuell sei.

Mehrere Gartenstädter beobachten, dass die „Post nur sporadisch“ komme, manchmal gesammelt „mit einer Vielzahl von Abstempeldaten“. Auch betrage die Laufzeit häufig mehrere Tage. Der Postbote werde in Weiche lediglich zwei bis drei Mal in der Woche gesehen. Allein die Lieferung der „unnützen Werbung in der eingeschweißten Tüte“ klappt, meint einer flapsig.

Beunruhigte Briefwähler kann Jens-Uwe Hogardt aus der Pressestelle der Deutschen Post schon mal besänftigen: Den Wahlbriefen gelte hohe Aufmerksamkeit, jedoch „stellen sie uns nicht vor besondere Herausforderungen.“ Die Unregelmäßigkeiten in der letzten Zeit begründet Hogardt damit, „weil wir insbesondere in Flensburg sehr viele neue Kräfte gewinnen mussten.“ In der Anfangsphase sei nicht auszuschließen, dass es „örtliche, territoriale Probleme“ gegeben habe, „wo etwas nicht gefunden wurde.“ Für die Fluktuation selbst hat er keine Erklärung. Auch mit Krankheit habe man zu kämpfen gehabt; doch jetzt seien alle Zusteller „wieder an Bord“. Wie viele auf einen Bezirk kommen, kann Hogardt nicht beziffern. Der Post-Sprecher weist aber darauf hin, dass „Fehler nicht unbedingt vor Ort entstanden sein müssen.“ Nicht alle Briefsendungen seien nachvollziehbar; auch seien Mängel in der Logistikkette aufgetaucht. Jens-Uwe Hogardt erinnert sich an das Beispiel der ADAC-Mitgliederzeitschrift und weiß, dass es Verzögerungen zwischen Druck und Transport gegeben habe.

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