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Flensburg : Zehn Schiffe gegen die Auftragsflaute

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hochseeschlepper, Forschungsschiffe, RoRo-Fähren: Die Flensburger Schiffbau Gesellschaft steht vor einer Auftragswelle mit neuen technischen Herausforderungen. Zwei Hochleistungsschlepper für Offshore-Plattformen sollen das Interesse der Erdölkonzerne wecken.

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2014 | 08:15 Uhr

Flensburg | Wenn dieses Paket kommt, dürfte die gerade verkündete Kurzarbeit auf der Flensburger Werft wirklich nur eine Episode bleiben. Im Gespräch mit dem Flensburger Tageblatt nannten FSG-Geschäftsführer Peter Sierk und Vertriebsleiter Dirk Petersjohann Einzelheiten zu neuen unterschriftsreifen Bauaufträgen für die Flensburger Schiffbau Gesellschaft. Im Idealfall könnte die FSG in diesem Jahr Bauaufträge für 10 Schiffe an Land ziehen, die unterschiedlicher kaum sein können.

Dabei machen die beiden „kleinsten“ Schiffe den dicken Max. Die Flensburger werden zwei 95 Meter lange Hochseeschlepper bauen, die leistungsmäßig alles in den Schatten stellen, was je die Helling verließ und auch international zu den stärksten ihrer Art zählen werden. 24 000 kw (32 640 PS) leistet der Antrieb – und das werden die für weltweite Schlepp-Transporte entwickelten Kraftprotze auch brauchen. Sie sind noch nicht einmal auf Kiel gelegt, haben aber schon die erste Charter. Die Bohrplattform, die sie 2017 um den halben Globus schleppen werden, entsteht gerade auf einer koreanischen Werft – und natürlich sind Sierk und Petersjohann stolz, dass die asiatische Billigkonkurrenz nicht auch noch die passenden Schlepper zur Bohrplattform baut und der Kunde lieber den Flensburger Schiffbauern vertraut. Auch Sierk hat sich die Konkurrenz angesehen – um manche dieser Industrieanlagen zu überblicken, benötigt man einen Hubschrauber, sagt der FSG-Chef. Doch gerade, wenn es um Spezialschiffe geht, werde der kleinere deutsche Betrieb mit größerer Kundennähe interessant.

Das Paradebeispiel liegt vor der Haustür – das erste von zwei Seismik-Schiffen für die Londoner Western Geco. „Andere kaufen ein Kasko von der Stange und richten sich ein, so gut es geht“, sagt Sierk. Dieser Fall ist anders. „Dieses Schiff entwickeln unsere Ingenieure und die Ingenieure des Kunden gemeinsam.“ Und der ist ganz offenbar vom Konzept des maßgeschneiderten Schiffs überzeugt. Wohl kaum hätte er sonst jetzt die Optionskarte für den Bau vier weiterer Offshore-Schiffe gezogen. Und nicht ganz ohne Grund blicken die Flensburger der Ablieferung im April mit Spannung entgegen. „Dann gibt es seitens WesternGeco in London eine große Präsentation vor den großen Erdölkonzernen. Da blicken diese Leute natürlich auch auf uns.“

Ein australischer Transport-Riese schaut derweil schon länger nach Flensburg. Seit fünf Jahren besteht der Kontakt – jetzt zahlt er sich aus. Aus Melbourne kommt der Auftrag für zwei große moderne RoRo-Frachter, die sich in einem wesentlichen Detail von bekannten Serienschiffen unterscheiden werden. Der Antrieb wird nicht durch schwefelhaltiges Schweröl, sondern durch umweltfreundliches Flüssiggas befeuert, das in großen Wechselbatterien an Deck mitgeführt wird. Eine Weltpremiere in einem RoRo-Schiff dieser Größe und ein Ausrufezeichen für die FSG, die sich mit Blick auf immer schärfere Auflagen zur rechten Zeit auf dem Markt des umweltfreundlichen „Green Ship“ etabliert. Für die Werft aber auch ein Zeichen der Entspannung. „Vier Jahre wurden keine RoRo-Schiffe mehr gebaut. Der Markt war praktisch tot“, sagt Sierk. „Jetzt geht es langsam wieder los.“

Noch nicht in trockenen Tüchern, aber zum Greifen nahe ein Kontrakt über zwei Spezialfähren für einen guten Bekannten: British Columbia Sea Ferries mit Sitz in Vancouver/Kanada besitzt bereits vier Flensburger Schiffe für den Fährverkehr am Pazifik, jetzt sind die Flensburger in der Ausschreibung gemeinsam mit zwei Mitbewerbern für zwei weitere Doppelender-Fähren ganz oben angelangt. Sierk ist zuversichtlich, dass die FSG auch hier zum Zuge kommt: Unvergessen der herzliche Indianerüberfall der Kanadier zur Taufe der „Coastal Renaissance“ im September 2007 und die freundschaftliche Verbundenheit zum Kunden aus Übersee. Für BC Ferries könnte eine strategische Allianz zum Zuge kommen, die die FSG mit einem anderen Weltmarktführer aus Deutschland eingegangen ist – mit der Mayer Werft in Papenburg. Der Weltmarktführer für luxuriöse Kreuzfahrtschiffe ist Partner des Weltmarktführers für RoRo-Fähren – das könnte für die kanadischen Kunden den Ausschlag geben.

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