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Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 03:48 Uhr

Flensburg : Zahl der Asylbewerber nimmt zu

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Immer mehr Schutzsuchende leben in Flensburg. Die meisten stammen aus Afghanistan, dem Iran und dem Irak. Der Wohnraum ist annähernd ausgelastet.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2013 | 12:00 Uhr

Die Zahl der Asylbewerber ist innerhalb der vergangenen zehn Jahre deutlich gestiegen. Waren es 2003 noch zehn Menschen, die um Asyl baten, sind mittlerweile 230 Asylsuchende in der Stadt, wie Kirsten Jessen, Leiterin der Ausländerstelle Flensburg sagt. Doch die Zahlen ändern sich wöchentlich, wenn nicht gar täglich. Von Neuankömmlingen erfährt die Behörde stets zehn Tage vor dem Ankunftstag in der Stadt.

Flüchtlinge aus Syrien machen bisher einen Bruchteil der Menschen aus, die die Landesaufnahmestelle in Neumünster nach Flensburg schickt. Wie viele das sind, gibt eine Quote vor: 3,32 Prozent der nach Schleswig-Holstein kommenden Asylbewerber nimmt Flensburg auf.

In der Stadt suchen derzeit drei Syrer Asyl. Insgesamt leben 44 Menschen aus dem Land an der Förde. Zahlenmäßig an der Spitze seien die Afghanen, Iraner und Iraker, zu finden. Doch auch die Gruppe der Zuwanderer aus ehemaligen Sowjetrepubliken, wie etwa Armenien und Georgien habe eine gewisse Größe, sagt Jessen.

Scheint die Zahl der Asylbewerber noch übersichtlich zu sein, stellt sie die Stadt inzwischen vor ein Problem. „Unser Kontingent an Unterkünften ist ausgereizt“, sagt Jessen, die Mitglied der Härtefallkommission des Innenministers ist. Doch der Höhepunkt des Zuzugs von Asylbewerbern ist ihrer Ansicht nach noch nicht erreicht. „Die Zahl der Menschen aus Syrien wird im nächsten Jahr in Schleswig-Holstein deutlich zunehmen.“

Pressesprecher Clemens Teschendorf erläutert die Unterbringungspolitik der Stadt: „Von Sammelunterkünften halten wir nichts. Wir legen Wert auf eine dezentrale Verteilung.“ Die Menschen kämen alle aus schwierigen Verhältnissen in ihren Ländern. Sie hätten ein Recht auf ein faires Verfahren. Von Sammelunterkünften spricht der Gesetzgeber, wenn kein Geld ausgezahlt wird, sondern die Bewohner Sachleistungen und ein Taschengeld bekommen. In Flensburg erhalten die Flüchtlinge Geld und Wohnraum entsprechend den Vorgaben des Asylbewerberleistungsgesetzes. Die Wohnräume werden mit Möbeln eines schwedischen Möbelhauses ausgestattet oder Gebrauchtmöbeln, nicht mit Gegenständen vom Sperrmüll, betont Teschendorf.

Derzeit wohnen die Asylbewerber an sieben Orten in der Stadt. Sie können sich selbst versorgen und erhalten die ärztliche Hilfe, die dem Normalversicherten auch zusteht. Eine gesonderte psychologische Unterstützung gibt es nach Aussage des Stadtsprechers nicht.

Das Bild der Asylsuchenden hat sich gewandelt, wie Kirsten Jessen erläutert: „Nur mit Plastiktüte kommt hier keiner mehr an“, sagt sie mit Blick auf das teilweise üppige Reisegepäck der Menschen, die in der überwiegenden Zahl einzelne junge Männer sind, die Markenkleidung trügen und mindestens ein I-Phone ihr eigen nennten. Kämen Familien, ordere die Behörde schon mal ein Taxi für die Fahrt zur Unterkunft.

Bei der Verständigung helfen ehrenamtliche Übersetzer weiter oder – sobald es amtlich wird – professionelle Dolmetscher. Aber auch Studenten oder Asylsuchende selbst helfen dabei, sagt Jessen, die morgen wieder erfährt, wer in zehn Tagen in Flensburger aus dem Zug steigen wird.

 

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