Behörden-Ärger : Zäher Kampf um eine Geburtsurkunde

Das Flensburger Standesamt steht wiederholt in der Kritik.
Das Flensburger Standesamt steht wiederholt in der Kritik.

Seit sieben Monaten ringt eine aus Afghanistan stammende Flensburger Familie um den Identitätsnachweis für ihren Sohn

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21. März 2014, 07:57 Uhr

Der kleine Sahel ist sieben Monate alt – doch eine Geburtsurkunde bekommt er nicht. Seine Eltern kämpfen mit dem Standesamt um das Dokument. Eine Odyssee über Ämter und Botschaften bis hin zum Landeskriminalamt in Kiel liegt hinter ihnen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Flensburger Behörde wegen der komplizierten Vergabe in der Kritik steht. Wiederholt wurden Eltern ausländischer Herkunft mit der Begründung abgewiesen, dass die Voraussetzungen für eine Beurkundung nicht vorlägen.

Im Falle der aus Afghanistan stammenden Familie Farsad stellt es sich ähnlich dar, obwohl das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Marie (23) flüchtete im Alter von drei Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland, ihr Lebensgefährte kam über Dänemark nach Flensburg – beide sind EU-Bürger. Nach der Geburt ihres Sohnes machte sich das Paar daran, alle Dokumente zusammenzusammeln, die das Standesamt für das Ausstellen einer Geburtsurkunde verlangt. Langwierig, nervenaufreibend, teuer.

Marie, die hier eine pharmazeutisch kaufmännische Ausbildung absolviert hat, forderte über die afghanische Botschaft in Berlin ihre Geburtsurkunde an, die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt sie schon seit Jahren. Ihr Mann ist im Besitz eines dänischen sowie afghanischen Ausweises. Eine Kopie seiner Geburtsurkunde musste er über die afghanische Botschaft in Oslo organisieren und diese in Dänemark bei der Ausländerbehörde offiziell bestätigen lassen. „Leider wurde das in Flensburg nicht anerkannt“, sagt der Leiter zweier Apotheken. „Selbst als ich die Originale nachreichte, war das nicht genug.“ Die Stadt wollte die Echtheit der Dokumente auf dem Wege der Amtshilfe bei der deutschen Botschaft in Kabul überprüfen lassen. „Dafür sollten wir 700 Euro bezahlen“, sagt Shafiz Farsad – und das habe er nicht einsehen wollen. Nachzuweisen wäre darüber hinaus eine Wegskizzenbeschreibung von „Referenzpersonen“ zum ehemaligen Wohnort und andere Details.

Das Problem: Der Nachname des Vaters, Farsad, den auch sein Sohn führen soll, ist nur in seinem dänischen, nicht aber im afghanischen Ausweis verzeichnet. „Das ist bei uns aber ganz normal“, sagt der 32-Jährige, der inzwischen zehn Mal beim Standesamt vorstellig geworden ist und (vergeblich) versucht hat, sich direkt beim Oberbürgermeister zu beschweren. Ein Mitarbeiter der Verwaltung habe sich der Sache angenommen, und, nachdem das LKA die Authentizität der Papiere schließlich bestätigt hatte, die Angelegenheit forcieren können.

„Wir sind in der Tat einen großen Schritt vorangekommen“, bestätigt Stadtsprecher Thomas Kuchel, der aus Datenschutzgründen zum konkreten Fall nicht Stellung nehmen kann. Leider sei der Identitätsnachweis von Bürgern etwa aus Irak oder Afghanistan grundsätzlich problematisch. Man sei aber an den Erlass des Innenministeriums gebunden. „Wir hoffen jetzt auf einen baldigen, positiven Abschluss der Angelegenheit.“

Das hofft auch die inzwischen ziemlich entnervte Familie Farsad, wohl wissend, dass der von den dänischen Behörden überprüfte und beurkundete Nachname in Flensburg offenbar nicht belegbar sei. „In Hamburg läuft das alles viel reibungsloser“, sagt Shariz, der sich juristische Schritte vorbehalten will.

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