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Phänomenta Flensburg : Wowereit und Stegner: Polit-Talk ohne Biss

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Für Ralf Stegner war es in schöner Abend mit Klaus Wowereit in Flensburg - nicht mehr und nicht weniger.

Wahlkampf ist, wenn selbst die Frechsten zahm werden. Wenn Ralf Stegner Klaus Wowereit trifft, wie am Freitag in der Phänomenta zum Talk über Politik und Privates, dann kann man schon hoffen, dass es prickelt. Aber das Gespräch mit der Radiomoderatorin Nina Wonerow blieb lieb.

Der 63-jährige „Wowi“, längster Regierender Bürgermeister von Berlin (bis Ende 2014), freut sich seit seinem Ausstieg aus der aktiven Politik über einen „erheblichen Anteil von Freizeit“. Er sei mit 18 in die SPD eingetreten, „das war die andere Welle vor Martin Schulz“, und hätte nie für möglich gehalten, dass es wieder eine solche Aufbruchstimmung geben würde. Als erstes Ziel der Sozialdemokraten nennt er, dass ohne sie eine Regierungsbildung unmöglich sei. Ralf Stegner, stellvertretender Vorsitzender der SPD, was Wowereit früher war, hält das neue Selbstbewusstsein der Genossen für einen großen Fortschritt. Beide sind sich einig in ihrer Meinung zu Trump, der mit einer Mauer das, was zwischen Mexiko und den USA ist, nicht lösen wird (Wowereit), und schon jetzt weniger Zustimmung erfährt als Nixon kurz vor dem Rücktritt (Stegner). Und beide prangern das Politiker-Bashing an. „Es gibt kaum einen härteren Job", hat Klaus Wowereit erfahren, als er Anfang 2013 Aufsichtsratsvorsitzender des unvollendeten Berliner Flughafens war. Die einzigen, die kritisiert wurden, bestätigt und beklagt Stegner, waren die Politiker, die wie er im Aufsichtsrat der HSH-Nordbank waren. Der Pfälzer und Vater dreier Söhne, stellt klar, wie wenig fruchtbar der Boden für rechten Populismus in Schleswig-Holstein sei. Eine Zuschauerin fragt Stegner, wie er zu Afghanistan als sicheres Herkunftsland steht, eine andere möchte, dass Wowi auf sein Coming Out 2001 zurückblickt. Afghanistan ist nicht sicher, sagt Stegner und berührt mit einer Begegnung mit einem 17-Jährigen, der Familie auf der Flucht verloren hat und zurück muss. Und Wowi als Wegbereiter offener Homosexualität sagt, die Gesellschaft habe sich geändert, und warnt, „sie kann sich aber wieder ändern“. Und eine Publikumsfrage zum Thema Sicherheit geht an den Landtagskandidaten Prof. Heiner Dunckel. Der hat bei einer Nachtschicht mit der Polizei erfahren: „Man ist in der Stadt sicher.“ Moderatorin Wonerow lässt schließlich die Protagonisten des Abends Schlagzeilen für die Zeitungen vom 5. Mai beziehungsweise 25. September entwickeln: Stegner wählt „Kantersieg für die Küsten-Koalition“ und Wowereit „Schulz Wahlsieger“. Tags darauf twittert Ralf Stegner: „Ein schöner Abend mit Klaus Wowereit in Flensburg.“ Nicht mehr, nicht weniger.



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erstellt am 03.Apr.2017 | 16:59 Uhr

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