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Flensburgs Polizei erklärt : Woran Einbrecher sich die Zähne ausbeißen . . .

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Einbruchdiebstähle haben in der Region Flensburg im Vergleich zu 2014 um 17 Prozent zugenommen.

„Traurig genug, dass man sich zu so einem Anlass hier einfinden muss.“ Eine Besucherin sprach aus, was viele dachten, als sie zu dem „Abend für Ihre Sicherheit“ ins Rathaus strömten. Die Bürgerhalle platzte aus allen Nähten, so groß war das Interesse oder besser die Sorge der Flensburger um die eklatant gestiegenen Einbruchdiebstähle in der Stadt.

Kaum hatte die Stadtpräsidentin ihr Grußwort gesprochen, enterten zwei Schutzpolizisten in voller Montur das Rednerpult und unterbrachen das Prozedere. Was war passiert? Einbruch im Rasthaus oder gar ein Bombenalarm? Zum Glück nicht. Die Beamten seien, erzählten sie mit ernster Stimme, soeben wegen eines hochgradig suspekten Autos gerufen worden, das langsam durch die Straßen gefahren sei und aus dem heraus konspirativ Fotos geschossen worden seien. Wollten die Gauner etwa Häuser ausspionieren? Bei der Überprüfung stellte sich schließlich heraus, dass es sich um ein junges Pärchen handelte, das sich lediglich von den umliegenden Gebäuden für ihr Neubauvorhaben inspirieren lassen wolle.

Ein fiktiver Fall zwar – doch damit wurde ein zentrales Anliegen der Veranstaltung illustriert: „Die Zeugen haben richtig gehandelt“, sagte der Polizist. „Bei verdächtigen Beobachtungen die 110 rufen. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.“

Damit war der Sketch beendet und Kay Katzenmüller von der Zentralstelle polizeiliche Prävention (Kiel) schritt zur Tat – und das recht ausführlich. Er widmete sich eine Stunde lang detailliert allen erdenklichen Sicherungssystemen, mit denen man sich ungebetene Gäste vom Leib halten kann – von Einsteckschlössern, Weitwinkel-Spionen oder Schutzbeschlägen für Türen, umlaufenden Pilzkopfzapfenverriegelungen an Fenstern über einbruchhemmende Rollläden, abschreckende Innenbeleuchtung bis zu diversen Alarm- und Überfallmeldeanlagen.

Michael Raasch von der Bezirkskriminalinspektion wusste sodann zu berichten, dass der schwere Diebstahl sich schwerpunktmäßig immer weiter hin zu Einbruchdiebstählen verlagere. Im Stadtgebiet und Umlandgemeinden sei die Zahl von 309 (2014) auf 362 im letzten Jahr angewachsen. Im Januar 2016 sei indes ein Rückgang zu verzeichnen. Besonders Randgebiete wie Harrislee, Handewitt oder Jarplund seien im vierten Quartal betroffen gewesen. Die Aufklärungsquote liege bei zwölf Prozent. Im Visier hat die Kripo reisende Tätergruppen, meist junge Männer aus dem Westbalkan – hochmobil, gut verdrahtet und ohne soziales Umfeld. Frei nach dem Motto: „Wir sind hier nur auf Montage.“ Wegen der schwierigen Beweislage, bekräftigte Raasch, sei man auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. „Scheinbar Belangloses kann sich nach Wochen oder Monaten als wichtig erweisen.“

Abschließend gab es ein wenig Zeit für Fragen, deren Ergebnis allerdings wenig erhellend war. Etwa die, ob zwei Hunde im Haus eine ausreichende Alarmanlage seien, wie man die Leitstelle von Norwegen aus erreichen können oder ob der Nachbar zu belangen sei, weil er trotz eines Einbruchs nebenan nichts unternommen habe. Beklagt wurde zudem mangelnde Polizeipräsenz auf den Straßen. Als der Info-Abend nach zwei Stunden beendet wurde, hatte drei Viertel der Gäste die Veranstaltung bereits verlassen. Ein deutliches Zeichen dafür, das nächste Mal ein wenig an der Dramaturgie zu feilen.

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