Kleingärten in Flensburg : Wohnzimmer unter freiem Himmel

Pure Gartenfreude: Die Pankins verbringen gerne viel Zeit im Grünen. Fotos: Schönbach
1 von 3
Pure Gartenfreude: Die Pankins verbringen gerne viel Zeit im Grünen. Fotos: Schönbach

Schrebergärten wieder beliebter – Leerstände nehmen nicht weiter zu

shz.de von
30. August 2018, 18:03 Uhr

Jeder kennt das Klischee des spießigen Kleingärtners, der mit Millimetermaß die Hecke schneidet und dabei von seinen Gartenzwergen kritisch beobachtet wird. „Wer danach sucht, wird bei uns nicht fündig“, betont der zweite Vorsitzende der Gartenfreunde e.V. Flensburg Tom Frohnert. Vor vier Jahren pachtete er seine erste Parzelle und bemerkte schnell, dass kleingärtnern ein Lebensgefühl ist. Vor anderthalb Jahren wurde er zum zweiten Vorsitzenden von 2 500 Mitgliedern.

Gegründet wurde der Verein 1895. Er verpachtet zur Zeit rund 2000 Parzellen in über 70 Kolonien, die über das ganze Stadtgebiet verteilt sind. „Diese Dezentralität ist in Schleswig-Holstein eine Besonderheit“, sagt Wilfired Logemann, Rechnungsführer des Vereins. Nebeneinander würden die Kolonien eine Fläche von 800 000 Quadratmetern ergeben. „Für Flensburg ist das ein großer Naturschatz, den wir entwickeln und erhalten wollen“, so Logemann. Aktuell arbeiten die Gartenfreunde zusammen mit der Stadt, als größtem Landverpächter, am Kleingartenentwicklungskonzept 2035. Bis zur Fertigstellung werde allerdings noch einige Zeit vergehen. Der Fokus liegt auf der Bestandsaufnahme und Analyse der Kleingartenflächen. „Uns ist besonders die Erhaltung der Dezentralität aller Kolonien wichtig, da unsere Mitglieder meist ihren Garten in der Nähe ihres Wohnortes haben“, bekräftigt Frohnert.

So kam auch Elena Pankin mit ihrer Familie zu ihrem Garten: „Ein Nachbar empfahl uns damals die Kolonie, mittlerweile haben fast alle unsere Nachbarn hier einen Garten.“ Das ist nun elf Jahre her, seitdem kommen die Gartenbesitzer regelmäßig zu Grillabenden und Teestunden zusammen. „Die Gemeinschaft hier gefällt uns sehr.“ Der Verein fördert dieses Miteinander, in dem er Flächen für Gemeinschaftsnutzung zur Verfügung stellt. Auch an Kindergärten und Schulen wird verpachtet, die die Gärten pflegen und für verschiedene Projekte Gemüse anbauen. „Die Kinder werden dabei an die Natur und bewusste Ernährung herangeführt“, sagt Wilfired Logemann. Der Rechnungsführer ist bereits seit 45 Jahren im Verein aktiv. Damals habe er nur durch Glück eine Parzelle bekommen, heute sei die Situation eine andere. Derzeit stehen rund 450 Parzellen leer. Dabei kann die Auslastung je nach Standort stark variieren. „Anders als in den letzten Jahren nimmt der Leerstand nicht zu, sondern stagniert“, sagt Logemann. Gleichzeitig steige das Interesse, gerade junge Familien und Neubürger entdeckten Kleingärten für sich. Das sei auch auf ein gestiegenes Bewusstsein für nachhaltigen Obst- und Gemüseanbau zurückzuführen. Auf den vom Bundeskleingartengesetz vorgesehenen 400 Quadratmetern werden unter anderem Gurken, Kartoffeln und Zucchini angebaut. „Man gibt sein Wissen von Generation zu Generation weiter“, sagt Logemann. Wer als Neuankömmling noch Hilfe im Garten braucht, kann sich auf die Gemeinschaft der Kleingärtner verlassen. Jedes Jahr werden bis zu 350 Parzellen an die nächste Generation weitergegeben.

Zu dieser jüngeren Generation gehört auch Tom Frohnert mit seiner Familie. „Der Arbeitsstress fällt von mir ab, wenn ich im Garten bin. Er ist wie ein Wohnzimmer unter freiem Himmel.“ Dieses Gefühl möchte er auch anderen ermöglichen.

Ende der Serie

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen