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Europa-Universität und Hochschule Flensburg : Wohnungssuche: 220 Studenten haben keine Bleibe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gestern hat die Einführungswoche für die Erstsemester begonnen – doch für viele birgt der Studienanfang noch Probleme

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2017 | 06:35 Uhr

Die Liste ist lang. Sehr lang. 220 Studenten, die dringend ein Dach über dem Kopf brauchen, hat das Studentenwerk aktuell registriert. Damit dürften angesichts einer hohen Dunkelziffer von den knapp 3000 Studienanfängern an Uni und Hochschule etwa zehn Prozent noch ohne Wohnung sein.

Auch für Lisa hat das Semester begonnen. Die 20-Jährige sucht, wie viele ihrer Leidensgenossen, noch immer eine Bleibe. „Ich bin wohl zu spät dran“, sagt sie. Im Gegensatz zu ihrer Freundin Anik (19). Die hat sich bereits Ende Juli beim Studentenwerk um eine Wohnung beworben und Glück gehabt, dass das neue Studentenwohnheim auf dem Campus rechtzeitig fertiggestellt wurde. Dort wohnt auch Timo (19) aus Bad Oldesloe, der über das Losverfahren erfolgreich war. Ebenso wie Katrin aus Frankfurt. Die 22-Jährige ist aus ihrer Heimat ein völlig anderes Preisniveau gewohnt. „Hier zahle ich nur 280 Euro, und das mit eigenem Badezimmer“, strahlt sie.

Modern und möbliert: Eines der Zimmer im neuen Studentenwohnheim auf dem Campus direkt neben dem Hauptgebäude.
Modern und möbliert: Eines der Zimmer im neuen Studentenwohnheim auf dem Campus direkt neben dem Hauptgebäude. Foto: Valente (2)

Knapper und teurer Wohnraum

Andere hingegen gucken in die Röhre, müssen bei Freunden unterkommen oder anderweitig improvisieren. „Es scheint unmöglich, ein WG-Zimmer für unter 300 Euro zu bekommen“, stöhnt eine Kommilitonin. „Ist das noch vertretbar?“ Günstige Wohnmöglichkeiten wie die Studentenwohnheime sind schon vor Semesterbeginn ausgebucht, Wohnungen im Stadtzentrum schnell vergriffen.

„Natürlich muss man auch Glück haben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein“, meint Henning Evers vom Studentenausschuss Asta. Aber reicht Glück allein aus? „Ich habe schon vor meiner Zusage im Juni begonnen, eine Wohnung zu suchen“, erzählt Tina Labuhn (24), sie studiert im sechsten Semester Sport und Mathematik auf Grundschullehramt. Mittlerweile ist sie Hauptmieterin in ihrer Wohnung. Sorgen, dass sie keinen neuen Mitbewohner findet, hat sie nicht. Häufig muss sie ein freies Zimmer gar nicht erst ausschreiben, da sich schnell Bekannte melden, die jemanden kennen, der auf der Suche ist.

Späte Uni-Zusagen

Die Umstellung auf das vier Wochen früher startende internationale Semester erschwert die Situation zusätzlich. „Die Zusagen für Nachrücker werden erst Anfang September verschickt, das neue Semester startet aber schon zwei Wochen danach“, erklärt Tina. Bei den Austauschstudenten scheint die Lage relativ entspannt. „Im Gegensatz zu den Vorjahren hatten wir keine Probleme, passenden Wohnraum für die Studierenden zu finden“, sagt Janntje Böhlke-Itzen, Leiterin International Relations der Hochschule.

Ausweichen auf andere Angebote

Auch die Plattform Airbnb wird von Anfragen überrollt. Vermieter berichten von Studenten, die in ihrer Not auf das eigentlich auf Urlauber ausgerichtete Angebot ausweichen und versuchen, ein Zimmer auf längere Sicht zu buchen, um so einen günstigeren Preis zu erzielen. Dennoch bleibt es unterm Strich deutlich teurer als etwa ein WG-Zimmer.

Suche auf Randgebiete ausdehnen

„Neue Studenten sollten sich realistische Ziele setzen, was sie von einer Wohnung erwarten und sich Gedanken über Kosten, Lage und Mitbewohner machen“, sagt Henning Evers, Mitglied im Asta und im Senat des Studierendenparlaments. So sei es ratsam, sich bei der Wohnungssuche nicht nur auf den Stadtkern zu fokussieren. Gerade als günstige Übergangslösung am Anfang sollten auch Stadtteile wie Mürwik oder Neustadt oder gar umliegende Dörfer in Betracht gezogen werden.

Sollte der Einstieg erstmal geschafft und eine Wohnung gefunden sein, sei es auch einfacher, sich nochmal auf dem Wohnungsmarkt zu orientieren, macht Evers Mut. Allerdings haben Studenten die Erfahrung gemacht, dass es gerade zum Studienbeginn wichtig ist, mobil und verkehrstechnisch gut angebunden zu sein. Insofern bevorzugen sie eine zentrale Lage.

Soziale Medien nutzen

Der Asta rät, sich über Facebook und die gestern begonnene Einführungswoche mit Kommilitonen zu vernetzen, um schneller eine Unterkunft oder neue Mitbewohner zu finden. „Eine Woche im Auto schlafen musste aber auch noch niemand“, beruhigt Paul Weber, Vorstand des Asta. „Bisher hat noch jeder etwas gefunden.“ Irgendwann.

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